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    "Ein Hochhaus kann in Linz überall gebaut werden, auch in der Altstadt"

    "Ein Hochhaus kann in Linz überall gebaut werden, auch in der Altstadt"

    LINZ. Planungsdirektor Gunter Amesberger heizt mit seiner Erklärung, warum in Linz der Bau von Hochhäusern grundsätzlich überall möglich ist, ein heißes Thema weiter an

    Diese Aussage wird die Gegner von Hochhausbauten in Linz aufscheuchen. Derzeit, sagt der Linzer Planungsdirektor Gunter Amesberger im Gespräch mit den OÖNachrichten, "kann in Linz überall ein Hochhaus gebaut werden – auch in der Altstadt".

    Da drängt sich die Frage auf: Gibt es bereits Pläne, im Bereich der Altstadt, also im Geviert rund um den Hauptplatz ein Wohnhaus hochzuziehen? "Nein", sagt Amesberger, "da ist nichts in der Pipeline." Mit der provokanten Aussage wolle er nur verdeutlichen, dass es in Linz keine Zone gibt, in der Hochhausbauten absolut verboten sind.

    Jede Idee ist willkommen

    Hintergrund dafür sei das Faktum, dass man sich in Sachen Baukultur "für den diskursiven Weg" entschieden habe. Heißt im Klartext: Grundsätzlich kann jeder Bauträger für jeden Bauplatz in Linz die Idee vorlegen, dort ein Hochhaus zu errichten.

    Doch dann, so Amesberger, starte das standardisierte 10-Punkte-Programm. Ein "aufwändiges Procedere", in dem viele Faktoren geprüft würden. Etwa die Anbindung des Standorts an den Öffentlichen Verkehr, den Schattenwurf des Gebäudes, dessen Auswirkungen auf Stadtdurchlüftung oder der "programmatische Mehrwert", den es für die Bevölkerung habe. Dazu die möglichen Auswirkungen auf den Individualverkehr und schließlich ein Gutachten, das das Projekt auf die städtebauliche Eignung hin prüfe.

    "Und spätestens bei dieser Prüfung würde das Thema Altstadt erledigt sein", sagt Planungsstadtrat Markus Hein (FP) auf OÖN-Anfrage. Denn seiner Einschätzung nach "würde ein Hochhaus in der Altstadt gegen planerische Ziele verstoßen."

    Vizebürgermeister Bernhard Baier (VP) nimmt Amesbergers Aussage jedenfalls zum Anlass, zum wiederholten Mal einen sogenannten Hochhaus-Plan zu fordern. Darin solle unmissverständlich festgelegt werden, wo in Linz Hochhäuser gebaut werden dürfen und wo nicht. "Solange wir keinen solchen Plan haben, ist alles beliebig", sagt Baier und nennt den derzeit praktizierten 10-Punkte-Plan "zahnlos".

    Er kenne jedenfalls kein Projekt, das aufgrund dieses Plans nicht realisiert worden wäre. Im Gegenteil. Und sollte tatsächlich eines Tages in der Altstadt ein Hochhaus hochgezogen werden, "wäre das eine Bankrotterklärung für die Stadtplanung", sagt Baier.

    Offene Türen für Spekulation

    Während auch Neos-Fraktionschef Lorenz Potocnik und die Linzer Grünen besagten Hochhaus-Plan vehement einfordern, hält Planungsstadtrat Hein nichts davon: "Damit würde der Grundstücksspekulation Tür und Tor geöffnet. Sobald ein Bereich für Hochhausbauten auserkoren ist, würden die Grundstückspreise dort immens ansteigen." Dass eine Verbotszone für Hochhäuser nicht Weisheit letzter Schluss sei, zeige auch das Heumarkt-Projekt in Wien. Das werde trotz Schutzzone und UNESCO-Weltkulturerbe von Rot-Grün durchgedrückt.

     

    Hochhaus-Debatte

    Warum hat uns niemand eingeladen, uns an einer Diskussion über dieses Projekt zu beteiligen, fragt OÖN-Leserin Roswitha Hoffmann und meint damit, den 81 Meter hohen Neubau in der Tabakfabrik.

    Als Bürgermeister Klaus Luger im April 2017 interessierte Bürger zu einem Ideenspaziergang für einen neuen Weg zwischen Tabakfabrik und Posthof einlud, erfuhr Hoffmann viel und hatte angesichts der vielen Teilnehmer das Gefühl, dass die Linzer großes Interesse an der Entwicklung ihrer Stadt“ haben. Um sich konstruktiv zu beteiligen, müssten sie aber auch informiert sein.

    Vom geplanten Hochhaus in der Tabakfabrik sei bei dem Spaziergang nie die Rede gewesen, so Hoffmann. „Die Vertreter der Stadt Linz haben immer wieder betont, wie wichtig die Tabakfabrik für die Stadtentwicklung ist. Wenn man die Gestaltung eines so sensiblen Ortes Investoren überlässt, beraubt man sich der Mitsprache.“

    Anneliese Edlinger und Reinhold Gruber, 13.02.2018, 00:04 Uhr

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