• Innviertel
    "In der Landwirtschaft sind noch nicht alle Chancen ausgeschöpft"

    "In der Landwirtschaft sind noch nicht alle Chancen ausgeschöpft"

    SANKT GEORGEN/O. Jubiläum: Rudolf Gurtner feiert morgen seinen 90. Geburtstag. Der Gründer des Maschinenrings blickt auf ein bewegtes, arbeitsreiches Leben zurück – und nach vorne.

    Der Stammtisch ist Pflicht. Noch heute, mit fast 90 Jahren. Früher, als Rudolf Gurtner Nationalrat (VP) war, hat er sich dort die Sorgen, Ängste und Ideen der Leute angehört. Er hat die Anliegen der Menschen nach Wien getragen und sich für die Menschen stark gemacht. Vor allem für die Landwirte. Morgen, am 11. August, wird Rudolf Gurtner 90 Jahre alt. Anlässlich seines runden Geburtstages blickt der St. Georgener zurück auf sein bewegtes Leben und nach vorne. "Zu meinem hundertsten Geburtstag möchte ich eine Chronik schreiben und damit die Lücke, die es momentan noch gibt, schließen", sagt Rudolf Gurtner. Kein Wunder, denn zu erzählen hat der Innviertler allerhand.

    Ende der 1950er-Jahre hat Gurtner gemeinsam mit Erich Geiersberger aus Bayern den Maschinenring gegründet. "Die Idee dahinter war der Spargedanke. Landwirtschaftliche Geräte wurden immer teurer und das konnten wir uns nicht mehr leisten. Deshalb haben wir den ersten Maschinenring mit einem hauptberuflichen Geschäftsführer gegründet. Gemeinsam geht´s leichter", ist Rudolf Gurtner überzeugt und hat deshalb auch ein Buch mit dem gleichnamigen Titel geschrieben. Damals habe er nicht geahnt, welche Wellen diese Idee schlagen würde.

    Der Maschinenring war es auch, der den Innviertler zur Politik und vor allem in den Nationalrat gebracht hat. "Das war zur kritischen Zeit der Eingliederung in die EU. Viele Bauern waren davon nicht begeistert, deshalb musste ich viel Überzeugungsarbeit leisten", erinnert sich der fast 90-Jährige. Er hat seine Funktion und seine guten Kontakte auch genützt, um jungen Rekruten zu helfen. "Sie wurden im Sommer daheim auf den Höfen gebraucht. Deshalb habe ich mich dafür eingesetzt, dass sie erst im Winter zum Bundesheer mussten."

    Anliegen gab es viele. Genauso wie Berichte, Briefe und Zeitungsausschnitte. "Jedes Jahr zu Weihnachten habe ich gemeinsam mit meinen Kindern alles im Wohnzimmer sortiert und wichtige Dinge mit Datum versehen. So sind dann auch die Chroniken entstanden", erzählt Gurtner und blickt dabei auf ein dickes Buch, das vor ihm auf dem Tisch liegt. Ein Werk, vollgepackt mit Erinnerungen.

    Der familiäre Rückhalt

    Seine politischen Ämter und die vielen Funktionen habe er nur ausüben können, weil ihm die Familie immer den Rücken frei gehalten habe. "Ohne meine Erna wäre das nicht gegangen. Sie hat sich um unsere sieben Kinder und den Hof gekümmert, wenn ich nicht da war. Sie hatte alles im Griff und war immer sehr fleißig", sagt Gurtner über seine Ehefrau, mit der er seit 61 Jahren verheiratet ist. 50 davon haben sie gemeinsam im Chor gesungen. "Für die Musik und das Singen war immer Zeit, das ist Erholung für mich. Bis vor kurzem habe ich auch in einer Seniorengruppe Bassgeige gespielt."

    Die Wünsche

    Auf die Frage, was er sich zu seinem 90. Geburtstag wünscht, sagt Rudolf Gurtner: "Mir selbst Gesundheit und noch ein paar schöne Jahre. Und der Landwirtschaft, dass möglichst viele Betriebe erhalten bleiben. Die Politiker im Agrarbereich sind zwar bemüht, aber dass so viele Bauern aufhören, dem muss entgegengesteuert werden. Es gibt immer noch Möglichkeiten, zum Beispiel Nischen zu besetzen oder den Ab-Hof-Verkauf. Diese Dinge haben meiner Meinung nach Zukunft. Es sind sicher noch nicht alle Chancen ausgeschöpft."

     

    Zur Person

    Rudolf Gurtner wurde am 11. August 1927 in St. Georgen bei Obernberg geboren. Von 1944 bis 1945 wurde er zum Arbeits- und Kriegsdienst bei der Artillerie einberufen. 1956 heiratete er Ernestine Schwarzmayr und übernahm den Hof eines kinderlosen Onkels in Niederweilbach, der schwerpunktmäßig als Fleckviehzuchtbetrieb geführt wurde. Rudolf und Ernestine Gurtner haben fünf Töchter und zwei Söhne.

    Politischer Werdegang

    ab 1961: im Gemeinderat von St. Georgen; ab 1963: Funktionen im FIH Ried; ab 1969: Obmann-Stellvertreter des ersten Innviertler Maschinen- und Betriebshilferinges; ab 1972: Obmann des Landesverbandes für überbetriebliche Zusammenarbeit; ab 1976: Obmann des Bundesverbandes der österreichischen Maschinen- und Betriebshilferinges sowie führender Funktionär des Internationalen Verbandes der Maschinenring-Organisationen; ab 1976: Bundesobmann der Österreichischen Maschinenringe; von 1977 bis 1988: Nationalratsabgeordneter; von 1984 bis 1990: Präsident der Landwirtschaftskammer Oberösterreich; 1987 bis 1994: Obmann der ZAR (Zentrale Arbeitsgemeinschaft österreichischer Rinderzüchter); 1996 bis 2008: Bezirksobmann der Altbauerngemeinschaft des Bezirkes Ried.

    Elisabeth Ertl, 10.08.2017, 15:04 Uhr

    Mehr Innviertel
    Innviertel Übersicht
    Zurück Zum Seitenanfang