• Linz

    Als der Landeshauptmann in einer Linzer WG zum Abendessen vorbeischaute

    LINZ. Thomas Stelzer dinierte mit Eva, Lisa und Cornelia in ihrer nachhaltigen Wohngemeinschaft in der Linzer Hamerlingstraße.

    "Ist er schon da? Wo ist denn die Kräutersauce?!", rufen Eva, Lisa und Cornelia aufgeregt durcheinander. Ein Handyalarm geht los. Er soll die drei jungen Oberösterreicherinnen daran erinnern, dass um 17.30 Uhr Landeshauptmann Thomas Stelzer zum Abendessen in ihre Wohngemeinschaft (WG) in der Linzer Hamerlingstraße kommt.

    Auslöser des hohen Besuchs ist ein Experiment der Initiatoren der Jugendkarte "4youCard" des Landes. Dafür haben die drei Frauen ihr WG-Leben auf "nachhaltig" umgestellt und in sozialen Medien darüber berichtet. Zehn von 15 Wochen haben sie schon geschafft und dabei mit professioneller Unterstützung des Klimabündnisses unter anderem chemiefreie Kosmetik selbst hergestellt, Kleidung aus Stoffresten genäht und ihren Toaster als größten Stromfresser aussortiert.

    Haare waschen ohne Shampoo

    Nun steht nachhaltiges Kochen mit gesunden und regionalen Lebensmitteln auf dem Programm. Für die 19-jährige Mathe- und Biologie-Studentin Lisa wird es das erste Treffen mit dem Landeschef sein. Die gleichaltrige Englisch- und Sport-Studentin Cornelia und die 20-jährige Kindergärtnerin Eva haben in ihrer Zeit als Schülervertreterinnen dem ranghöchsten Landespolitiker schon ein paar Mal die Hand geschüttelt, aber noch nie ein Gespräch mit dem "LH" geführt – geschweige denn mit ihm zu Abend gegessen.

    Plötzlich läutet es an der Tür und er ist da. "Ihr schaut ja ganz relaxed aus. Darf ich mein Sakko ausziehen?", fragt Stelzer die Hausherrinnen höflich. Trotz der kurzen Erleichterung wird er beim Abendessen ins Schwitzen kommen, denn in der Dachgeschosswohnung im vierten Stock ist es brütend heiß. Zur Abkühlung servieren die Studentinnen eine kalte Gurkensuppe.

    "Wenn ich was Falsches sage, könnt ihr mich unter dem Tisch gegen mein Schienbein treten", sagt der LH schmunzelnd. Er zeigt sich interessiert am Alltag der jungen Frauen. "Wie geht’s euch mit der Nachhaltigkeit? Ich stell mir das schwierig vor, das so lange durchzuhalten." Manchmal sei es hart, aber einige Experten-Tipps wird die Dreier-WG auch nach dem Experiment nutzen, darunter die App "CodeCheck", mit der man beim Einkauf den Barcode scannen und die Herkunft der Produkte überprüfen kann, sowie das Haarewaschen ohne Shampoo mit Lavaerde, Backpulver oder Essig. "Wir waren sehr skeptisch und hätten nicht gedacht, dass das so gut funktioniert."

    Weiter geht es im Menüplan mit Spargel und Erdäpfeln aus dem Ofen. "Meinen Geschmack habt ihr getroffen. Darf ich euch noch so einen super Spargel aushängen?", fragt Stelzer. Ihm bleibt nicht immer Zeit für ein gesundes, nachhaltiges Essen: "Nach einem kurzen Frühstück ist sich heute nur eine Wurstsemmel im Büro ausgegangen." Zuhause achtet die Familie Stelzer darauf, regionale Produkte einzukaufen.

    Nächstes Abendessen für LH

    Für den Salat hat Kathrin Mitterhofer-Hablig, Kräuterpädagogin beim Klimabündnis, extra Wildkräuter auf einer Wiese in Arbing gesammelt, darunter Erdholler, Gundelrebe, Schafgarbe, Rot- und Hornklee. "Nicht ärgern über ,Unkraut‘ – einfach essen", empfiehlt sie.

    Das Dessert ist ein Rhabarber-Erdbeer-Kompott. "Das war ,gscheid guad‘. Ich komme wieder", sagt Stelzer. "Gerne, aber bitte mit Ankündigung", antwortet Eva. Der Landeshauptmann muss zum nächsten Abendessen – "eine Parteiveranstaltung". Dort ist aber nur seine Anwesenheit nötig. "Essen kann ich nichts mehr."

    Mehr zur nachhaltigen WG auf www.4youcard.at

    René Laglstorfer, 11.06.2018, 00:04 Uhr

    Mehr Linz
    Linz Übersicht
    Zurück Zum Seitenanfang