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    Frankreich zwischen Endspurt im Wahlkampf und Terror

    PARIS. Bei dem Attentat auf der Pariser Champs-Elysee starb ein Polizist, es gab drei Verletzte. Die Dschihadistenmiliz IS reklamierte die Attacke für sich.

    Viele hatten es befürchtet, nun ist es passiert: Kurz vor der Präsidentenwahl starb am Donnerstagabend ein Polizist auf den Pariser Champs-Elysees bei einem Mordanschlag eines mutmaßlichen islamistischen Attentäters.

    Während die Kandidaten für das Präsidentenamt – am Sonntag findet die erste Wahlrunde statt – im TV-Sender France 2 Rede und Antwort zu ihren Programmen standen, schlug der Angreifer kaltblütig auf der Prachtstraße zu. Er hielt mit einem Fahrzeug neben dem Polizeiwagen, stieg aus und eröffnete das Feuer.

    Er tötete dabei einen Polizisten, rannte anschließend über den Bürgersteig und schoss dort auf weitere Beamte. Zwei weitere Sicherheitskräfte wurden schwer verletzt. Zwischenzeitlich war von zwei toten Polizisten die Rede gewesen. Auch eine deutsche Touristin erlitt Verletzungen.

    Der Angreifer wurde wenig später von Sicherheitskräften erschossen, der Tatort weiträumig abgesperrt. Die kilometerlange Straße ist üblicherweise ein Touristenmagnet, dort gibt es viele Geschäfte und Hotels.

    Im Auto des Attentäters, dem vorbestraften 39-jährigen Franzose Karim Cheurfi, fanden Ermittler eine Pumpgun und zwei große Messer. Aus Polizeikreisen verlautete, der Mann sei den Sicherheitsbehörden bekannt gewesen.

    Gesuchter stellte sich in Belgien

    Am Freitag nahmen die Behörden drei Familienangehörige des Schützen in Paris fest. Es handle sich um das klassische Vorgehen in solchen Fällen, hieß es dazu. Ein im Zusammenhang mit dem Anschlag gesuchter Mann stellte sich der Nachrichtenagentur Belga zufolge in Antwerpen den belgischen Behörden. Staatschef Francois Hollande sprach schnell von einem „terroristischen Hintergrund“ der Tat. Die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen.

    Der IS reklamierte die Attacke noch in der Nacht auf Freitag für sich: „Der Angreifer von den Champs-Elysees im Zentrum von Paris ist Abu Yussef der Belgier, und er ist einer der Kämpfer des Islamischen Staates“, erklärte das IS-Propagandasprachrohr Amaq. Allerdings scheint diese Identität nicht auf den erschossenen Angreifer zuzutreffen, der Franzose und kein Belgier war.

    Zudem ist es ungewöhnlich, dass sich die Miliz so schnell nach einer Tat meldet und einen Namen nennt. Bei ähnlichen Verlautbarungen wurden die Angreifer häufig „Soldaten“ der Terrormiliz genannt. Die Nachricht konnte zunächst nicht unabhängig auf ihre Echtheit überprüft werden.

    Sie wurde aber über die Kanäle verbreitet, über die der IS in der Vergangenheit auch ähnliche Anschläge für sich beansprucht hat – etwa nach den Terrorattacken in Ägypten oder in London. Bei dem von den Sicherheitskräften Erschossenen wurde aber ein Schreiben gefunden, in dem der IS verteidigt wird, verlautete aus Ermittlerkreisen.

    Täter war schon im Gefängnis

    Als radikaler Islamist war Cheurfi bisher nicht aufgefallen. Er war aber 2005 wegen mehrfachen versuchten Mordes – unter anderem an einem Polizisten und an einem Polizeischüler – zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Schon in seinem Berufungsprozess hatte er seinen Hass auf die Polizei geäußert. Vor zwei Monaten wurde er erneut festgenommen, weil er Polizistenmorde geplant haben soll. Aus Mangel an Beweisen kam er damals allerdings wieder frei.

    21.04.2017, 22:04 Uhr

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