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    Bei Fill Metallbau steht es "Spitz auf Knopf"

    Bei Fill Metallbau steht es "Spitz auf Knopf"

    Genaue Prüfung des zweiten Sanierungsverfahrens.

    Die zweite Insolvenzeröffnung innerhalb von nicht einmal neun Monaten hat nicht nur die Gläubiger von Fill Metallbau vor den Kopf gestoßen. Auch Experten wundern sich. Aber wie schon beim ersten Verfahren ist das Ziel, das Unternehmen fortzuführen. Damit das gelingt, sollen – wie berichtet – große Einschnitte erfolgen. Von derzeit 180 Mitarbeitern dürften nur 80 übrig bleiben.

    Ob dieser Plan des Eigentümers Stefan Fill aufgeht, ist noch offen. So hat sich der Gläubigerschutzverband AKV in seinem ersten Bericht an die Gläubiger weit aus dem Fenster gelehnt: "Es ist nicht zu erwarten, dass die Gläubiger den Quoten-Vorschlag akzeptieren werden." Franz Loizenbauer, Leiter des Linzer Standorts, erklärt seine Skepsis: "Das ist einzigartig, dass drei Monate nach der Aufhebung des ersten Verfahrens ein neues eröffnet wird." Außerdem zweifelt er an der Finanzierbarkeit der Quote – es sei denn, es gibt einen neuen Investor. Doch auch da gibt es keine guten Nachrichten: Der Baukonzern Porr, der Interesse hatte, soll sich komplett zurückgezogen haben.

    Entscheidung nächste Woche

    Für Insolvenzverwalter Robert Tremel bedeutet diese offene Skepsis, dass er die von Schuldnerseite angestrebte Fortführung besonders kritisch prüfen muss. Auf OÖN-Anfrage sagt er: "Ich habe das Insolvenzgericht um eine Verlängerung der Entscheidungsfrist bis Mitte nächster Woche gebeten." Üblicherweise muss der Sanierungsverwalter binnen einer Woche entscheiden, ob fortgeführt werden kann oder nicht. Diese Frist ist am Dienstag abgelaufen.

    Hintergrund für die Wackelpartie ist der Vermögensstand bei Fill Metallbau. Anders als beim Verfahren im Herbst ist derzeit Geld in der Kasse. Laut Vermögensstatus betragen die flüssigen Mittel 1,6 Millionen Euro. Aus der Liquiditätsplanung geht hervor, dass diese in den nächsten Wochen schrumpfen werden, im Juli fehlt sogar Geld. Im Dezember sollen nach der Abrechnung der laufenden Projekte drei Millionen Euro in der Kasse sein.

    Wenn das Unternehmen eine Zukunft haben soll, dann bräuchte es die Mitarbeit der Lieferanten. "Wie sollen diese noch Vertrauen in das Unternehmen haben?", fragt Loizenbauer. Angeboten wurde, dass die Gläubiger 20 Prozent der Schulden innerhalb von zwei Jahren abgegolten erhalten.

    Da die Hälfte der Schulden aus dem ersten Verfahren wieder auflebt, liegt die Überschuldung erneut bei 40 Millionen Euro.

    Unter den 1200 Gläubigern fragt man sich, wie eine stark verkleinerte Firma genug Einnahmen erwirtschaften kann, um die 20 Prozent oder acht Millionen zu bedienen. Mit 80 Mitarbeitern wäre Fill Metallbau nur noch ein Drittel der Firma, wie sie im Herbst 2017 dastand.

    Selbst wenn – wie im ersten Verfahren – nur zehn Prozent sofort fällig wären, wird angezweifelt, ob das Unternehmen diese bedienen kann. Käme es zu einer Zerschlagung, geht die Schuldnerseite davon aus, dass die Gläubiger nur vier Prozent ihres Geldes wieder sehen.

    Sigrid Brandstätter, 17.05.2018, 00:04 Uhr

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