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    Kösslmühle

    Abrissarbeiten an der Kösslmühle lösen Proteste aus

    GMUNDEN. VP-Bürgermeister Stefan Krapf schickte heute die Polizei an die Traun, um Abrissarbeiten an der Kösslmühle zu stoppen. Deren Besitzer beteuern, sie hätten nur versucht, einen umgestürzten Baum vom Dach zu entfernen.

    Besorgte Passanten schlugen gestern Früh am Stadtamt Alarm: Bauarbeiter hatten begonnen, die Fassade der Kösslmühle einzureißen. Dabei gibt es keine Abbruchgenehmigung für das historische Gebäude. Es gibt auch nach wie vor keinen Baubescheid für das umstrittene Wohnbauprojekt, das die Eigentümer der Immobilie, das Altmünsterer Unternehmen Gesswein-Spiessberger, an dieser Stelle planen.

    VP-Bürgermeister Stefan Krapf ließ die Abbrucharbeiten sofort durch die Stadtpolizei stoppen und schickte noch am Vormittag eine Sachverhaltsdarstellung an die Bezirksbehörde. Möglicherweise gibt es nun eine Anzeige wegen einer Verwaltungsübertretung. „Diese Vorgehensweise ist indiskutabel“, sagt Krapf verärgert.

    Die verantwortlichen Bauarbeiter vor Ort gaben gegenüber der Polizei an, sie hätten nur versucht, einen umgestürzten Kastanienbaum zu entfernen. Im Rathaus interpretieren den Vorgang viele anders. Sie sehen darin den Versuch, die Stadt vor vollendete Tatsachen zu stellen.

    Im Gespräch mit den OÖN beteuert Christine Gesswein-Spiessberger dagegen die hehren Absichten. „Durch das Loch im Dach kletterten spielende Kinder in den baufälligen Dachstuhl, wir mussten etwas unternehmen. Bei den Arbeiten lockerte sich blöderweise ein Teil des Giebels. Wir sind darüber selbst verärgert.“ Weil auch der Rest nicht mehr sicher zu stehen scheint, zogen die Hausbesitzer gestern noch Statiker bei, um über weitere Schritte zu beraten. „Wir werden die Löcher in der Fassade wieder schließen“, versichert Gesswein-Spiessberger. „Allerdings nur provisorisch.“

    Zerknirschte Bauwerber

    Die Unternehmerin weiß, dass der Zwischenfall ihrem Bauvorhaben geschadet haben könnte. Das Projekt stößt in der Gmundner Bevölkerung auf großes Misstrauen. Auch die Gemeindevertreter fordern Planungsänderungen ein. Umstritten ist die Kubatur des geplanten Wohnblocks. Das Rathaus stößt sich sowohl an der Aufstockung um eine Etage als auch an einem Parkplatz für 45 Fahrzeuge. „Im Gestaltungsbeirat haben wir in mehreren Sitzungen vergeblich versucht, einen Kompromiss zu erreichen“, sagt Baustadtrat Reinhold Kassmannhuber. „Die letzte Verhandlungsrunde vor zwei Wochen ist wieder gescheitert.“

    Formal gesehen, sitzt die Stadtgemeinde am längeren Ast, denn für das Projekt müsste der Bebauungsplan verändert werden. Da dies (im Unterschied zur Baugenehmigung selbst) politisch entschieden wird, braucht es dazu eine Mehrheit im Gemeinderat. „Leichter ist das nach dieser Aktion sicher nicht geworden“, sagt Kassmannhuber.

    Stefan Krapf, Bürgermeister von Gmunden


    Von Edmund Brandner, 10.08.2017, 13:05 Uhr

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