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    "Manchmal muss der Leidensdruck erst groß werden"

    BRAUNAU. "Treffpunkt mensch&arbeit" kümmert sich um Betriebs- seelsorge und auch um Mobbingopfer am Arbeitsplatz. Das ist eine der sozialen Einrichtungen, die ihre Arbeit bei einer eigenen Messe vorstellt.
    • "Treffpunkt mensch&arbeit" kümmert sich um Betriebs- seelsorge und auch um Mobbingopfer am Arbeitsplatz
    • Das ist eine der sozialen Einrichtungen, die ihre Arbeit bei einer eigenen Messe vorstellt.

     

    Drei Betriebsseelsorger des "Treffpunkt mensch&arbeit" kümmern sich um Anliegen und Probleme der arbeitenden Bevölkerung. Irene Huss ist Leiterin der diözesanen Institution in Braunau und gleichzeitig Organisatorin der Sozialmesse. Im Interview spricht die Uttendorferin über ihre Arbeit.

     

    Braunauer Warte: Betriebsseelsorge – ein sehr umfassendes Schlagwort. Wie erklären Sie einem Kind, was das heißt?

    Irene Huss: Das ist ein Ort, zu dem Menschen kommen können, wenn sie Probleme haben. Vor allem in der Arbeit oder bei Arbeitslosigkeit. Da ist jemand, der zuhört, unterstützt und versucht zu helfen.

    "Sehen, urteilen, handeln, feiern". Das ist die Beschreibung Ihrer Arbeit auf der Diözesan-Homepage. Welcher Bereich überwiegt?

    Wichtig ist, dass man keinen Schritt überspringt oder dass man bei einem Schritt, z.B. beim Urteilen, hängen bleibt, damit man auch ins Handeln kommt. Zum Schluss darf man Geleistetes würdigen. Feiern ist ein wichtiger Bestandteil, weil so Gemeinschaft entsteht.

    Bleiben wir beim Thema Handeln. Was waren die größten Erfolge, die Sie bei Ihrer Arbeit verbucht haben?

    Ich freue mich immer wieder, wenn ein Mensch mit vielen Problemen gekommen ist und nach einem Gespräch gestärkt hinausgeht.

    Wer ist Ihre Zielgruppe?

    Menschen in der Arbeitswelt bzw. arbeitslose Menschen. Wobei sich die Dinge nicht immer trennen lassen. Im Zuge der Gespräche kommt heraus, was sonst noch alles dranhängt. Manchmal kommen Burn-Out, Mobbing, Überschuldung oder familiäre Probleme zu Tage. Wir helfen, Übersicht zu bekommen. Da braucht man natürlich viele Partner, wie eben die, die bei der Sozialmesse vertreten sind.

    Bei Ihnen gibt es ein eigenes Mobbing-Telefon. Sind wir also im Umgang miteinander nicht netter geworden?

    Schwer zu sagen. Man spürt schon, wenn Druck in Firmen entsteht, dann ist das ein Nährboden dafür.

    Was meinen Sie mit Druck?

    Wenn die Firma anfängt, Leute zu kündigen, wie zum Beispiel bei der Finanzkrise, dann ist das sehr gefährlich. Jeder hat Existenzangst, jeder will seinen Job behalten. Da kann das entstehen, dass man auf einen anderen "hinbeißt". Es kommt aber natürlich schon sehr auf die Firmenkultur an.

    Gibt es viele Fälle von Mobbing in der Umgebung?

    Laufend. Das Thema ist immer präsent. Es gibt auch hier eine Dunkelziffer, die Leute trauen sich nicht oder wissen auch nicht, dass es da eine Stelle gibt, die hilft. Und manchmal muss der Leidensdruck erst sehr groß werden. Leider.

    Wie ist Ihr Verhältnis zu Wirtschaftsvertretern?

    Wenn der Arbeitnehmer als Mensch und nicht ausschließlich als Zahl, Produktions- oder Kostenfaktor gesehen wird, dann gut. Das ist mir wichtig. Dass die Menschen nicht vergessen werden.

     

    Sein Team hilft schutzbedürftigen Kindern durch dunkle Zeiten

    Sein Team hilft schutzbedürftigen Kindern durch dunkle Zeiten

    Gewalt, Missbrauch und/oder Vernachlässigung ist für viele Kinder trauriger Alltag. Mit mehr als einhundert Fällen dieser Art jährlich hat das fünfköpfige Team des Kinderschutzzentrums Innviertel zu tun, die Dunkelziffer der Betroffenen ist noch höher.

    „Wir bieten Beratung und Psychotherapie“, sagt Sozialberater und fachlicher Leiter Christof Angsüßer. Seit 2014 ist er in der fordernden Arbeit im Kinderschutzzentrum tätig, weil er Kinder trotz „schwerer Phasen noch auf einen guten Weg bringen möchte“. Kinder, Eltern und Jugendliche können sich direkt unter der Hotline 07722/ 85550-147 melden, wenn sie Hilfe in Anspruch nehmen wollen. Oft werden missbrauchte Kinder und Jugendliche von anderen Institutionen an das Kinderschutzzentrum verwiesen. Sozialarbeiter, Psychotherapeuten und Psychologen sind im Team, damit für jeden Klienten eine gute und umfassende Begleitung möglich ist. „Wir besprechen im Team, was für die jeweiligen Fälle das Richtige ist. Das ist durch diese multiprofessionelle Konstellation möglich“, sagt der fachliche Leiter. Finanziert wird das Kinderschutzzentrum vom Land und durch Spenden. „Die sind für eine Non-Profit-Organisation natürlich ganz wichtig“, sagt Angsüßer.

    Nicht nur Therapi für Kinder ist Teil der Arbeit im Kinderschutzzentrum, sondern auch Familienberatung. Ein weiterer Zweig ist die Prozessbegleitung. „Wenn Kinder oder Jugendliche in Strafprozessen aussagen müssen, begleiten wir sie ins Gericht und durch das ganze Verfahren. Im Idealfall vor der Anzeige bis zur Hauptverhandlung“, sagt Angsüßer.

    Die Nachfrage nach ihrer Arbeit ist leider gegeben. In Ried und Schärding ist die Anzahl der Fälle in den vergangenen Jahren gestiegen, in Braunau wurde sie ein bisschen kleiner. In den drei Bezirkshauptstätten ist das Kinderschutzzentrum erreichbar, die Zentrale ist in Ranshofen.

    Damit das Team gut mit dem Erlebten und den Geschichten der Klienten leben kann, nützt es Supervisionen. „Die sind auch vom Land vorgeschrieben, was sehr sinnvoll ist. Da gibt es auch Kontrollen“, so Christof Angsüßer. Dennoch ist seine Arbeit nicht nur von negativen Dingen und Erlebnissen geprägt, sondern auch von vielen positiven. „Besonders schön ist es, wenn Jugendliche einen weiterempfehlen, weil man ihnen so sehr geholfen hat“, sagt er.

    Weitere Informationen im Internet unter kischu.at

     

    "Weißer Ring"-Landeschef: "Menschen trauen sich jetzt mehr zu"

    "Weißer Ring"-Landeschef: "Menschen trauen sich jetzt mehr zu"

    Wir helfen, wo wir gebraucht werden. Wir unterstützen zum Beispiel das Kinderschutzzentrum finanziell, und wir leisten Assistenzdienst“, schildert Franz Grünbart Einsatzgebiete des „Weißen Rings“, die nicht ganz so bekannt sind. Die meisten verbinden die Verbrechensopfer-Hilfsorganisation mit der Betreuung schwer traumatisierter Gewaltopfer.

    „Um Opfer häuslicher Gewalt, die jünger als 18 Jahre sind, kümmert sich das Kinderschutzzentrum, wir sind in erster Linie bei situativer Gewalt gefordert“, so der in Neuhofen wohnende Landesleiter des „Weißen Rings“ Oberösterreich.

    Der Name des 64-Jährigen ist untrennbar mit der Verbrechensopfer-Hilfsorganisation verbunden. Franz „Fränky“ Grünbart trat 1985 dem „Weißen Ring“ bei, knapp ein Jahr später gründete der ehemalige Rieder Gendarm, spätere Polizist und nunmehrige Pensionist bereits die „Informationsstelle Innviertel“ – die erste regionale Außenstelle des „Weißen Rings“ im gesamten Bundesgebiet.

    Grünbart war damals der Zeit um einiges voraus. Er rief die Außenstelle ins Leben, als dies in den Vereinsstatuten noch gar nicht vorgesehen war. Unabhängig davon wurden auch schon die ersten Opfer von Verbrechen im Innviertler Raum betreut und versucht, sie wieder ins normale Leben zurückzuführen.
    „Die Opferschutzhilfe ist um einiges mehr geworden“, sagt Grünbart. „Mit der Erhöhung des Bekanntheitsgrades unserer Organisation trauen sich die Menschen mehr zu.“

    Der 64-Jährige ist inzwischen seit fast 31 Jahren Landesleiter des „Weißen Rings“. Der Außenstelle, die auch im Hausruckviertel aktiv ist, gehören zehn Mitarbeiter an, die im Jahr durchschnittlich 30 Verbrechensopfer betreuen.

    Die Organisation ist die einzige flächendeckend tätige Verbrechensopfer-Hilfsorganisation Österreichs und die einzige, die allen Opfern krimineller Handlungen sowie deren Angehörigen offen steht. Im Auftrag des Bundesministeriums für Justiz betreibt der „Weiße Ring“ auch den aus ganz Österreich gebührenfrei und rund um die Uhr erreichbaren Opfer-Notruf 0800 112 112. Im Vorjahr gab es fast 22.000 Opferkontakte.

     

    Sozialmesse

    Die Arbeit im Sozial- und Beratungsbereich sichtbar machen, Vernetzungsarbeit leisten und das vielfältige Angebot aus regionalen Beratungsstellen mit Räumlichkeiten vor Ort und aus überregionalen Einrichtungen, die auch für das Innviertel zuständig sind, zeigen. Das sind die Ziele der Sozialmesse am Dienstag, 25. April, von 18 bis 22 Uhr im Veranstaltungszentrum in Braunau. Die sozialen Einrichtungen sind bei der Messe in Themenblöcke eingeteilt:

    Familie und Kinder:

    • Kinderschutzzentrum
    • Beziehung Leben
    • Gewaltschutzzentrum
       

    Geld und Wohnen:

    • Sozialmarkt Mattighofen
    • Tafel Braunau
    • Wohnen im Dialog
    • Caritas Sozialberatung
    • Caritas-Netzwerk Wohnungs-sicherung
    • Schuldnerberatung OÖ
    • ReKi Braunau
       

    Gesundheit:

    • Weißer Ring
    • Beratungsstelle ego
    • pro mente PSB
    • Regionalcaritas
    • Caritas Mobiles Hospiz Pallia-
    • tiv Care
       

    Arbeit:

    • Treffpunkt mensch&arbeit
    • Frauenberufszentrum
    • B36
    • pro mente Arbeitsassistenz
    • pro mente ATZ
    • pro mente Tagesstruktur
    • Arbeitsinspektorat
    • Gleichbehandlungsanwaltschaft
    • Volkshilfe FMB
       

    Jugend und Frauen:

    • Streetwork
    • Frau für Frau
    • Frauenhaus Innviertel
    • Y4U Jugendforum
    • ÖGJ

    Magdalena Lagetar, 20.04.2017, 17:04 Uhr

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