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    Ein Unfall, der für Schett zum Sprungbrett wurde

    Ein Unfall, der für Schett zum Sprungbrett wurde

    PISCHELSDORF. Snowboard: 17 Jahre nach seinem Unfall holte Reinhold Schett Silber und Bronze bei der Para-Weltmeisterschaft in Kanada.

    Ein kleiner Bergbauernhof in Außervillgraten (Osttirol) war lange Zeit das Zuhause von Reinhold Schett. Die Natur und die Berge vor der Nase entdeckte er früh seine Leidenschaft fürs Snowboarden. Im Jahr 2000 nahm er gemeinsam mit Freunden an einem Sprung-Bewerb teil. Eine Entscheidung, die seinem Leben eine völlig neue Wendung gegeben hat.

    An den Unfall kann sich der 36-Jährige noch genau erinnern. "Ich bin nach einem Sprung auf meinem Hintern gelandet und habe sofort gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Meine Beine haben mir einfach nicht mehr gehorcht", blickt Reinhold Schett zurück. Ersthelfer erkannten den Ernst der Lage und brachten ihn umgehend ins Unfallkrankenhaus nach Klagenfurt. Die endgültige Diagnose – eine inkomplette Querschnittlähmung (Reinhold Schett hat die Funktionen unterhalb seiner Knie verloren; gehen kann er trotzdem, mit Hilfe eines Stocks) – stand allerdings erst im Rehazentrum fest. "Schon dort habe ich meiner Therapeutin gesagt, dass ich irgendwann wieder snowboarden werde." Eine mutige Ansage, die sich nur ein Jahr später bewahrheiten sollte.

    Im Winter 2001, nach vielen Monaten intensiver Reha und angetrieben von seinem unbändigen Willen, stand Reinhold Schett wieder auf seinem Snowboard. "Damals waren alle ganz aufgeregt", sagt Schett, der vor zwei Jahren mit seiner Lebensgefährtin Anita Färberböck ein Haus in Pischelsdorf gebaut hat. Mittlerweile ist der Osttiroler im Innviertel angekommen. "Das, was die Oberösterreicher als Berge bezeichnen, sind zwar keine, aber ich bin hier ganz gut aufgenommen worden. Und es hat auch seine Vorteile, wenn fünf Wege nach Hause führen und nicht nur einer", scherzt der 36-Jährige.

    Snowboarden ohne Hilfsmittel

    Vor vier Jahren hat Reinhold Schett das Snowboard-Training wieder intensiviert. Damals entstand auch der Kontakt mit dem ÖSV. "Es gab eine Sichtung, an der ich teilgenommen habe. Der Trainer dort hat gemeint, dass er mich haben will, obwohl ich noch nie in meinem Leben einen Snowboardkurs gemacht habe", sagt der Pischelsdorfer. Hilfsmittel braucht er zum Snowboarden keine. Es reichen starre Boots, um sein Sprunggelenk zu "sperren". "Den Rest gleiche ich einfach mit meinem Gewicht aus."

    In der Saison 2014/15 hat Reinhold Schett – mangels Zeit – beim ÖSV nur mittrainiert. Ein Jahr später bestritt er bereits seine ersten Rennen. Bei der Wettkampf-Premiere in den Niederlanden (in der Skihalle von Landgraaf) holte er im Europa- und Weltcup jeweils Rang zwei. Seit diesem spektakulären Auftakt geht es für den Wahl-Innviertler, der für die Firma Primetals in Linz arbeitet und die ihn als Kopfsponsor unterstützt, ständig bergauf.

    Bisheriger Höhepunkt seiner sportlichen Karriere waren die beiden Medaillen (Silber im Border Cross und Bronze im Banked Slalom) bei der Para Snowboard Weltmeisterschaft, die im Februar 2017 in Kanada stattfand. Dort schrammte er nur haarscharf an Gold vorbei. "Im Border Cross-Finale lag ich vorne, habe dann aber in einer Kurve gepatzt. Mein Konkurrent Chris Vos muss meinen Atem im Nacken gespürt haben, aber am Ende hat es nicht ganz gereicht", sagt Reinhold Schett.

    Bei den Paralympics 2018 in Pyeongchang will er wieder eine Medaille holen – am liebsten in Gold. Um sich und seinen Körper perfekt darauf vorzubereiten, spielt Reinhold Schett Basketball (für ein Tiroler Team), fährt viel mit dem Rad und hat zudem eine spezielle Strategie. "Das Rasenmähen sind für mich die ersten Trainingseinheiten."

    Es ist gut so wie es ist

    Gehadert hat Reinhold Schett mit seinem Schicksal (so gut wie) nie. "Diese Abzweigung hätte ich so nie genommen. In dieses Leben bin ich quasi hineingeschubst worden. Aber wäre der Unfall nicht gewesen, würde ich heute mit Sicherheit nicht für den ÖSV fahren. So, wie es jetzt ist, bin ich sehr zufrieden."

    Elisabeth Ertl, 17.05.2017, 17:45 Uhr

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