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    Schafberg, Mondsee

    Klimawandel setzt auch den Seen im Salzkammergut zu

    ST. LORENZ. Erstmals haben Wissenschaftler am Beispiel dreier Seen im Salzkammergut untersucht, wie sich der Klimawandel auf das Leben in alpinen Gewässern auswirkt. Das Ergebnis ist besorgniserregend.

    Der Klimawandel wirkt sich auch auf die Seen im Salzkammergut aus. Bisher wurden nur die Temperaturanstiege an der Wasseroberfläche gemessen. Jetzt haben Wissenschaftler am Beispiel von Hallstättersee, Mondsee und Irrsee erstmals untersucht, wie sich dadurch auch das Leben in den österreichischen Alpenseen verändert.

    Die drei Ökologen Harald Ficker, Martin Luger und Hubert Gassner vom Bundesamt für Wasserwirtschaft in St. Lorenz am Mondsee führten nicht nur genaue Messungen durch. Sie werteten auch Hunderttausende Daten aus, die in dem Institut am Mondsee in den vergangenen Jahrzehnten gesammelt wurden. Auf diese Art erhielten sie Vergleichsdaten über einen langen Zeitraum, aber auch über alle Tiefenschichten der Seen. Ihre Forschungsergebnisse publizierten sie jetzt in der britischen Wissenschaftszeitung „Freshwater Biology“.

    Wasserdurchmischung fehlt

    Die Studie weist nach, dass die durchschnittliche Oberflächentemperatur der drei Seen seit 1975 um 1,4 Grad Celsius (Hallstättersee) bis zwei Grad (Irrsee) anstieg. Auf dem Grund der Seen blieben die Temperaturen allerdings weitgehend stabil. Das bedeutet, dass die Temperaturunterschiede und -schwankungen zwischen Grund und Oberfläche zunahmen. Die Konsequenzen daraus sind jedoch schwerwiegender als bisher gedacht. „Normalerweise kommt es in den Alpenseen zweimal Jährlich zu einer Durchmischung der Wasserschichten“, sagt Martin Luger, der Verantwortliche der Studie. „Wenn im Frühjahr und im Herbst die Temperaturunterschiede zwischen den Schichten gering sind, gleicht sich auch die spezifische Dichte des Wassers in allen Schichten an, und sauerstoffreiches Oberflächenwasser kann in die Tiefe sinken.“ Die Zeitfenster für diesen wichtigen Austausch wurden aufgrund der Erderwärmung in den vergangenen 41 Jahren jedoch immer kleiner. „Mittlerweile fehlen uns bereits fünf Wochen pro Jahr“, so Luger.

    Das führe dazu, dass etliche Salzkammergut-Seen nur noch einmal pro Jahr durchmischt werden – und nicht wie bisher zweimal. „Als Folge daraus entstehen im Spätsommer und Herbst sauerstofffreie Bereiche in den Tiefenwässern“, so Luger. „Dadurch geht Fischlebensraum verloren – wobei in erster Linie kälteliebende Forellenarten betroffen sind.“ In seichteren Gewässern werde das zum Verlust dieser Fischarten führen, prognostiziert der Biologe.

    Anschober zeigt sich besorgt

    Für Umweltlandesrat Rudi Anschober (Grüne) ist die wissenschaftliche Studie ein weiterer Anlass, den Klimawandel endlich ernst zu nehmen und etwas dagegen zu unternehmen. „Was mir große Sorgen macht, ist der Verzögerungseffekt“, sagt Anschober. „Selbst wenn wir sofort handeln, dauert es Jahrzehnte, bis wir damit die Erderwärmung bremsen. Umso tragischer ist es, dass sich unsere Bundesregierung immer noch nicht auf eine Klimastrategie einigen konnte.“

    Von Edmund Brandner, 09.08.2017, 05:18 Uhr

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