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    Soziale Marktwirtschaft ist Österreichern fremd

    Soziale Marktwirtschaft ist Österreichern fremd

    LINZ. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung kann nichts damit anfangen.

    Sie gilt als eine Errungenschaft Westeuropas nach dem Zweiten Weltkrieg – die soziale Marktwirtschaft. Darunter versteht man die Idee, freien Wettbewerb mit sozialem Ausgleich zu vereinbaren. Alle österreichischen Parteien bekennen sich zur sozialen Marktwirtschaft, seit Jahrzehnten ist sie ein Synonym für soziale Sicherheit und Wohlstand. Umso ernüchternder ist für Gottfried Kneifel, Geschäftsführer der Initiative Wirtschaftsstandort Oberösterreich (IWS), das Ergebnis einer vom IWS in Auftrag gegebenen Studie.

    Ihr zufolge kann die Mehrheit der Österreicher mit dem Begriff soziale Marktwirtschaft nichts anfangen. Nur 45 Prozent der Bevölkerung hat davon bisher gehört oder gelesen. Vor allem bei jüngeren Menschen ist der Begriff laut Imas-Studie ein Fremdwort. Entsprechend überfordert ist ein großer Teil der Befragten, wenn es darum geht, Vor- und Nachteile der sozialen Martkwirtschaft zu bewerten. "Von der Tendenz wird die soziale Marktwirtschaft positiv gesehen. Es zeigt sich aber in Summe eine massive Orientierungslosigkeit der Bevölkerung", sagt Imas-Meinungsforscher Paul Eiselsberg.

    Männer, Personen im Alter zwischen 35 und 59 Jahren und mit höherer Bildung hätten einen überdurchschnittlich hohen Kenntnisstand zur sozialen Marktwirtschaft, so Eiselsberg.

    "Im Erosionszustand"

    Für IWS-Chef Kneifel ist diese Entwicklung beunruhigend: "Die Ordnungssysteme unserer Gesellschaft wie eben soziale Marktwirtschaft, aber auch Demokratie und Parlamentarismus befinden sich in einem Erosionszustand." Die Ordnungssysteme seien – in Zeiten von Globalisierung und Digitalisierung – zu Recht auf dem Prüfstand, so Kneifel. "Aber scheinbar gelingt es den politischen Eliten nicht mehr, die Probleme zu lösen." Er will die Studie nun allen Parteien und Verbänden zur Verfügung stellen, um zu informieren und Bewusstsein zu schärfen. (sd)

    15.07.2017, 00:04 Uhr

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