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    AMS-Chefs: "Arbeitslose, die nicht arbeiten wollen, gibt es nur sehr wenige"

    "Arbeitslose, die nicht arbeiten wollen, gibt es nur sehr wenige"

    BEZIRK RIED. Die Situation am Arbeitsmarkt im Bezirk Ried ist gut, die Dauer der Arbeitslosigkeit hingegen steigt.

    "Für mich fühlt sich die derzeitige Situation auf dem Arbeitsmarkt im Bezirk Ried fast wie eine Vollbeschäftigung an", sagt Rieds AMS-Geschäftsstellenleiter Klaus Jagereder. Ende Juli lag die Arbeitslosenquote im Bezirk Ried bei 4,1 Prozent, im Vergleich zu 2016 ein Rückgang von 0,4 Prozent. Den 1117 arbeitslos gemeldeten Personen standen sogar 1230 gemeldete offene Arbeitsstellen gegenüber. Diese Stellen mit den Arbeitssuchenden zu besetzen, ist aber schwer. "Die Ausbildungen und Fähigkeiten der Arbeitssuchenden passen oftmals nicht mit den Anforderungsprofilen der offenen Stellen zusammen", so Jagereder und der stellvertretende AMS-Chef Gunter Schmidhuber.

    Zu unmotiviert, sich einen Job zu suchen, seien aber nur die allerwenigsten, so die beiden. "Jobsuchende, die nicht arbeiten wollen, gibt es nur sehr, sehr wenige. Da reden wir vielleicht von einem oder zwei Prozent."

    Wenig Hilfsarbeiterjobs

    Personen, die in der Lage seien, selbstständig Aufgaben auszuführen, würden in der Regel rasch wieder eine Beschäftigung finden. Da die klassischen Hilfsarbeiterjobs immer seltener werden, sei es schwieriger für eine gewisse Anzahl von Arbeitssuchenden, geeignete Jobs zu finden.

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    Rieds AMS-Chef Klaus Jagereder

    Daraus resultiere eine längere Verweildauer in der Arbeitslosigkeit. Zwar sei die durchschnittliche Zeit ohne Beschäftigung mit rund einem halben Jahr im Vergleich zum Zentralraum, wo diese bei rund einem Jahr liegt, noch immer relativ gering, aber ein Anstieg sei deutlich zu spüren, so die beiden AMS-Chefs. Noch vor zehn Jahren habe die durchschnittliche Verweildauer 100 Tage betragen.

    Die niedrige Arbeitslosenquote dürfe aber kein Grund sein, über Probleme hinwegzusehen, so Jagereder. Unternehmen seien gefordert, auch vermeintlich Schwächeren eine Chance zu geben. "Es gibt zwar schon Firmen, die das umsetzen, aber Luft nach oben ist noch durchaus gegeben."

    Psychischer Druck wächst

    Laut Schmidhuber würden in den Beratungsgesprächen psychische Probleme immer häufiger im Mittelpunkt stehen. Der Druck habe aber nicht nur mit den immer mehr werdenden Anforderungen im Beruf zu tun. "Für Personen, die 1000 Euro netto verdienen, aber aufgrund des gesellschaftlichen Drucks trotzdem Teil der Wohlstandsgesellschaft sein wollen, stellt die Situation aus gesellschaftlicher Sicht ein Problem dar." Bei rund der Hälfte der beim AMS Ried gemeldeten Jobs beträgt das Gehalt auf Basis einer 40-Stunden-Woche weniger als 1900 Euro brutto, das sind 1400 Euro netto.

    Anerkannte Flüchtlinge spielen am Rieder Arbeitsmarkt keine große Rolle. Laut Schmidhuber sind derzeit 73 anerkannte Flüchtlinge, die meisten aus Syrien, arbeitssuchend. Rund 35 befinden sich aktuell in Schulungsmaßnahmen.

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    Gunter Schmidhuber, stellvetretender AMS-Geschäftsstellenleiter in Ried

    Thomas Streif, 09.08.2017, 06:04 Uhr

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