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    Geistig rege bis 103 Von Bert Brandstetter

    Ludwig Rosensteiner: Geistig rege bis 103

    Wie es ihm denn gehe, fragte ich den damals 100-jährigen ehemaligen Professor am Petrinum, Ludwig Rosensteiner, anlässlich eines Treffens von Altpetrinern: "Mir geht’s ganz gut", meinte er, "nur die Geh-Werkschaft macht mir Schwierigkeiten."

    Damals ging er bereits mit Krücken, wenig später akzeptierte er den Rollstuhl. "Eine Pflege lehnte er ab, bis zuletzt", sagt sein Schwiegersohn, der ehemalige Wilheringer Gemeindearzt Hermann Gahleitner, auch nach einer Operation, die wegen eines Sturzes erforderlich wurde. "Eine seiner großen Fragen richtete sich zuletzt danach, was ihm das Leben durch diesen Oberschenkelhalsbruch, die Operation und anschließende Lungenerkrankung sagen wollte", staunt Gahleitner über die ungebrochene geistige Regheit des 103-Jährigen, der noch kein graues Haar und alle seine Zähne besaß. Die Ursache dafür vermutet der Mediziner in den Genen, dann aber auch im spartanischen Leben: kein Übergewicht, kein Nikotin, Alkohol immer nur mäßig.

    14 Brüder und Schwestern

    Ludwig Rosensteiner wurde 1915 in Ternberg geboren, wo er mit 14 Geschwistern aufwuchs. Fast alle erreichten mehr als 90 Lebensjahre, zwei jüngere Geschwister leben noch, beide jenseits der 90. Das Gymnasium besuchte Rosensteiner im Petrinum, wo er 1935 maturierte, mit Auszeichnung natürlich. Sein Ziel wäre es gewesen, Priester zu werden. Vier Jahre studierte er Theologie, empfing alle niederen Weihen, bis er in den 2. Weltkrieg ziehen musste. Der verschlug ihn sogar bis Stalingrad, wo im Stab seine Kenntnis der Kurzschrift benötigt wurde und er damit nicht in die verheerende Schlacht ziehen musste.

    Nach dem Krieg schlug Rosensteiner einen anderen Lebensweg ein, er studierte Latein und Griechisch, heiratete seine Frau Maria und wurde Professor am Petrinum. Sein späterer Schwiegersohn wurde sein Schüler, auch Alt-Landeshauptmann Josef Pühringer zählte dazu. Vier Kinder prädestinierten Rosensteiner auch für das Amt des Präsidenten des Katholischen Familienverbandes in der Diözese, außerdem engagierte sich der als streng, aber gerecht bekannte Professor nach der Pensionierung im Katholischen Bildungswerk seiner Pfarre am Linzer Froschberg.

    In der dortigen Pfarrkirche St. Konrad wird am 25. Mai um 14 Uhr Gottesdienst gefeiert, bevor er danach auf dem Stadtfriedhof Leonding neben seiner Gattin bestattet wird, die 2002 gestorben ist.

    Bert Brandstetter, 17.05.2018, 00:04 Uhr

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