• Wirtschaft

    E-Control will Strom-Netztarife umstellen

    Nicht mehr der Stromverbrauch soll Basis sein, sondern die aus dem Netz bezogene Leistung

    Die Energie-Regulierungsbehörde E-Control will ab 2019 die Netztarif „verursachergerecht“ machen. Bisher war der Netztarif, der rund ein Drittel des Strompreises ausmacht, vom Verbrauch abhängig. Künftig soll die aus dem Netz bezogene Leistung den Netztarif bestimmen.

    Es gehe um eine faire Verteilung der Netzkosten von insgesamt unverändert zwei Milliarden Euro, sagten die E-Control-Vorstände am Mittwoch in einer Pressekonferenz. Jene, die mehr an Leistung beziehen und in kurzer Zeit viel aus dem Stromnetz entnehmen, müssen künftig mehr bezahlen, beispielsweise bei Schnellladestationen für Elektroautos. Lädt man das Elektroauto aber langsam auf, wird man nur geringfügig mehr zahlen. Für Vielentnehmer könnte es durchschnittlich zu Erhöhungen um rund 10 Prozent kommen. Es werde aber auch Entlastungen geben. Nicht vorgesehen sind zeitvariable Netztarife, also beispielsweise Tarife mit stündlichen Intervallen. Der unterbrechbare Tarif, wie er schon jetzt beispielsweise für Wärmepumpen eingesetzt wird, soll ausgebaut werden.

    Teil des Gesamtpakets seien auch aktive Endkunden. Auch Haushalte sollen künftig wie bereits jetzt Großkunden von der Digitalisierung profitieren können. So könnten sie laut E-Control beispielsweise in Zeiten, in denen wenig Strom vorhanden ist, ihren Verbrauch teilweise zentral steuern lassen und Teile des Vorteils von dadurch erzielten geringeren Gesamtkosten erhalten. Demand-Response leiste auch einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit. Das könne künftig jeder machen, wurde heute betont.

    Kritik kommt von der Arbeiterkammer: AK-Energieexperte Josef Thoman bezeichnete in einer Aussendung das Positionspapier als "fehlgeleitet". Die privaten Haushalte würden bereits jetzt fast die Hälfte der Netzkosten, obwohl sie nur ein Viertel des Stroms verbrauchten. Bei Umsetzung der E-Control-Vorschläge, die sich "weitgehend an den Wünschen der Strombranche orientieren", könnte sich diese Schieflage verstärken. "Den Haushalten drohen dann höhere Stromrechnungen", so Thoman. Dass künftig für einzelne Leistungsspitzen bezahlt werden soll, führt nach Ansicht der AK zu Intransparenz und schlechterer Vorhersehbarkeit der Stromkosten. Zudem seien Haushalte mit geringen Einkommen und alten Geräten tendenziell von höheren Kosten bedroht.

    19.04.2017, 13:16 Uhr

    Mehr Wirtschaft
    Wirtschaft Übersicht
    Zurück Zum Seitenanfang