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    Vieles geht uns jetzt nichts an, kommt aber auf uns zu

    Vieles geht uns jetzt nichts an, kommt aber auf uns zu

    SCHÄRDING. Fünf Schärdinger Gymnasialschüler über die Wahl, den Wahlkampf und die darin angesprochenen Themen.

    Wie geht es Erst- und Jungwählern in diesem Wahlkampf, der einerseits von vielen TV-Diskussionen und -Konfrontationen geprägt ist, andererseits durch "Dirty Campaigning" Schlagzeilen macht? Wir haben im Gymnasium Schärding nachgefragt und eine sehr gut informierte und kritische Schülergruppe aus der 7G-Klasse zum Gespräch gefunden.

     

    1. Sind die vielen Diskussionen für euch hilfreich oder nerven sie?

    Johannes: "Die Debatten helfen mir schon, man erhält einen Einblick in die politische Arbeit – auch der Kleinparteien." Philip: "Gut, dass es solche Debatten gibt, aber manchmal wird´s schon ein bissl nervig, wenn nur noch diskutiert wird." Alena: "Ich schaue nicht viel fern, aber ich find´s schon ein wenig übertrieben. Ich lese dann die Kommentare in der Zeitung." Jakob: "Die Eins-zu-Eins-Debatten finde ich hilfreich, wenn zwei diskutieren und nicht alle durcheinanderreden." Benjamin: "Das Info-Angebot ist breit aufgestellt, ich lese und schaue fern. Aber für meinen Geschmack wird zu sehr ein Personenwahlkampf geführt, das hängt wohl auch damit zusammen, weil einige Parteien sich ein neues Profil zurechtlegen müssen."

    2. Habt ihr euch schon entschieden, wen ihr wählen werdet?

    Johannes: Zwei Parteien kommen noch in Frage, ich bin bisher nach dem Ausschlussprinzip vorgegangen. Philip: Ich schwanke noch. Alena, Jakob und Benjamin: Wir haben uns schon entschieden.

    3. Sind die politische Gesinnung in eurer Familie oder die politische Bildung in der Schule für euch ein Faktor für die Entscheidung gewesen?

    Philip: In meiner Familie werden hauptsächlich zwei Parteien gewählt, da bekomme ich natürlich viel mit, aber auch die politische Bildung in der Schule ist sehr gut. Johannes: Ich gehe weitgehend unvoreingenommen zur Wahl, meine Eltern haben mich in keiner Weise beeinflusst. Alena: Ich habe bis letztes Jahr nicht einmal gewusst, was meine Eltern gewählt haben. Meine Mutter ist Deutsche und kann daher in Österreich gar nicht zur Wahl gehen. Jakob: Beides – sowohl die Familie als auch die Schule haben mir zu meinem Wissen verholfen. Benjamin: Die politische Bildung in der Schule passt sehr gut, das hängt natürlich auch vom Lehrer ab. Johannes und Alena haben schon einmal gewählt, Philip, Jakob und Benjamin sind Erstwähler.

    4. Fühlt ihr euch von den Themen, die im Wahlkampf diskutiert werden, als Jugendliche angesprochen?

    Benjamin: Das Bildungsthema spricht mich schon an, da ist nicht alles positiv. Etwa die Idee der Cluster-Schulen – wie soll ein Direktor bis zu acht Schulen führen? Jakob: Islam und Flüchtlinge werden von der FPÖ und Kurz thematisiert, da gibts Reibereien. Der Islam gehört zu Österreich dazu. Alena: Ich bin ein zukunftsdenkender Mensch und weiß, was ich studieren möchte, daher verfolge ich das Thema Mindestsicherung. Philip: Mindestsicherung ist nicht so mein Thema, Bildung schon. Johannes: Die Pensionsreform spricht mich nicht so an, aber die Steuermodelle. Vieles geht uns ja derzeit nicht direkt an, kommt aber sicher auf uns zu.

    5. Welche für euch wichtigen Themen vermisst ihr bei diesem Wahlkampf?

    Alle: Klimaschutz! Das wird von den Parteien viel zu wenig thematisiert, obwohl das Thema alle in ihren Programmen haben. Alena und Jakob: Wohnungspreise. Wir sind für Obergrenzen bei Studenten. Benjamin: Technologieausbau kommt zu wenig vor. Die IT ist ein riesiger Markt, der wird vernachlässigt. Johannes und Alena: Der öffentliche Verkehr, der ist gerade im Innviertel so wichtig, wir sind ja alle darauf angewiesen. Der müsste verbessert werden.

    6. Was ärgert euch am meisten?

    Johannes: Der Konflikt SPÖ - ÖVP, diese Streiterei geht mir schon auf den Wecker. Benjamin: Der emotionelle Wahlkampf stört mich, ich würde mir mehr Fakten wünschen. Alena: Das Beispiel der ÖVP mit der verfälschten Statistik war schon der Gipfel. Johannes und Philip: Da kommt man sich verarscht vor, man weiß nicht mehr, was man glauben kann. Johannes: Wir stürzen uns in Österreich zu sehr in einen Aktionismus, etwa in der Bildungsfrage. Benjamin: Ja, wir wollen unbedingt den nordischen Schulen nacheifern. Alena: Siehe Zentralmatura...

    7. Was sollte eurer Meinung nach ein Politiker bzw. eine Politikerin gut können?

    Johannes: Er sollte fachlich kompetent sein. Ich halte nichts davon, wenn eine ehemalige Bankmanagerin plötzlich Bildungsministerin wird. Jakob: Ein Politiker sollte sich durchsetzen können und nicht nur heiße Luft predigen. Alena: Und er oder sie sollten gut reden können. Benjamin: Ein gewisses Talent fürs Showbusiness sollten sie auch mitbringen, sonst wird´s fad. Jakob: Peter Pilz macht das gut!

    8. Warum hat der Beruf eines Politikers so ein schlechtes Image?

    Philip: Politiker, die´s in der österreichischen Innenpolitik abgesäbelt haben, übernehmen kurz darauf in der EU gleich wieder ein Amt, das ist doch nicht nachvollziehbar. Johannes: Vieles ist nicht nachvollziehbar, ich sage nur: Strasser, Grasser, Gusenbauer, Pröll, Rauch-Kallat... In Österreich läuft vieles schief, aber es fehlt meiner Ansicht nach an der notwendigen Transparenz.

    9. Was würdet ihr als Politiker als erstes umsetzen, was ist euch wichtig?

    Johannes: Umweltschutz stärken und erneuerbare Energien forcieren. Alena: Ja, ich würde mich für Umweltschutz einsetzen, aber auch für Themen wie Erlaubnis der Homo-Ehe und eingetragene Partnerschaften eintreten. Johannes: Und die Steuerentlastung noch besser umsetzen. Benjamin: Ja, etwa die Diskussion um den Höchststeuersatz bremsen. Der passt meiner Ansicht nach in Österreich.

    10. Wie lautet euer persönlicher Tipp für die Nationalratswahl?

    Johannes: Kurz, SPÖ, FPÖ Philip: Kurz, FPÖ, SPÖ Alena: Kurz, SPÖ, FPÖ Jakob: Kurz, FPÖ, SPÖ – aber es wäre cool, wenn Pilz Dritter würde. Benjamin: Kurz, SPÖ, FPÖ

     

    Die Zukunftspläne der jungen Gymnasial-Schüler

    Johannes Wallner: Der Andorfer möchte nach der Matura ein Studium der Geisteswissenschaft beginnen und dann eventuell an der Universität bleiben. Ihn interessieren Sprache, Geschichte, Politologie und Sozialwissenschaft.

    Philip Moritz: „Ich weiß es noch nicht genau, was ich studieren werde“, sagt der St. Marienkirchner. Er tendiert aber zu einem Studium in Richtung Biologie, Psychologie oder Geschichte.

    Alena Rigler: Die junge Brunnenthalerin will später Veterinärmedizin studieren – das steht für sie fest.

    Jakob Mayr: „Medizin interessiert mich schon sehr stark“, sagt der St. Marienkirchner. Aber auch ein Studium in Englisch oder Politik ist für ihn denkbar, wie er im Gespräch mit den OÖN sagt.

    Benjamin Winhart: Der Wernsteiner möchte nach der Matura Rechtswissenschaften studieren. „Auch wenn viele damit nichts anfangen können und das nicht verstehen“, sagt er.

    Roman Kloibhofer, 12.10.2017, 19:04 Uhr

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