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    Ein christliches Österreich

    Ein christliches Österreich

    Österreich war einmal ein christliches Land. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren noch mehr als 95 Prozent aller Bewohner des heutigen Bundesgebiets katholisch oder evangelisch. Im Jahr 2015 waren es nur mehr zwei Drittel.

    Die Muslime, die es 1901 praktisch noch gar nicht gab, erreichen inzwischen etwa acht Prozent. Das Institut für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften hat nunmehr eine Vorausschätzung bis zum Jahr 2046 erstellt, die in einer stark gekürzten APA-Aussendung von den Medien breit berichtet wurde. Bis 2046 wird der Anteil der Katholiken je nach Szenario auf 42 bis 47 Prozent sinken und jener der Muslime auf 14 bis 21 Prozent ansteigen.

    Die wirkliche Sprengkraft allerdings verbirgt sich in einer Aufgliederung nach Altersgruppen. In der Gruppe der bis 19-Jährigen würde der Anteil der Muslime innerhalb von 30 Jahren in einem Szenario, das ein Anhalten der Zuwanderung aus Afrika und dem Nahen Osten in der halben Höhe des derzeitigen Ausmaßes unterstellt, in Wien 43 Prozent erreichen und österreichweit 31 Prozent. Auf die Katholiken kämen in Wien nur mehr 19 Prozent und österreichweit 35 Prozent. Ein noch deutlicheres muslimisches Übergewicht würde sich ergeben, wenn man die Prognose statt auf die Jugendlichen nur auf die Kinder einschränkt.

    Natürlich sind auch andere Szenarien denkbar: dass sich die Reproduktionsraten der Muslime ganz den Österreichern anpassen, dass die Zuwanderung muslimischer Gruppen ganz gestoppt wird, oder gar, dass die Muslime in großem Ausmaß konvertieren oder konfessionslos werden. Der Wiener Kardinal freute sich unlängst bei einem Vortrag in einer Linzer Bank über etwa 200 Muslime, die sich im vergangenen Jahr in seiner Diözese um die Taufe beworben hätten. Bei wohl fast 200.000 Muslimen mehr seit dem Jahr 2009 ein recht schwacher Trost. Denn die Studie der Akademie ermittelte auch das Beharrungsvermögen in der Glaubensgemeinschaft, das bei den Muslimen am weitaus ausgeprägtesten ist. Man wird dann die Kindergartenstrukturen und Schullehrpläne radikal umarbeiten müssen. Denn ob eine neue muslimische Generation unsere kulturellen Traditionen, unser lateinisch-humanistisches Rechtssystem, unsere kunsthistorischen Schätze oder das geschichtliche Erbe des Fin de Siècle oder auch des Roten Wien akzeptieren wird, muss bezweifelt werden.

    Dass die Germanen, die seinerzeit in das Römische Reich zogen, schlussendlich die römische Kultur und christliche Religion übernommen haben, mag zu entsprechenden Hoffnungen verleiten. Ähnliches ist aber heute eher nicht zu erwarten.

     

    Roman Sandgruber ist emeritierter Professor für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Johannes Kepler Universität Linz. 

    Roman Sandgruber, 12.08.2017, 00:04 Uhr

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