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    Deutsche Regierung führt ab Juli flächendeckende Lkw-Maut ein

    Deutsche Regierung führt ab Juli flächendeckende Lkw-Maut ein

    BERLIN. Deutschland, der engste Wirtschaftspartner Österreichs, dreht bei der Lkw-Maut an mehreren Stellschrauben: Ab Juli sind Lastkraftwagen ab 7,5 Tonnen auch auf Bundesstraßen mautpflichtig.

    Der deutsche Staat erwartet sich dadurch Mehreinnahmen von 2,5 Milliarden Euro und will so jährlich 7,2 Milliarden Euro an Mauteinnahmen erzielen. Hintergrund sind die steigenden Emissionen aus dem Güterverkehr, weil immer mehr Waren auf den Straßen befördert werden.

    Diese neuen Mauteinnahmen werden – gesetzlich vorgeschrieben – in den Erhalt und Ausbau der Infrastruktur gesteckt werden. Zum Vergleich: In Österreich nahm die staatliche Asfinag 2017 1,37 Milliarden Euro an Lkw-Maut auf Autobahnen ein. In Österreich werden aber schon kleinere Lkw ab 3,5 Tonnen zur Kasse gebeten.

    In einem zweiten Schritt passen die Deutschen ab Jahreswechsel die Mauthöhe stärker an die Größe der Lkw an. Damit werde mehr Gerechtigkeit bei den Tarifen erzielt, "indem wir schwerere Fahrzeuge, die unsere Straßen stärker beanspruchen, auch stärker zur Kasse bitten", erklärte Verkehrsminister Andreas Scheuer. Prinzipiell zahlen Lkw-Betreiber aber schon bisher mehr, je älter und größer das Fahrzeug ist.

    Durch die engen Wirtschaftsverflechtungen mit Deutschland fühlen sich die österreichischen Frächter stark betroffen von den Vorhaben der Nachbarn. Österreichische Lkw befahren häufig deutsche Straßen – ob als Lieferanten von Auto- oder Maschinenteilen oder um deutsche Produkte nach Österreich zu bringen.

    Konsumenten zahlen die Zeche

    Obwohl die Tarife für die deutsche Bundesstraßen-Lkw-Maut noch nicht feststehen, spricht der Bundessparten-Obmann des Güterbeförderungsgewerbes in der Wirtschaftskammer Österreich, Franz Danninger, von einer "Katastrophe", die sich zur Gänze in den Preisen niederschlagen werde. Aus seiner Sicht werden die Transporteure die deutsche Maut sicher nicht "schlucken". Diese werde stattdessen "sicher und hundertprozentig an die Konsumenten weitergegeben", sagt Danninger im Gespräch mit den OÖN.

    Die Umweltökonomin Angela Köppl sagt dazu, dass von Mauten oder Mauterhöhungen keine "durchschlagend hohen Teuerungseffekte" zu erwarten seien.

    Österreichs Frächter kritisierten erst jüngst wieder die europaweit in ihren Augen sehr hohe Belastung durch die Asfinag-Autobahnmaut, was die Asfinag zurückwies. Laut Danninger hebt Österreich die höchste Maut in Europa ein. Während ein 40-Tonnen-Lkw für 50 Euro Maut in Österreich nur 115 Kilometer auf Autobahnen fahren könne, seien es in Deutschland mehr als 360 Kilometer.

    Aufgrund dieser ohnehin hohen Belastung fürchtet die Branche nicht, dass die österreichische Bundesregierung ähnliche Pläne wälzt wie die deutsche. Eine Maut für Lkw auf heimischen Bundesstraßen halte sie insofern für unrealistisch. Wie und ob die Frächter gegen die deutsche Maut vorgehen werden, sei noch Gegenstand von Absprachen und Diskussionen. Zu überraschend war das Vorpreschen der Deutschen selbst für Branchen-Insider. Auch Ökonomin Köppl äußerte sich zurückhaltend, was die Beispielwirkung betreffe. "Das ist schwer abzuschätzen."

    Vorgesehen ist in Deutschland eine Mautbefreiung für Elektro-Lkw. (sib/uru)

    16.05.2018, 00:04 Uhr

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