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    Vom Geschäftsführer-Schreibtisch hinter die Schank und in die Küche

    Vom Geschäftsführer-Schreibtisch hinter die Schank und in die Küche

    FELDKIRCHEN. Topmanager Markus Buchmayr erfüllt sich mit Gstaiger Gasthaus Traum - er wird Wirt.

    Für Markus Buchmayr läuft es richtig gut. Er ist ein Paradebeispiel für Karriere mit Lehre. Seit seiner Ausbildung kletterte er immer ein Sprösschen weiter auf der Karriereleiter, bis er schließlich ganz oben stand: Der gebürtige Feldkirchner war alleiniger Geschäftsführer der Windhager Zentralheizung GmbH in Seekirchen mit knapp 500 Mitarbeitern. Damals war er 37 Jahre, jetzt im Juni feiert er seinen 41. Geburtstag. Sein Geschenk hat er schon: Endlich ein Wirtshaus. Buchmayr ist der neue Pächter des wunderschönen Gasthauses "Maria vom guten Rat" in Gstaig, Gemeinde Feldkirchen (Bezirk Braunau).

    "Ob es tatsächlich ein Geschenk ist, weiß ich noch nicht", sagt Buchmayr, der eigentlich schon wesentlich länger mit der Gastronomie als mit der Industrie liebäugelt. "Ich hege diesen Wunsch seit 20 Jahren. Ich dachte: Wenn, dann jetzt – und so habe ich mich mit meiner Familie für die Gastronomie entschieden". Das Gasthaus gehört Hans Michel Piëch. Zwei Jahre etwa hat es leergestanden, nachdem die Vorpächter Jürgen Hamedinger und Birgit Brandmayr, die das Gasthaus als Haubenlokal führten, in die Insolvenz schlitterten.

    Bei dem Hauben- und Sternen-Tamtam will der neue Wirt nicht mitspielen. Sehr gut bürgerlich – heißt das Rezept für seine Wirtshausküche.

    Comeback: Rosis Speckweckerl

    "Ich verbinde das Gasthaus eher mit der Wirtin Rosi (Anm. Red: frühere Besitzerin). Ich möchte an ihre Wirtshauskultur anknüpfen", sagt Buchmayr, der mittlerweile in der Nachbargemeinde Moosdorf wohnt, in Feldkirchen aber tief verankert ist. An Rosis Kübelspeckweckerl erinnert sich der Quereinsteiger noch heute und deshalb setzt er es auf seine Jausenkarte. Apropos Fleisch: Speck ist im Hause Buchmayr Chefsache. Für seinen selbst hergestellten Speck ist er seit Jahren bekannt. "Dadurch, dass ich selber Speck herstelle, von Bio-Schweinen aus der Nachbarschaft, lege ich auf eine traditionelle, aber hochwertige Jausenkarte wert", sagt Buchmayr.

    Es gäbe momentan mehr Gasthäuser als gutes Personal, sagte letztens ein Innviertler Wirt. "Gutes Personal zu finden ist immer ein Desaster. Das war in meinem früheren Job nicht anders", sagt Buchmayr, der bei seiner jetzigen Suche überraschend eines Besseren belehrt wurde. Mehr als 300 Bewerbungen flatterten zu ihm heim, vier Mitarbeiter hat er bereits eingestellt: eine dreiköpfige Küchenmannschaft und eine Servicekraft, die mit dem Chef die Gäste bedient. Auch die Tür zur Küche lässt sich der Neo-Wirt offen, denn der ehemalige Geschäftsführer kocht gern und gut.

    Kesselheiße am Samstag

    Sieben Wirte gab es früher in Feldkirchen, derzeit gibt es nur einen, ab 16. Juni, wenn Buchmayr eröffnet, zumindest wieder zwei. An zwei Tagen, dienstags und mittwochs, hat das "Gasthaus Maria vom guten Rat" geschlossen. Immer samstags gibt es vormittags Kesselheiße. Für die, die nicht wissen, was das ist: Weißwürste, Debreziner, Frankfurter, etc. kommen direkt nach dem Wursten vom Metzger roh ins heiße Wasser. Der Kessel wird in der Gaststube aufgestellt. "Ich habe ein gutes Gefühl, zurück in die frühere Branche kann ich immer. Aber das ist nicht mein Ziel", so Buchmayr.

    Marina Mayrböck, 18.05.2017, 07:04 Uhr

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