• Wirtschaft

    Lügenvorwurf: Der Streit der Sozialpartner eskaliert

    LINZ. Das Klima zwischen Arbeiterkammer (AK) und Wirtschaftskammer (WK) verschlechtert sich wieder zusehends. Auslöser für den aktuellen Konflikt ist die Krankenstands-Affäre bei der Mühlviertler Firma Technosert. 

    Die Wirtschaftskammer habe die Fakten im Fall der Krankenstände in der Mühlviertler Elektronikfirma Technosert verdreht und die Öffentlichkeit falsch informiert. Dies behauptet die Arbeiterkammer OÖ in einer Aussendung. Der Streit zwischen den Sozialpartnern eskaliert neuerlich, nachdem sich die Präsidenten Doris Hummer und Johann Kalliauer zuletzt um Beruhigung bemüht hatten.

    Es begann mit einem Exklusivbericht der OÖNachrichten, in dem die Wirtschaftskammer Missbrauch von Krankenständen anprangerte. Die AK stellte am Mittwoch fest, die zwölf Beschäftigten seien nicht "gleichzeitig und abgesprochen" in Krankenstand gegangen. Richtig sei, sie hätten in einer Zeitspanne von zwei Monaten Krankenstände angetreten.

    AK: "Fakten verdreht"

    Unterschiedliche Diagnosen verschiedener Ärzte hätten dazu geführt. Die Wirtschaftskammer solle die unwahren und rufschädigenden Behauptungen über die Betroffenen zurücknehmen. Damit seien nicht nur die Arbeitnehmer gemeint, sondern auch die Mediziner, denen leichtfertige Krankschreibungen vorgeworfen worden seien, und die Gebietskrankenkasse (Vorwurf des Versagens bei der Aufsicht). Die Arbeitgebervertretung habe "wesentliche Fakten verschwiegen, die Wirklichkeit verdreht und die Öffentlichkeit falsch informiert", stellt Arbeiterkammerdirektor Franz Molterer fest.

    Dabei sei sie vor zwei Jahren über "untragbare Zustände" in der Firma informiert worden. Mitarbeiter seien mit Drohungen zu Überstunden gedrängt worden, Vorge-setzte hätten ein herabwürdigendes Verhalten an den Tag gelegt.

    Die Wirtschaftskammer reagierte mit deutlichen Worten – und wie die AK nicht auf Präsidenten-, sondern Direktoren-Ebene: Das sei beispiellos und ein Tiefpunkt in der Geschichte der Arbeitnehmervertretung, so WK-Direktor Walter Bremberger.

    Angriff auf Erhard Prugger

    Er forderte seinen Kollegen Molterer auf, die Vorwürfe gegen den Leiter der Rechts- und Sozialabteilung der Wirtschaftskammer, Erhard Prugger, zurückzunehmen. Molterer hatte behauptet: "Ungeheuerlich, dass Herr Prugger mit Verdrehungen und Auslassungen politisches Kleingeld zu münzen versucht. Noch dazu ist das nicht das erste Mal: Schon in früheren Fällen hat er Beschäftigte fälschlicherweise des Krankenstandsmissbrauchs bezichtigt, um politische Ziele zu erreichen."

    Diese persönliche Diffamierung sei letztklassig, stellt Prugger gegenüber den OÖN fest. Die zitierten Technosert-Fälle seien keineswegs auf zwei Monate verteilt aufgetreten. Die Firma sei erfolgreich und habe einen hohen Anteil an Stammpersonal. (le)

     

    21.02.2018, 12:51 Uhr

    Mehr zum Thema
    Mehr Wirtschaft
    Wirtschaft Übersicht
    Zurück Zum Seitenanfang