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    "Wir liefern Menschlichkeit – 527 Mal täglich"

    "Wir liefern Menschlichkeit – 527 Mal täglich"

    BRAUNAU. Vor der Bezirksversammlung des Roten Kreuzes in Braunau gibt Geschäftsleiter Herbert Markler Antworten.

    Um Zahlen geht es. Und um Menschen. Vor allem um Menschen. Auf diese besondere Maßeinheit hat Herbert Markler, Bezirksgeschäftsleiter des Roten Kreuzes Braunau und ursprünglich Techniker, die Bilanz umgerechnet, die er bei der Versammlung präsentiert. Was dahinter steht, sagt er im Warte-Interview.

     

    Zu Un- und Notfällen fahren ist die bekannteste Aufgabe des Roten Kreuzes. Welche nimmt gerade an Bedeutung zu?

    Markler: Die Wichtigkeit des Rettungsdienstes ist nach wie vor gegeben, der fällt in der Öffentlichkeit auch mehr auf. Anderes wird eher im Stillen gemacht. Aber zunehmend sind Aufgaben, die sich mit älteren Menschen beschäftigen – Besuchsdienst, Beschäftigungshilfe, Hauskrankenpflege, auch das Thema Sozialmarkt, und die Betreuung von Asylwerbern, wo wir seit 2016 zwei Standorte im Bezirk haben.

    Wie ist denn der typische Freiwillige?

    Es gibt schon eine Statistik, aber grundsätzlich gibt es den Typischen nicht. Wir haben ganz junge bis 75-jährige Mitarbeiter. Das ist abhängig von der Sparte. Im Rettungsdienst sind eher junge Leute tätig, genauso gern nehmen wir 50- bis 60-Jährige. Im Bereich Besuchsdienst sind es eher ab-50-Jährige.

    Gibt es genug Nachwuchs?

    Jein. Grundsätzlich sind wir zufrieden, aber es könnten immer mehr sein, in allen Bereichen, vom Rettungsdienst bis zu Krisenintervention, von der Jugendarbeit bis zum Besuchsdienst. Für den Sanitäter-Sommerkurs haben sich schon 20 Interessenten gemeldet, maximal 28 sind möglich. Wir starten gerade die Kampagne zur Bewerbung. Die "rote Jacke" ist als Werbeträger schon gut bekannt. Wir haben fast tausend Freiwillige im Bezirk Braunau, davon sind etwa 550 im Rettungsdienst tätig.

    Verdient das Rote Kreuz mit der Flüchtlingsbetreuung wirklich viel Geld?

    Es ist vom Bund vorgegeben, was ausbezahlt wird. Wenn man die Leistungen erbringt, die man erbringen soll, bleibt nicht viel Geld übrig.

    Gibt´s bei der Jahresbilanz etwas, das Sie überrascht hat?

    Ich kann mir die Entwicklung täglich anschauen, insofern überrascht wenig. Aber ich habe heuer das erste Mal eine besondere Rechnung gemacht. Was überrascht, ist, wie engagiert unsere Mitarbeiter sind. Wenn man alle Sparten betrachtet, kommt man auf 516 freiwillige Stunden pro Tag, die im Bezirk Braunau geleistet werden. Was auch interessant ist in der Bilanz, sind die Kontakte zu Menschen, die wir übers Jahr haben. Pro Stunde haben wir zu 22 Menschen Kontakt. Wir liefern sozusagen 22 Mal pro Stunde Menschlichkeit oder 527 Mal am Tag oder 182 Mal pro Mitarbeiter.

    Ist das Verhältnis zwischen Freiwilligen und Hauptamtlichen ungetrübt oder gibt es Unverständnis, dass der andere für das Gleiche Gehalt bekommt?

    Das Verhältnis ist ungetrübt. Das wird oft hinterfragt. Es funktioniert, es ist auch nur im Rettungsdienst so, in allen anderen Bereichen arbeiten nur Freiwillige. Im Rettungsdienst brauchen wir einfach Hauptamtliche für jene Tageszeiten, in denen die Freiwilligen ihr Geld verdienen, um sich das Hobby Rotes Kreuz leisten zu können.

    Es gibt ein paar Ortsstellen mit neuen Führungskräften, Braunau, Mattighofen. Läuft es gut?

    Das Rote Kreuz ist ein Verein, da gibt es auch die Ortsstellenleitung, das ist der Vereinsvorstand. Da gibt es Wahlperioden, die sind alle fünf Jahre zu wählen. Es steht natürlich jedem Funktionär frei, nach ein paar Perioden an einen Nachfolger zu übergeben.

    Was ist der jüngste oder am wenigsten bekannte Zweig der Rotkreuz-Arbeit?

    Der jüngste Zweig ist definitiv das Thema Migration, also die Betreuung von Asylwerbern in den Unterkünften in Altheim und Munderfing. Damit haben wir voriges Jahr erst angefangen. Wir haben gezeigt, das wir´s können. Nicht so bekannt ist vielleicht die Jugendarbeit. Was in der Schule gemacht wird, ist schon bekannt, aber das freizeitorientierte Jugendrotkreuz in den Ortsstellen weniger. Wir haben um die 80 Jugendliche, die dort mitmachen. Es gibt Gruppenleiter und -helfer, 14-tätige Treffen. Es wird über das Rote Kreuz informiert, Erste Hilfe gelehrt, bei Veranstaltungen mitgeholfen, Werte werden vermittelt, auch Ausflüge gemacht. In Altheim gehen die Jugendlichen gemeinsam mit der Sozialdienstgruppe ins Altenheim oder zur Mai-Andacht. Alt und Jung vermischt sich da, wie man es von früher von den Großfamilien noch kennt.

    Was ist Ihre Hauptaufgabe?

    Die Stellenbeschreibung ist umfangreich. Im Prinzip ist es die Verwaltungsleitung auf Bezirksebene, über alle Mitarbeiter, Planung und Organisation für alle Sparten; schauen, dass rechtzeitig Personal und Material da ist.

    Gibt es größere Bauprojekte?

    Wir bauen aktuell gerade in Riedersbach neu und hoffen, in einem Jahr eröffnen zu können. Da wird gerade der Rohbau aufgestellt. Und in Mattighofen suchen wir mit der Stadtgemeinde eine Lösung, um zu erweitern. Weil wir da aus allen Nähten platzen. Das ist ja ein Kombibau mit Feuerwehr und Bauhof, die haben auch Platzprobleme.

     

    Person und Zahlen

    Herbert Markler (53) ist seit 2002 Bezirksgeschäftsleiter des Roten Kreuzes Braunau, 1984 hat er als Freiwilliger im Rettungsdienst angefangen. Der HTL-Absolvent stammt aus Mauerkirchen, lebt mit seiner Frau (seit 30 Jahren verheiratet) in Uttendorf und ist dreifacher Vater. Jagen und Bergwandern sind seine Hobbys.

    Zahlen

    • 1.667.494 Kilometer gefahren
    • 189.000 freiwillige Stunden
    • 11.977 Mitglieder
    • 904 Freiwillige, 155 Berufliche
    • 458 Kunden im Sozialmarkt
    • 254 Sozialdienst-Klienten
    • 71 Mal Krisenintervention
    • 68 Asylwerber zu betreuen

    Monika Raschhofer, 17.05.2017, 17:55 Uhr

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