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    Klimawandel: Meeresspiegel steigt immer schneller

    Klimawandel: Meeresspiegel steigt immer schneller

    WASHINGTON. Satellitenmessungen zeigen, dass der Zuwachs bis zum Jahr 2100 mehr als das Doppelte bisheriger Berechnungen betragen könnte.

    Steigt der Meeresspiegel um 65 Zentimeter an, hätten wir ein ernstes Problem. Die Menschen an der Küste des US-Bundesstaats Virginia müssten langsam, aber sicher den Rückzug antreten. Der Millionenstadt Miami würde es wahrscheinlich ähnlich ergehen, und die Fidschi-Inseln wären bis dahin sowieso im Ozean verschwunden.

    Einer Studie zufolge ist es sehr wahrscheinlich – wenn nicht sogar untertrieben –, dass genau das eintreten wird. Denn der Meeresspiegel steigt jedes Jahr ein bisschen schneller. Bis zum Jahr 2100 soll es sogar mehr als das Doppelte sein, als bisherige Prognosen voraussagten.

    Das geht aus Berechnungen hervor, die eine Gruppe US-Wissenschafter rund um den Geophysiker Steve Nerem von der University of Colorado in Boulder im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlichte. Seit dem Jahr 1993 stieg der Meeresspiegel weltweit im Schnitt um drei Millimeter pro Jahr. Laut der Studie beschleunigt sich dieser durchschnittliche Anstieg jedes Jahr allerdings um 0,08 Millimeter.

    Der Prognose zufolge könnte der Anstieg im Jahr 2100 schon bei etwa zehn Millimetern pro Jahr liegen. Der durchschnittliche Pegel läge dann an den Küsten um 65 Zentimeter höher als im Jahr 2005 – bisherige Prognosen gingen von etwa 30 Zentimetern aus. "Und das ist mit ziemlicher Sicherheit eine vorsichtige Schätzung", sagt Nerem in einer Mitteilung seiner Universität.

    Bei ihrer Kalkulation gingen die Forscher davon aus, dass sich der Trend der vergangenen 25 Jahre fortsetzt. "Angesichts der Veränderungen, die wir heute in den Eisschilden sehen, ist das unwahrscheinlich", sagt Nerem. Anders ausgedrückt: Der Anstieg wird noch höher ausfallen als von den Forschern prognostiziert.

    Die bisher längste Messreihe

    Für die Berechnungen verwendeten die Wissenschafter Satellitendaten der vergangenen 25 Jahre, in denen weltweit der Stand des Meeresspiegels erfasst wird. Es handelt sich dabei um die längste bisher vorhandene Messreihe, die mit dem Start des Erdbeobachtungssatelliten Topex/Poseidon im August 1992 begann und mit den drei Jason-Satelliten fortgesetzt wurde.

    Die Forscher berücksichtigten verschiedene Faktoren, die den globalen Meeresspiegel beeinflussen, etwa das Klimaphänomen El Niño im Pazifik. Auch die Schwankungen in den Wassermengen, die an Land gespeichert werden, gingen in die statistische Analyse ein.

    14.02.2018, 00:04 Uhr

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