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    Wie weit darf Werbung gehen? Ikea lässt Kundinnen auf Katalog urinieren

    Wie weit darf Werbung gehen? Ikea lässt Kundinnen auf Katalog urinieren

    Die Grenzen des guten Geschmacks werden von Werbekampagnen öfters überschritten.

    Zwei weltbekannte Unternehmen haben in den vergangenen Tagen mit ungewöhnlichen Werbekampagnen auf sich aufmerksam gemacht: Auf der Internet-Seite des schwedischen Modekonzerns H&M war ein dunkelhäutiger Bub in einem grünen Kapuzen-Pulli abgebildet, der den Schriftzug "Coolest Monkey in the Jungle" (coolster Affe des Dschungels) trug. Nach Protesten und Kritik – der Modekette wurde vor allem Rassismus vorgeworfen – zog das Unternehmen die Werbung zurück und entschuldigte sich.

    Schmunzeln oder ärgern

    Nur wenige Tage danach startete das Möbelhaus Ikea, das sich selbst gern als "unmöglich" bezeichnet, eine ebensolche Werbemaßnahme in Schweden. Ikea verspricht Schwangeren einen Rabatt – und fordert sie auf, zum Nachweis der Schwangerschaft auf eine Katalogseite zu urinieren, in die ein Test eingebaut ist. Bei positivem Ergebnis erscheint dort der günstigere Ikea-Family-Preis für ein Gitterbett. "Auf diese Werbung zu pinkeln, könnte dein Leben ändern", heißt es in diesem Werbespot.

    Auch in der heimischen Werbebranche wird über die ungewöhnlichen Kampagnen diskutiert. "Die H&M-Werbung ist ein absolutes No-Go. Das ist Rassismus pur und schießt deutlich über die Grenzen", urteilt Angelika Sery-Froschauer, Vizepräsidentin der OÖ. Wirtschaftskammer und Obfrau der Bundesfachgruppe Werbung und Marktkommunikation. Auch Daniel Frixeder, Geschäftsführer der Linzer Agentur "upart", findet die H&M-Werbung ungustiös: "Das geht einfach zu weit." Bei der Schwangerschaftstest-Aktion von Ikea gehen die Meinung jedoch auseinander. Während Frixeder die Idee nicht ganz stimmig findet, beurteilt Angelika Sery-Froschauer die Rabattaktion positiv und kann sogar darüber schmunzeln. "Die Schweden sind insgesamt offener, und die Botschaft gefällt wahrscheinlich Frauen besser als Männern – und die sind ja auch die Zielgruppe."

    In den vergangenen Jahren hatten Konzerne mehrfach Werbeskandale ausgelöst. 2014 musste das spanische Modelabel Zara einen gestreiften Schlafanzug mit gelbem Stern zurückziehen, der an die Kleidung jüdischer Häftlinge in NS-Konzentrationslagern erinnerte. Im Oktober 2017 sah sich die Kosmetikmarke Dove zu einer Entschuldigung veranlasst, nachdem in einer Werbung ein dunkelhäutiges Model nach dem Wechsel eines Tops in ein weißes mutiert war.

    Barbara Rohrhofer, 12.01.2018, 00:04 Uhr

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