• Innviertel
    Mörschwanger Jäger haben ihr Revier für die nächsten sechs Jahre verloren

    Mörschwanger Jäger haben ihr Revier für die nächsten sechs Jahre verloren

    MÖRSCHWANG. Der Jagdausschuss hat die Jagd an Johann Hauer aus Taufkirchen/Pram verpachtet.

    In den nächsten sechs Jahren können die Mörschwanger Waidmänner nicht mehr in der eigenen Gemeinde auf die Jagd gehen. Die Wald- und Grundbesitzer des Ortes haben die Jagd an Johann Hauer aus Taufkirchen/Pram verpachtet. Er ist der Obmann des "Ökologischen Jagdverbandes Oberösterreich". Mörschwang ist die erste Gemeinde im Bezirk, die diesen Schritt gewagt hat. Die Entscheidung hat nicht nur Befürworter, innerhalb der Jägerschaft wird heftig diskutiert.

    Seit eineinhalb Jahren ist Thomas Schachinger Obmann des Jagdausschusses. "Insgesamt hat es vier Versuche mit unseren Jägern gegeben. Auch die Jagd auf die Nachbargemeinden St. Georgen, Weilbach, St. Martin und Reichersberg aufzuteilen, war eine Option. Aber leider haben uns die Jagdleiter abgesagt. Für uns war die Ökojagd die letzte Chance, die haben sich Gott sei Dank drüber getraut. Wenn wir keinen Pächter gefunden hätten, wäre für zwei Monate ein Jagdverwalter eingesetzt und danach die Jagd an den Bestbieter versteigert worden. Das wollte ich mit aller Macht verhindern", sagt Thomas Schachinger.

    Keine Gesprächsbasis

    Warum gab es keine Einigung mit der ortsansässigen Jägerschaft mehr? "Das Hauptproblem war die mangelnde Kommunikation, es gab einfach keine vernünftige Gesprächsbasis. Manche Jäger wollten mit mir gar nicht reden. Sämtliche von mir gemachten Vorschläge für eine Verbesserung der verfahrenen Situation wurden abgelehnt. So auch ein Bonus-Malus-System. Bei der besten Bewertung in der Verbiss-Stufe hätte sich der Pachtpreis pro Hektar auf einen Euro reduziert, in der allerschlechtesten wäre der Preis allerdings auf das vier- bis fünffache gestiegen. Wir wären auch zugänglich für andere Systeme gewesen, mit denen die Jäger vielleicht besser leben hätten können", schildert Thomas Schachinger die schwierigen Verhandlungen aus Grundbesitzer-Sicht.

    Verbitterung ist groß

    "Im neuen Abschussplan zum Pachtvertrag wäre der Abschuss mit mehr als 80 Stück Rehen festgesetzt worden. Wir wollten keinen Vertrag eingehen, bei dem die Zahlen nicht hätten einhalten werden können. Die geforderte Menge ist nicht machbar. Verglichen mit den Nachbarrevieren Reichersberg und St. Georgen wäre von uns flächenbezogen ein doppelt so hoher Abschuss gefordert worden. Wir haben uns zwar immer bemüht, es hat aber nie den Anschein gehabt, dass wir es gut und richtig machen", sagt Johann Hebertshuber, der seit 36 Jahren Jäger in der Gemeinde Mörschwang ist. "Außerdem wurde versucht, Aufgaben der Waldbesitzer auf die Jäger umzuwälzen. Die Verbitterung ist momentan ziemlich groß, und es leidet auch der Dorffriede darunter. Die Mörschwanger Jäger werden sich ganz genau anschauen, ob die sogenannten Ökojäger waidgerecht und tierschützend jagen. Wir sind damit die erste Gemeinde im Bezirk, in der die Jagd nicht an die örtlichen Grundbesitzer und Jäger vergeben wurde", sagt Johann Hebertshuber, der mit seinen Kollegen die Jagd in Mörschwang auf neue Beine stellen wollte.

    Jagd sollte im Dorf bleiben

    Nicht gerade erfreut über die Entwicklung ist auch Bürgermeister Josef Högl: "Die Jagd sollte eigentlich im Dorf bleiben. Ich glaube auch, dass es der Bevölkerung lieber gewesen wäre, wenn die Mörschwanger Jäger zum Zug gekommen wären. Momentan wird versucht, das Thema in der Öffentlichkeit nicht zur Sprache zu bringen".

    Unter Zugzwang

    "Wir müssen die nächsten Jahre ordentlich dahinter sein, um die vorgegebenen Ziele zu erreichen. Da die Begehung ziemlich schlecht ausgefallen ist, müssen 87 Stück Rehwild erlegt werden. Wir stehen unter Zugzwang. Wegen des späten Abschlusses des Vertrages haben wir schon Zeit verloren", weiß Johann Hauer, dass er und sein Team in den nächsten Jahren voll gefordert sind. Die Vorwürfe, dass die Ökojagd nur ein Etikettenschwindel ist, will er eigentlich gar nicht mehr kommentieren. Er ist kein großer Freund von Schutzzäunen und auch große Jägerstände sind ihm ein Dorn im Auge. Die Ökojäger verwenden Ansitz-Leitern und sind viel zu Fuß im Wald unterwegs.

    "Ich bin froh, dass im allerletzten Moment noch eine Lösung gefunden wurde. Wäre kein freies Übereinkommen zustande gekommen, hätte ein Jagdverwalter bestellt werden müssen, und nach zwei Monaten wäre die Jagd an den Bestbieter versteigert worden", erklärt Heidemarie Schachinger von der BH Ried. Dass es auch in anderen Gemeinden Schwierigkeiten bei der Verpachtung gegeben hat, kann sie nicht bestätigen.

    Auch Bezirksjägermeister Rudolf Wagner hat die Verhandlungen mitverfolgt: "Nach einem Gespräch mit Johann Hauer bin ich zuversichtlich, dass die Jagd in Mörschwang wieder in geordneten Bahnen verlaufen wird. Das Gespräch verlief äußerst konstruktiv. Viele Personen bei uns können mit dem Begriff Ökojagd nichts anfangen".

     

    Reaktionen

    "Die Ökojäger waren unsere letzte Chance. Sonst wäre die Jagd nach zwei Monaten an den Bestbieter versteigert worden. Das wollte ich auf jeden Fall verhindern." - Thomas Schachinger, Obmann Jagdausschuss Mörschwang

    "Ich hoffe, dass in der Gemeinde nicht verschiedene Lager entstehen. Zusammenhalt ist in einem kleinen Dorf mit 300 Einwohnern ganz wichtig!" - Josef Högl, Bürgermeister Mörschwang

    Es gibt Waldflächen, die zu 90 Prozent eingezäunt sind. Da wird dem Wild viel Lebensraum genommen. Das wollen wir ändern!" - Johann Hauer, Obmann des „Ökologischen Jagdverbandes OÖ".

    Eine öffentliche Versteigerung wäre wohl die allerschlechteste Lösung gewesen. Wir als Behörde stehen der Ökojagd neutral gegenüber."Heidemarie Schachinger, BH Ried

     

    Josef Schuldenzucker, 17.05.2017, 17:22 Uhr

    Mehr Innviertel
    Innviertel Übersicht
    Zurück Zum Seitenanfang