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    Bombenanschlag auf Dortmund-Bus: Marc Bartra verletzt, Spiel abgesagt

    Festgenommener wollte mit BVB-Anschlag Millionen verdienen

    DORTMUND. Nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus des deutschen Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund (BVB) hat die Polizei einen Verdächtigen festgenommen - es scheint um Aktienbetrug zu gehen und nicht um Terrorismus.

    Der in Tübingen (Baden-Württemberg) gefasste 28-Jährige soll auf einen durch den Anschlag verursachten Kursverlust der BVB-Aktie gesetzt haben.

    So wollte er einen Millionengewinn einstreichen, wie die Bundesanwaltschaft mitteilte. An islamistischen oder anderen extremistischen Hintergründen bestünden erhebliche Zweifel. Dem Verdächtigen mit deutscher und russischer Staatsangehörigkeit wird versuchter Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Die Bundesanwaltschaft wollte um 12.30 Uhr über den Stand der Ermittlungen informieren.

    Am Dienstag vergangener Woche hatten vor dem Champions-League-Spiel der Dortmunder gegen den AS Monaco drei Sprengsätze nahe dem Mannschaftsbus gezündet. Die BVB-Spieler waren kurz zuvor mit ihrem Bus vom Mannschaftshotel zum Spiel abgefahren. Bei der Explosion wurde der Abwehrspieler Marc Bartra in dem Fahrzeug von Splittern getroffen und schwer verletzt. Ein Motorradpolizist erlitt ein Knalltrauma. Das Spiel war wegen des Anschlags um einen Tag verschoben worden.

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    Nach Angaben der Bundesanwaltschaft hat der mutmaßliche Täter Sergej W. am Tag des Anschlags auf den BVB-Bus 15.000 Verkaufsoptionen - sogenannte Put-Optionen - für 78.000 Euro in Bezug auf die BVB-Aktie erworben. Die Papiere hätten eine Laufzeit bis zum 17. Juni gehabt. Der Kauf wurde demnach über einen Online-Anschluss des Mannschaftshotels abgewickelt. Der Tatverdächtige habe die Papiere über einen am Anfang April 2017 aufgenommenen Verbraucherkredit finanziert.

    Festgenommener spekulierte auf fallende Aktienkurse

    Er spekulierte den Angaben nach auf fallende Kurse - die Höhe des Gewinns hänge von der Höhe des Kursverlustes ab. Mit einem erheblichen Kursverfall wäre zu rechnen gewesen, wenn wegen des Anschlags Spieler schwer verletzt oder sogar getötet worden wären. Der Verdächtige sei wie die Mannschaft Gast im Mannschaftshotel gewesen und habe dort bereits am 9. April ein Zimmer im Dachgeschoß mit Blick auf den späteren Anschlagsort bezogen.

    Die BVB-Aktien erholten sich am Freitag im frühen Handel um zwei Prozent. Am ersten Handelstag nach dem Anschlag war das Papier zunächst etwas abgerutscht, schloss letztlich aber 1,7 Prozent im Plus. Mehr Auswirkung auf den Kursverlauf hatten die sportlichen Leistungen: Am Vortag war die Aktie nach dem endgültigen Aus im Viertelfinale der Champions League um rund 3,5 Prozent gefallen. Der BVB war im Jahr 2000 als erster deutscher Sportverein an die Börse gegangen.

    Zum möglichen Motiv sagte Innenminister Thomas de Maiziere: "Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wäre das ein besonders widerwärtiges Tatmotiv." Borussia Dortmund teilte mit: "Die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft, des Bundeskriminalamts und der nordrhein-westfälischen Polizei wurden sehr intensiv und mit Hochdruck geführt. Dafür bedanken wir uns in aller Form und hoffen, dass in dem Tatverdächtigen nun der Verantwortliche für den niederträchtigen Anschlag auf unsere Spieler und Staff-Mitglieder gefasst werden konnte."

    Polizei sucht nach zwei Komplizen

    Die Polizei suchte unterdessen nach nicht bestätigten Berichten nach zwei Komplizen von Sergej W. Die beiden sollen den Angaben zufolge einen Leihwagen in Freudenstadt abgeholt haben - in dem dann möglicherweise die Sprengsätze nach Dortmund gebracht worden seien.

    Die Ermittler hatten zunächst versucht, Schlüsse aus drei gleichlautenden Bekennerschreiben zu ziehen, in denen ein radikal-islamistisches Motiv für den Anschlag behauptet wird. Die Schreiben waren am Tatort gefunden worden. Nach eingehender Prüfung erhebt die Bundesanwaltschaft an einem radikal-islamistischen Hintergrund aber erhebliche Zweifel. Auch ein weiteres rechtsextremistisches Bekennerschreiben weist nach Angaben der Behörde Widersprüche und Ungereimtheiten auf. Es deute derzeit nichts daraufhin, dass es vom Täter stammt.

    nachrichten.at/apa, 21.04.2017, 10:24 Uhr

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