• Linz
    "Nichtwissen ist politisches Instrument"

    „Nichtwissen ist politisches Instrument“

    LINZ. Wiltrud Hackl, seit drei Jahren Geschäftsführerin der oö. Gesellschaft für Kulturpolitik in Linz, will den Diskurs ermöglichen - „Kultur für alle“ ist immer noch ein Leitmotiv.

    Sie ist „erschüttert“ darüber, wie die Thematik dieser Saison Realität geworden ist und das „Nichtwissen“ sogar zu einem „politischen Instrument“ geworden ist. Faktenbasiertes Wissen ist lästig, alternative Fakten reichen. „Bestimmte Medien werden als Lügenpresse abgekanzelt, und Menschen werfen sich über soziale Medien ihr selbstgebasteltes Wissen um die Ohren“, sagt Wiltrud Hackl.

    Die freie Journalistin und Moderatorin (47) ist seit drei Jahren Geschäftsführerin der oö. Gesellschaft für Kulturpolitik (gfk) in Linz, die 1981 vom damaligen SP-Parteivorsitzenden Karl Grünner initiiert wurde, um den Kulturauftrag der Sozialdemokratie verstärken zu können. Das Motto „Kultur für alle“ war Grundlage.

    Für Hackl ist es bei den Veranstaltungen wichtig, „den Diskurs zu ermöglichen.“ Dafür wurde auch das Format „KulturKarussel“ erfunden, in dem Persönlichkeiten aus verschiedenen Bereichen auch vom Publikum befragt werden können. Veranstaltungsort ist zumeist das im Jahr 2012 umgebaute ehemalige Kino Central an der Linzer Landstraße 36.

    Gibt es einen Leitlinie bei der Programmierung? „Ich versuche zumindest inhaltlich einen roten Faden zu finden. Aber natürlich ist es manchmal so, dass man jemanden von einer Agentur angeboten bekommt, bei dem man einfach nicht Nein sagen kann!“ So ist es auch mit der Lesung von Krimi-Autor Martin Walker gewesen. Vom Land Oberösterreich bekommt die gfk 150.000 Euro pro Jahr und mit Sponsoren „geht es sich finanziell ganz gut aus.“

    Am 7.Oktober gibt es eine Konferenz des Nichtwissens in der Landesbibliothek, denn Kooperationen mit anderen Kulturanbietern und -vermittlern in Linz sind ihr wichtig: „Da gibt es auch eine große Neugierde und Offenheit in Linz“, sagt Hackl. Bei der Konferenz wird von verschiedenen Standpunkten aus das Nichtwissen und die Agnotologie betrachtet und diskutiert. Agnotologie ist ein relativ neuer Begriff, der die Erschaffung und Aufrechterhaltung von Unwissen untersucht: Wie kann Unwissen durch Manipulation, Unterdrückung von Informationen und Zensur geschaffen oder erhalten werden?

    „Die Tabakindustrie hat es beispielsweise in den 1980ern noch immer geschafft, obwohl alle Fakten dagegen gesprochen haben, den Marlboro-Man als cool und lässig durchgehen zu lassen“, sagt Hackl.

    Und Ähnliches passiere jetzt mit dem Klimawandel: „Alle Studien bezeugen diesen Wandel und uns wird suggeriert, er sei eine Erfindung der Medien. Oder auch wenn wir alle wissen, dass Kinder in Bangladesch unter armseligen Bedingungen in Kleiderfabriken arbeiten müssen, kaufen wir diese billige Kleidung....“

    Oö. Gesellschaft für Kulturpolitik, Landstraße 36/3, 4020 Linz; www.gfk-ooe.at; Tel. 0043/05 77 26 11 710

     

    Silvia Nagl, 19.04.2017, 00:04 Uhr

    Mehr Linz
    Linz Übersicht
    Zurück Zum Seitenanfang