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    Gegen das Verschleudern von Lebensmitteln

    Gegen das Verschleudern von Lebensmitteln

    WIEN. Josef Moosbrugger spricht als neuer Präsident der Landwirtschaftskammer unter anderem über "Geiz ist geil".

    Der Vorarlberger Josef Moosbrugger wurde zum Nachfolger des Niederösterreichers Hermann Schultes als Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich gewählt. Der 51-Jährige kündigt an, dass der Bundesregierung bald Sparvorschläge vorgelegt werden.

     

    OÖN: Seit 1995 ist die Zahl der bäuerlichen Betriebe um rund ein Drittel auf 160.000 gesunken. Wie wollen Sie das Bauernsterben aufhalten, oder müssen Betriebe größer und schlagkräftiger sein?

    Moosbrugger: Mein Ziel ist es, den Strukturwandel zu bremsen und damit die flächendeckende Bewirtschaftung zu erhalten. Bäuerliche Familienbetriebe kommen in Größenordnungen, wo sie an ihre Grenzen stoßen. Es kann nicht immer nur die Devise sein, zu wachsen, um das Gleiche zu verdienen wie im Jahr davor. Wir wollen sicherstellen, dass die Familien ihren Hof bewirtschaften können, ohne fremde Arbeitskräfte engagieren zu müssen. Dafür baucht es mehr Produktivität. Die Schlüsselfrage ist: Wie kommen die Bauernfamilien zu wirtschaftlichem Einkommen?

    Die Marktpreise haben sich 2017 stabilisiert bzw. leicht verbessert. Ist Jammern noch berechtigt, wie manche den Bauern vorwerfen?

    Ja, das ist durchaus noch berechtigt. Es gibt Sparten wie Rüben und teilweise Ackerbau, wo die Situation nicht übertrieben gut ist. Die durchschnittlichen Bauerneinkommen sind immer noch auf dem Stand von 2008. Wir werden aktiv den Wert der Lebensmittel unterstreichen und den Heimmarkt forcieren.

    Wie wollen Sie es schaffen, dass die Österreicher mehr heimische Produkte konsumieren?

    Wir haben schon einen guten Weg eingeschlagen. Das muss man verstärken, allen voran mit Bewusstseinsbildung. Ich möchte hier Marketing betreiben, damit jeder weiß, welchen Beitrag er für eine lebenswerte Landschaft leisten kann, wenn er heimische Lebensmittel kauft. Wir brauchen auch noch bessere Herkunftskennzeichnung, vor allem in der Gastronomie.

    In puncto Wertschöpfung haben es die bäuerlichen Lieferanten schwer, weil der heimische Lebensmittelhandel mit wenigen großen Ketten so dominant ist.

    Wir müssen hier das Wettbewerbsrecht noch stärker thematisieren und uns gegen unlautere Handelspraktiken und das Verschleudern rechtlich wehren können. 2+2 gratis, Geiz ist geil, 25 Prozent weniger jedes Wochenende – all diese extremen Rabattaktionen sind mit österreichischen Lebensmitteln nicht tolerierbar. Das Verbot, unter dem Einstandspreis zu verkaufen, darf nicht mehr unterlaufen werden.

    Die Bundesregierung will bei den Sozialpartnern durchgreifen, falls sie bis Jahresmitte keine Reformkonzepte liefern, um effizienter zu werden. Wird die Landwirtschaftskammer liefern?

    Wir werden zeitgerecht ein Papier vorlegen. Es ist auch im Interesse der Landwirtschaftskammern in den Bundesländern, dass wir uns weiterentwickeln. Es gibt Möglichkeiten, Kosten zu senken – von EDV bis Buchhaltung und Öffentlichkeitsarbeit. Das ist kein Muss, sondern eine Chance. Wir werden zeigen, was wir schon alles verändert haben, besonders bei den Bezirksstellen wie in Oberösterreich.

    Werden dann die Beiträge für die Landwirte sinken?

    Es geht darum, dass wir die Beiträge nicht permanent erhöhen müssen. Das System muss effizienter werden, um Kostensteigerungen, die wir nicht beeinflussen können, unterzubringen.

    Mit Ihnen ist erstmals ein Vorarlberger und seit längerem ein Milch- und Grünlandbauer an der Spitze der Kammer, kein großer Ackerbauer aus Ostösterreich. Wird sich dadurch die Interessenvertretung verändern?

    Nein, ich werde die Interessen aller Bauern vertreten. Meine Wahl interpretiere ich als Vertrauensbeweis – in meine Person und darin, dass auch jemand aus dem Westen an der Spitze gut sein kann.

    Zur Person

    Josef Moosbrugger (51) besuchte die Landwirtschaftliche Fachschule Hohenems und bewirtschaftet in seiner Heimatgemeinde Dornbirn, in der er von 1995 bis 2018 auch als VP-Stadtrat agierte, gemeinsam mit seiner Familie einen Milchwirtschaftsbetrieb mit 90 Stück Vieh.

    Moosbrugger war zwölf Jahre lang Funktionär der Jungbauernschaft Landjugend, 1991 wurde er Kammerrat der Landwirtschaftskammer. Seit 1999 ist der verheiratete Vater von drei Kindern zwischen 17 und 25 Jahren Präsident der Landwirtschaftskammer Vorarlberg. Er ist auch Vorsitzender der Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH.

     

     

    Alexander Zens, 16.05.2018, 00:04 Uhr

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