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     Doris Hummer: "Mehr Themen, weniger Zünfte"

    Doris Hummer: "Mehr Themen, weniger Zünfte"

    OÖ-Wirtschaftskammer-Präsidentin will über Spartengrenzen Branchenverbünde gründen und Zahl der Beschäftigten reduzieren.

    Intern hat Doris Hummer ein Motto ausgegeben: "Wir denken weniger in Zünften, dafür mehr in Themen". Das klingt nicht nur fortschrittlich, es ist auch die Überschrift für den weiteren Umbau der Wirtschaftskammer (WK) in Oberösterreich. Die Präsidentin der Landeskammer arbeitet eng mit dem designierten Nachfolger von Christoph Leitl auf Bundesebene, Harald Mahrer, zusammen, um die Kammer zu reformieren. Und sie will in Oberösterreich noch etwas draufsetzen. Gleichzeitig soll auch gespart werden.

    Wobei Hummers Spielraum auf Landesebene etwas eingeschränkt ist. Denn das Wirtschaftskammergesetz, ein Bundesgesetz, sieht vor, dass es weiterhin sieben Sparten, 66 Fachgruppen und 28 Fachvertretungen gibt. Also 101 Bereiche, die derzeit noch unverrückbar sind. Diese selbstständigen Körperschaften mitsamt ihren Gremien und Funktionären will Hummer denn auch gar nicht angreifen. Sie hat mit ihrem Team einen anderen Ansatz gewählt: "Branchenverbünde".

    Die Branchenverbünde sollen Themen abdecken. Ein Beispiel wäre etwa das Thema "Bauen und Immobilien". Alle Berufsvertretungen, die mit diesem Thema zu tun haben, können und sollen sich dort einbringen. Das reicht von den Immobilientreuhändern über den Baustoffhandel, das Bau(neben)gewerbe (wie Dachdecker und Installateure) bis zur Bauindustrie. Ein anderer Branchenverbund könnte "Mode & Style" sein, der vom Textilhandel über Friseure bis zu den Fotografen und die Filmwirtschaft alle einbindet. Hummer bestätigt das den OÖNachrichten: "Branchenverbünde können Themen und sich selbst besser vermarkten. Der Ansatz der Branchenverbünde ist, wie wir die Kammer für den Kunden besser organisieren", sagt die Unternehmervertreterin.

    Die inhaltliche Neuorientierung über Spartengrenzen hinweg hat freilich auch einen handfesten wirtschaftlichen Aspekt. Die WK Oberösterreich will effizienter werden. Künftig soll es weniger Führungskräfte geben, die die Verantwortung über mehr Beschäftigte haben als derzeit. Das spart nicht zuletzt Geld. Wie viel, das will Hummer derzeit noch nicht sagen.

    Denn die Idee für Branchenverbünde liegt zwar vor, Details sollen aber mit den Betroffenen (Funktionären, Fraktionen in der WKO und Mitarbeitern) erst ausgearbeitet werden. Dies alles werde ein Organisationsentwickler begleiten.

    Hummer will die Zahl der Beschäftigten reduzieren. Schon jetzt sei der Mitarbeiterstand um 20 geringer als noch vor einem Jahr. Manche Posten werden nach der Pensionierung von Mitarbeitern nicht nachbesetzt. Kündigungen seien nicht geplant, versichert Hummer, die in der Kammer auch politische Ausschüsse mit Vertretern der Fraktionen bilden will. Diese sollen sich relevanten Themen wie etwa der Gewerbeordnung, neuen Arbeitswelten und dem Ruf des Handwerks widmen.

    Die Stimmung zwischen WK und AK ist trotz des Konflikts rund um Krankenstände und Kündigungen bei der Mühlviertler Firma Technosert dem Vernehmen nach besser als vor einem halben Jahr. Die Sozialpartner wüssten, dass sie ihre Zusammenarbeit weiterentwickeln müssten, heißt es. Zwischen Hummer und AK-Präsident Johann Kalliauer gibt es regelmäßig Gespräche. Ein unterschriftsreifes Papier, das die Zusammenarbeit künftig regelt, liegt aber noch nicht vor.

    Dietmar Mascher, 13.03.2018, 00:04 Uhr

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