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    Der Leitstand der Amag in Ranshofen

    Amag: Mitbestimmen zwischen Rostbraten und Rotwein

    LINZ. 94 Aktionäre kamen zur Hauptversammlung des Aluminiumkonzerns nach Linz. Diskutiert wurde über Gewinne, Gehälter und Essen. 

    "Glauben Sie, dass ein Betrugsfall wie bei FACC auch bei Ihnen passieren kann?" "Wie viele Patente wurden im Vorjahr angemeldet?" "Wie viele Arbeitsunfälle sind 2016 passiert?" 94 Aktionäre zeigten sich gestern bei der Hauptversammlung des Ranshofner Aluminiumkonzerns Amag im Linzer Schlossmuseum sehr interessiert. Die Dividende wurde zwar nicht angehoben, aber die Teilnehmer wurden mit einer Naturaldividende entschädigt: Es gab Rostbraten mit Nudeln, Rotweine, Kaffee und Mehlspeisen.

    Für einen Aktionär, der namentlich nicht genannt werden möchte, war das Zusammentreffen mit den Amag-Vorständen Helmut Wieser, Helmut Kaufmann und Gerald Mayer eine Premiere. Den Mann, der als Privatier tätig ist, interessierte vor allem eines: "Warum wird der Gewinn zur Gänze ausgeschüttet?" 

    "Bezüge sind überzogen"

    Zentrales Thema unter den Aktionären war aber nicht nur der Gewinn, sondern auch die Bezüge des gesamten Aufsichtsrates, in dem neun Mitglieder sitzen. Die Bezüge sollen im Vergleich zum Vorjahr um 35 Prozent von 351.000 Euro auf 474.000 Euro erhöht werden. Einigen Aktionären stieß das sauer auf. "Das ist überzogen", rief ein Mann empört. Er verwies auf den Gewinn, der im selben Zeitraum nur um 15 Prozent gestiegen sei.

    Josef Krenner, Vorsitzender des Aufsichtsrats, verteidigte die Erhöhung der Aufsichtsratsbezüge. Es sei nicht nur die Zahl der Sitzungen gestiegen. Man habe allgemein "deutlich mehr zu tun als in den vergangenen Jahren. Deshalb vertreten wir diese Strategie". Die Aktionäre stimmten mit 99 Prozent für die Erhöhung. 

    Im Gegensatz zu den Aufsichtsräten erhalten die Aktionäre nicht mehr Geld: Die Dividende bleibt wie in den vergangenen beiden Geschäftsjahren bei 1,20 Euro je Aktie. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen stieg im abgelaufenen Geschäftsjahr von 123,9 auf 143 Millionen Euro. Der Umsatz sank um ein Prozent von 913,3 auf 906,2 Millionen Euro.

    7,4 Prozent Streubesitz

    Kritik kam an der Aktionärsstruktur des Aluminiumerzeugers auf. 7,4 Prozent der Amag-Aktien sind im Streubesitz. "Das ist doch für große Fonds völlig uninteressant. Zahlt es sich da überhaupt aus, an der Börse notiert zu sein?", wandte ein Aktionär ein. Amag-Vorstandsvorsitzender Helmut Wieser konterte: "Es wäre falsch, nicht an der Börse zu sein. Unsere Großkunden schätzen das. Und es bietet uns die Möglichkeit für mehr Wachstum." Wieser kündigte an, dass das Kaltwalzwerk in Ranshofen noch im Juni in Betrieb geht.

    Unterdessen wurde bekannt, dass Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld nach monatelangem Druck von Großaktionären als Vorstandschef des US-Metallkonzerns Arconic (bekannt als Alcoa) zurücktrat. Wieser war vor seinem Wechsel zur Amag bei Alcoa.

    Martin Roithner, 19.04.2017, 15:18 Uhr

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