• Thema

    Fahren mit Strom: Enorme Vorteile, weniger Probleme

    BRAUNAU, WIEN. Manfred Schrödl von der Technischen Universität Wien prognostiziert der E-Mobilität eine große Zukunft. Die Nachteile, die diese Form der Energiequelle noch hat, werden immer geringer, betont der Experte.
    • Manfred Schrödl von der Technischen Universität Wien prognostiziert der E-Mobilität eine große Zukunft.
    • Die Nachteile, die diese Form der Energiequelle noch hat, werden immer geringer, betont der Experte.

     

    Das Hauptreferat am Elektro-Mobilitätstag in Braunau hält Manfred Schrödl. Er ist im Institut für Energiesysteme und Elektrische Antriebe an der Technischen Universität Wien tätig. Ein Befürworter von Elektro-Autos, der auch die Herausforderungen sieht. Seine Thesen:

    Die Vorteile

    1. Hohe Energie-Effizienz

    Elektrofahrzeuge verbrauchen deutlich weniger Energie als konventionelle Kraftfahrzeuge. Der Wirkungsgrad bei herkömmlichen Fahrzeugen liegt aufgrund der hohen Wärmeverluste bei Verbrennungsmotoren bei rund 25 Prozent, bei Elektrofahrzeugen bei rund 85 Prozent.

     

    2. Sauberere Umwelt

    Elektro-Pkw stoßen 40 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer aus, die konventionell betriebenen Fahrzeuge durchschnittlich 167 Gramm und Kleinwägen rund 120 Gramm. Bei dieser Berechnung ist bereits der Stromerzeugungsmix in Österreich berücksichtigt. Neben der CO2-Emissionen muss auch die Feinstaub-Belastung insbesonders durch Dieselfahrzeuge beachtet werden.

     

    3. Geräuscharmut

    Durch den Einsatz von Elektrofahrzeugen kommt es zu einer deutlich wahrnehmbaren Verringerung der Lärmbelastung.

     

    4. Kostenfaktor

    Die Treibstoffkosten liegen bei Elektro-Pkw um 600 Euro niedriger. Rechenbeispiel für 15.000 Kilometer pro Jahr: 450 Euro beim E-Auto (Strompreis 19 Cent, Verbrauch 16 Kilowattstunden pro 100 Kilometer); 1070 Euro beim Benzin/Diesel-Kleinwagen (6,5 Liter auf 100 Kilometer, 1,1 Euro pro Liter). Die Wartungskosten sind zudem bei E-Fahrzeugen geringer. Kommt Strom (teilweise) aus der eigenen Photovoltaikanlage, ergibt sich eine weitere Kostenreduktion.

     

    5. Öl-Unabhängigkeit

    Die Abhängigkeit Österreichs von Erdöl-Importen sinkt mit der E-Mobilität deutlich. Elektrofahrzeuge gelten als nachhaltige Zukunftstechnologie mit großem Potenzial.

     

    Die Probleme

    1. Reichweite

    Die neuen Lithium-Batterien bringen eine deutliche Verbesserung bei der Reichweite. Auch ihre Lebensdauer hat sich verbessert. Die Reichweite von 300 Kilometer ist für die durchschnittliche Fahrzeugnutzung ausreichend.

     

    2. Ladestationen

    Der Aufbau einer Lade-Infrastruktur ist wesentlicher Faktor. Intelligente Steuerungsmechanismen sind notwendig.

     

    3. Stromnetz

    Durch den Auf- und Ausbau nachhaltiger Energiequellen und die intelligente Steuerung in den Stromnetzen ist eine Umstellung auf E-Mobilität ohne größere Probleme möglich.

     

    4. Auto-Preis

    Mit der Erhöhung der Stückzahlen und den technologischen Fortschritten werden die E-Autos in den nächsten Jahren billiger.

     

     

     

    Zahlen und Fakten

    400 Kilometer können derzeit mit einer Batterieladung zurückgelegt werden, das ist doppelt so viel wie noch im Jahre 2013.

    39 Kilometer fährt durchschnittlich jeder Autofahrer täglich, das sind rund 270 Kilometer in der Woche. Dafür reicht eine Akku-Ladung aus.

    2 Gigawatt Strom sind im Mittel zusätzlich nötig, wenn in Österreich alle E-Fahrzeuge nutzen. An Wochenenden steht diese Menge für Elektromobilität zur Verfügung.

     

    Mit dem Elektro-Auto auf Visite: Fahrgenuss und Klimaschutz

    Mit dem Elektro-Auto auf Visite: Fahrgenuss und Klimaschutz

    „Ich bin eigentlich schon in meiner HTL-Zeit mit dem ,E-Keim‘ sozusagen infiziert worden. Mich hat Elektromobilität immer interessiert“, sagt Clemens Novak. Heute ist er Gemeindearzt von St. Martin und verwendet für seine Arbeit zwei E-Autos und einen Hybrid-Wagen.

    Schon als HTL-Schüler hat er versucht, einen Fiat 500 in ein E-Auto umzurüsten. Richtig eingestiegen ist er Anfang 2015: „Damals habe ich bei Probefahrten den Komfort der E-Autos schätzen gelernt.“ Mit Vorurteilen, die herkömmliche Automobilisten oft aufzählen, räumt der Mediziner auf. „Die meinen, dass das Fahren keinen Spaß machen kann, wenn´s nicht laut ist. Ich habe genau das Gegenteil erlebt. E-Autos haben eine Beschleunigung wie ein Sportwagen und bieten ein wunderbares Fahrgefühl“, erklärt Nowak. Das E-Auto kann er bei seinen Patientenbesuchen optimal nutzen, weil das immer eher kürzere Strecken sind. Grundsätzlich ist er mit der Reichweite zufrieden.

    Einmal Linz retour geht sich aus

    „Ich hab´ für mich definiert, dass ich mit einer Batterieladung von St. Martin nach Linz und wieder retour kommen will und das ist sehr gut machbar“, sagt der Arzt. Geladen werden die Autos bei ihm zu Hause, der Großteil des Stroms kommt von der eigenen Photovoltaikanlage. Wenn´s einmal nicht reicht, wird Öko-Strom zugekauft. „Ich brauch´ in diesem Zusammenhang also wirklich keinen Tropfen Öl“, nimmt der Arzt auf den Klimaschutz Bezug.
    Stolz ist Novak, der seine Matura an der HTL in Braunau gemacht hat, auch darauf, dass das Thema E-Mobilität in seiner Heimatgemeinde St. Martin auf der Tagesordnung steht: „Wir adaptieren gerade vier Parkplätze mit Ladestationen für Elektroautos. Dabei wird auch die erste Schnellladestation des Bezirks Ried hier bei uns in Betrieb gehen.“

    Clemens Novak ist sich sicher, dass in absehbarer Zeit der Umstieg vom herkömmlichen Auto zum E-Mobil erfolgen wird und davon überzeugt, dass sich viele Menschen von den Vorteilen des E-Mobils hinsichtlich Fahrkomfort und Nachhaltigkeit überzeugen lassen werden.

     

    Mit dem E-Motorrad auf Rennstrecken unterwegs

    Mit dem E-Motorrad auf Rennstrecken unterwegs

    Gleich nach der HTL hat Eva Reiter bei KTM in Mattighofen zu arbeiten begonnen. Die Schalchnerin ist Entwicklungsingenieurin. In der Abteilung Elektrischer Antrieb befasst sie sich hauptsächlich mit der Validierung der E-Bikes. Und nach Dienstschluss hat sie auch mit diesen Fahrzeugen zu tun, beim Training und bei Rennen.

    Beruflich liegt ihr Hauptaufgabengebiet bei der Erstellung, Organisation und Durchführung von Soft- und Hardware-Tests. Mit der KTM Freeride E beschäftigt sich Eva Reiter im Berufsalltag. Auch privat verwendet sie das E-Bike sehr gerne und schätzt vor allem die Lautlosigkeit dieses Fahrzeugs. „Mit einem E-Bike gibt´s keine Lärmstörung. Da kann man auch ins Gelände fahren ohne Ärger bei Ruhebedürftigen zu verursachen“, sagt sie.

    Ein großer Pluspunkt für das E-Bike ist auch das problemlose Handling. „Du brauchst nur Gas geben und bremsen. Kuppeln und schalten entfällt. Die Bremsen sind am Lenker und die Füße können so immer am Fußraster stehen, was eine gute Belastungsverteilung ermöglicht“, erklärt die Schalchnerin, die in der Braunauer HTL maturiert hat.

    Seit einiger Zeit fährt die Technikerin auch Rennen. Sie beteiligt sich bei ACC-Meisterschaften und bei den Enduro-Masters-Rennen. „Es macht mir wirklich Spaß, unser KTM-Gerät im Gelände zu erproben und mich mit anderen zu messen. Zuletzt bin ich mit meinem Kusin bei einem Vier-Stunden-Mixed-Team-Rennen angetreten, das sich für die Freeride E mit Akkuwechsel super anbietet. Und wir haben in diesem Bewerb sogar den Sieg erzielt“, freut sie sich.

    Grundsätzlich sieht sie E-Bikes auch als kostengünstige Alternative für den Arbeitsweg, als ideal für den Nahverkehr. „Aber wahrscheinlich muss man unsere KTM Freeride E selbst testen, um ihre Vorzüge kennenzulernen“, setzt sie aufs Neugierig-Machen. Und verweist auf das E-Cross-Center von KTM am Standort Munderfing: „Dort kann sich jede und jeder ein E-Bike ausleihen und im Gelände sowohl die Maschine als auch die eigenen Fahrkenntnisse erproben“, weist Eva Reiter auf ein spezielles Angebot ihres Arbeitgebers hin.

     

    Aktionstag

    Dienstag, 23. Mai, HTL Braunau

    Abendveranstaltung (19 Uhr)

    • Hauptvortrag „Auswirkungen der bevorstehenden Elektromobilität“ von Manfred Schrödl, Vorstand des Instituts für Energiesysteme und Elektrische Antriebe der Technischen Universität Wien.
    • Vortrag „Die Entwicklung des BMW i3 von der Idee bis zum Serienfahrzeug“ von Stefan Kallich, Antriebsprojektleiter i3 REX von BMW Motorrad.
    • Vortrag „Qualifizierungsmaßnahmen für das Arbeiten an Fahrzeugen mit Hochvoltsystemen“ von Deniz Kartal, EVALUS Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz GmbH.
    • Vortrag „Innovation x Förderung = Erfolg2“ von Gerald Weidenauer, Leiter der Gruppe Investitionsfinanzierung und -förderung Oberbank Linz.

    Eintritt frei, Anmeldung bis Freitag, 19., an 07722/ 83690 oder office@htl-braunau.at.

    Nachmittagsprogramm (14 Uhr)

    • Fahrzeugschau: Tesla, BMW, KIA, Volkswagen, Mercedes Benz, Renault, Toyota - Probefahrten auf eigenes Risiko.
    • Erlebniswelt für Kinder mit Segway-Parcours, E-Go-Kart, E-Bikes, Motormodellen, Dampfmaschine (witterungsabhängig).

    Vorträge

    • 14 Uhr: „Markteinführung reiner E-Fahrzeuge in Mitteleuropa“ von Marcus Weissina, BMW-Manager Österreich.
    • „Physikalische Grundlagen der Wärmekraftmaschine und Wirkungsgrad“ von Christian Zöpfl, HTL Braunau.
    • 14.45 Uhr: „Die Entwicklung des BMW i3“ von Stefan Kallich, BMW. „Chemische Grundlagen der Akku-Technologie“ von Gerda Schneeberger, HTL Braunau.
    • 15.45 Uhr: „Sicherheit bei Wartungsarbeiten an E-Fahrzeugen“ von Deniz Kartal, EVALUS. „Netzlast durch Ladevorgänge von E-Fahrzeugen“ von Thomas Gruber, HTL Braunau.
    • 16.45 Uhr: „Connected Car: current status, challenges and trends“ von Johann Neubauer, Pixida GmbH. „Alltagserfahrungen mit einem E-Fahrzeug“ von Peter Huber, HTL Braunau.

    Veranstalter: HTL Braunau, Partner: Oberbank Braunau und die OÖNachrichten.

    OÖN, 18.05.2017, 17:04 Uhr

    Mehr Thema
    Thema Übersicht
    Zurück Zum Seitenanfang