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    Hohenzell teilt sein Trinkwasser mit Tumeltsham

    Hohenzell teilt sein Trinkwasser mit Tumeltsham

    HOHENZELL, TUMELTSHAM. Vereinbarung für die nächsten 50 Jahre geschlossen – Dritter Brunnen wird Anfang Mai in Betrieb gehen.

    Eine Wasservereinbarung wurde am vergangenen Donnerstag von den Bürgermeistern der beiden Gemeinden unterschrieben. Tumeltsham hat sich mit 36 Prozent an diesem gemeinsamen Projekt beteiligt.

    Um aus der zweieinhalbjährigen Notversorgung eine "Dauerlösung" zu machen, wird derzeit ein dritter Brunnen gebohrt, der Anfang Mai ans Netz gehen wird. "Vier Bohrungen verliefen ohne Erfolg, bei der fünften, in einem Waldgebiet in der Ortschaft Plöck, haben wir ausreichend Wasser gefunden", sagt Hohenzells Gemeindeoberhaupt Thomas Priewasser.

    Der Beschluss zu diesem gemeinsamen Wasserprojekt war im Hohenzeller Gemeinderat einstimmig, in Tumeltsham hat die FP-Fraktion den Beschluss nicht mitgetragen. Trotzdem ist Bürgermeister Erwin Diermayr froh, dass es jetzt für Tumeltsham eine sinnvolle Lösung für die nächsten 50 Jahre gibt. So lange läuft die wasserrechtliche Bewilligung.

    Bis der dritte Brunnen in Vollbetrieb geht, dürfen in beiden Gemeinden keine Swimmingpools befüllt werden. "Der neue Brunnen liefert sehr gutes Qualitätswasser und befindet sich in einem Waldstück der Schutzzone I", erklärt Thomas Spitzlinger von der Firma "Hipi" Ziviltechniker GmbH.

    Die Leistung der Brunnen liegt bei 14 Litern pro Sekunde, fünf davon wird die Gemeinde Tumeltsham in Anspruch nehmen. "Eigentlich eine Win-win-Situation für beide Gemeinden. Ich bin froh, dass es in unserer Nachbargemeinde Hohenzell kein Kirchturmdenken gegeben hat und sie uns mit ihrem Wasser unterstützt", ist Erwin Diermayr froh, dass seine Gemeindebürger für die nächsten Jahrzehnte mit guter Wasserqualität versorgt werden.

    Die Gesamtkosten der Gemeinde Hohenzell für diese Investition werden sich zwischen 240.000 bis 260.000 Euro bewegen. Für Tumeltsham beläuft sich das Investment auf rund 120.000 Euro. Die beiden bestehenden Brunnen werden revitalisiert, die Pumpen ausgebaut, entsandet und das Bohrloch gespült. Für Tumeltsham müsste sich die Investition in etwa drei Jahren "rechnen", schließlich entfallen ab sofort die monatlichen Kosten von 3200 bis zirka 4000 Euro, die in den vergangenen zweieinhalb Jahren an Hohenzell überwiesen wurden.

    Es besteht Anschlusspflicht

    Rigoros umgesetzt soll in beiden Gemeinden ab sofort auch die Anschlussverpflichtung des Landes werden. "Wenn jemand einen privaten Brunnen hat und im 50 Meter-Bereich der Leitung liegt besteht grundsätzlich Anschlusspflicht. Allerdings gibt es noch für die nächsten zehn Jahre die Möglichkeit, sich vom Bezug ausnehmen zu lassen. Voraussetzung ist, dass die Brunnenanlage in Ordnung ist und die Wasserqualität passt. Alle fünf Jahre ist eine Überprüfung fällig", so die beiden Bürgermeister. In Hohenzell betrifft das zirka 80 Hausanschlüsse, in Tumeltsham rund 120. "Das ist keine Willkür der Gemeinden sondern ein bestehendes Landesgesetz, das wir umsetzen müssen", sagt Hohenzells Bürgermeister Thomas Priewasser.

    Ganz "abgeschrieben" hat Erwin Diermayr den Tumeltshamer Brunnen noch nicht. "Vielleicht sind wir noch einmal froh, dass wir ihn haben. Wir werden das Wasser weiterhin regelmäßig überprüfen um zu sehen wie, es bei großer Trockenheit bzw. starken Regenfällen ausschaut. Die Technische Universität Wien hat in einem mehrwöchigen Feldversuch zumindest ausschließen können, dass die alte Deponie schuld an der schlechten Qualität ist!"

    Hohenzell teilt sein Trinkwasser mit Tumeltsham

    Tumeltshams Wasser ungenießbar

    Viel spekuliert wurde in den vergangenen Jahren immer wieder über das Tumeltshamer Trinkwasser.

    Zur Vorgeschichte: Am Pfingstmontag 2014 wurde der Brunnen in der Gemeinde vom Netz genommen und das Wasser ab diesem Zeitpunkt aus Hohenzell bezogen.

    Nach einem Starkregen Ende Mai mit zirka 100 Litern Niederschlag pro Quadratmeter wurde am Pfingstwochenende ein übler Geruch im Trinkwasser der Gemeinde festgestellt. Das Wasserhatte einen leicht modrigen Geruch. Eine Untersuchung durch das Institut Halabi & Zwingler aus Ried wurde veranlasst. Auch das Land (Abteilung Trinkwasserwirtschaft) wurde verständigt. Es wurden weitere Proben gezogen und an das Land OÖ. sowie an die Technische Universität Graz zur Auswertung geschickt. Am 29. Juni wurde eine Kamarabefahrung beim Tumeltshamer Brunnen durchgeführt. Bei dieser Untersuchung konnte ein Oberflächenwassereintritt festgestellt werden. Es gab erhöhte Werte von Natriumchlorid (Streusalz) sowie Pflanzenschutzmitteln mit den Wirkstoffen Dicamba und Tealochlor. Bei einer späteren Untersuchung konnten die Wirkstoffe der Pflanzenschutzmittel nicht mehr nachgewiesen werden.

    Einige Gemeindebürger glaubten auch, dass die schlechte Qualität des Wassers mit zwei Deponien zusammenhängen könnte, die in den 60er-Jahren zugeschüttet wurden. „Ich weiß, dass es immer wieder Gerüchte wegen der Deponien gibt. Die Gruben waren früher Deponien der Stadtgemeinde Ried, die offiziell betrieben wurden und nicht illegal, wie behauptet wird. Außerdem gab es in den vergangenen Jahren bereits einige Probebohrungen, um festzustellen, ob die Deponien eine Gefahr für den Brunnen sind. Die Untersuchungsergebnisse waren allerdings negativ“, beteuerte Bürgermeister Erwin Diermayr bereits im Juni 2014.

    In der Gemeinderatssitzung vom 16. Oktober 2014 wurde beschlossen, den Brunnen in Tumeltsham bis auf weiteres nicht mehr in Betrieb zu nehmen und das Wasser aus Hohenzell zu beziehen. Die ersten Kostenschätzungen für den Bezug des Trinkwassers lagen bei 3600 bis 4000 Euro monatlich.

    Josef Schuldenzucker, 20.04.2017, 11:02 Uhr

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