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    Schluss mit sinnlosem Herumhängen: Asylwerber putzen Linzer Innenstadt

    Asylwerber putzen die Linzer Innenstadt

    LINZ. Caritas vermittelt zwei Asylwerber an die Stadt Linz – Stundenlohn: fünf Euro. Ermöglicht hat dies der Linzer Vizebürgermeister Bernhard Baier (VP). Für die Linzer FP ist es eine "Alibiaktion".

    Ja, die heutige Jugend. Schmeißt alles weg, wo es ihr gefällt. Und dann schaut es in der Landstraße wieder aus, als wären wir nicht im kultivierten Mitteleuropa, sondern in einem Slum. So schimpfen jedenfalls manche Leute. Und es sind ja nicht nur junge Menschen, die zum Beispiel Papierln und Getränkedosen in der Linzer Landstraßen-Fußgeherzone wegschmeißen. Auch manche Ausländer tun das. "Die jungen Türken pfeifen sich nichts, die hauen ihren Dreck sogar beim Autofenster hinaus", schimpft ein Mann.

    "Wir bräuchten in Linz Waste Watcher so wie in Wien. Wer Mist auf die Straße wirft, der zahlt Strafe", sagt ein Stadtbediensteter. Waste Watcher oder Mist-Wächter haben wir nicht in Linz, aber seit Anfang dieser Woche gibt es eine Sonderteam, das Straßen und Parks in der Innenstadt zusätzlich säubert.

    Zange, Besen, Schaufel

    Mit Greifzange, Besen, Schaufel und Mistwagerl ist Suleiman S. diese Woche bis einschließlich Freitag unterwegs vom Alten Rathaus über den Hauptplatz aus durch das Schmidtor, die Landstraße hinaus inklusive City-Park beim Vereinshaus, Schillerpark und Volksgarten. Dann geht Suleiman S. retour, biegt aber vor dem Schmidtor auf die Promenade ab, putzt den Landhauspark, zieht durch die Altstadt zum Hauptplatz, und startet eine weitere Runde. Mit dem Afghanen ist in der Gegenrichtung ein weiterer Asylwerber unterwegs, um die Innenstadt rein zu halten.

    Auf jeweils vier bis fünf Durchgänge kommen die putzenden Asylwerber an einem Tag. Nach einer Woche verrichtet ein neues Team die Putzarbeit.

    In Linz ist dieses Putzteam etwas Besonderes. Noch nie zuvor hat die öffentliche Hand in der Landeshauptstadt Asylwerber eingesetzt. Auch jetzt sind nicht Stadt oder Land federführend, sondern die Caritas. "Die sucht die Asylwerber aus und teilt sie ein", sagt Hans-Peter Perlinger, Innenstadtchef der Abteilung Straßengrün und Straßenerhaltung.

    Fünf Euro pro Stunde bekommt Suleiman S. für seine Putzdienste. Seit 14 Monaten ist der 24-Jährige in Österreich, lebt in Linz in einem Quartier der Caritas. "Seit einigen Monaten mache ich einen Deutschkurs", erzählt er

    Nicht arbeiten dürfen

    In seiner afghanischen Heimat war er seinerzeit Taxifahrer. "Aber hier darf ich ja eigentlich noch nicht arbeiten", sagt Suleiman S. Vorläufig wartet der junge Mann darauf, den Asylstatus zu bekommen. Wenn es soweit ist, dann will er hier bleiben und sich eine neue Existenz aufbauen.

    Die Aktion gestartet hat die Caritas, die auch als Organisator agiert. Dass Asylwerber jetzt in Linz putzend im öffentlichen Raum unterwegs sind, hat der für "Stadtgrün und Straßenbetreuung" (Amtssprache) zuständige Vize-Bürgermeister Bernhard Baier (VP) ermöglicht: "Das soll Asylwerbern ermöglichen, durch sinnvolle Beschäftigung Teil der Gesellschaft zu werden."

    Die Linzer FP kritisiert die Aktion als "Alibiaktion". Potenzielle Scheinasylanten könnten die Aktion ausnutzen, um im Asylverfahren bevorzugt behandelt zu werden, sagt FP-Fraktionschef Günther Kleinhanns: "Statt Asylwerbern sollten bereits asylberechtigte Menschen eingesetzt werden."

    300 Asylwerber

    Was in Linz gestern begonnen hat, ist in anderen Gemeinden bereits seit einiger Zeit alltäglich. 300 Asylwerber sind laut Auskunft des Büros von Migrations-Landesrat Rudi Anschober (Grüne) in oberösterreichischen Gemeinden mit gemeinnützigen Tätigkeiten beschäftigt. Das ist zum Beispiel in Grünau, Scharnstein, Freistadt, Wolfsegg und Steyr der Fall.

     

     

    Erhard Gstöttner, 19.04.2017, 01:00 Uhr

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