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    Wo Sie 2018 am meisten für ihr Geld bekommen

    LINZ. Aktien bleiben 2018 die attraktivste Form der Geldanlage, eine Zinswende ist in Europa weiter nicht in Sicht.

    Sagenhafte 10.000 Milliarden US-Dollar haben allein die drei großen Notenbanken Federal Reserve, Europäische Zentralbank (EZB) und Bank of Japan in den vergangenen zehn Jahren in die Weltwirtschaft gepumpt und gleichzeitig die Zinsen weitgehend abgeschafft. Was das Wirtschaftswachstum angeht, waren sie erfolgreich. Die Märkte für Aktien und Anleihen haben sie damit aber verzerrt.

    Jetzt gilt es, dieses Geld zu "neutralisieren", ohne die Finanzmärkte in Turbulenzen zu stürzen. Vor dieser Herausforderung stehen Fed, EZB & Co in diesem Jahr. Die US-Notenbank ist schon ein Stück dieses Weges erfolgreich gegangen und hat nicht nur die Anleihekäufe beendet, sondern auch schon die Zinsen erhöht, ohne die Finanzmärkte zu destabilisieren. Gelingt das jetzt auch in Europa?

    Acht Jahre negative Realzinsen

    Was spricht jetzt dafür, dass auch 2018 ein Jahr der Aktien wird? "Die Realverzinsung in Österreich ist seit 2010 negativ", sagt Erich Stadlberger, Leiter des Private Banking der Oberbank. Aktien seien zwar in absoluter Hinsicht nicht mehr billig, im Vergleich zu Anleihen jedoch attraktiv bewertet. Allein die Dividenden-Rendite schlage die Anleihe-Rendite von mittelfristig begebenen Anleihen.

    Natürlich sollten Anleger immer vorsichtig bleiben und nicht alles auf eine Karte setzen. Nach einem Jahr der Rekordjagden an den internationalen Börsen und einer starken wirtschaftlichen Entwicklung befindet sich die Welt in einer ähnlichen Ausgangslage wie zu Beginn 2017.

    "An den Aktienmärkten in den USA und in Deutschland erleben wir aktuell den längsten Bullenmarkt seit 50 Jahren", sagt Christian Ramberger, Geschäftsführer der Allianz Invest Kapitalanlagegesellschaft. Ob es nun zu einer Ruhepause komme oder weitere Gipfelstürme gebe – Fakt ist laut Ramberger jedenfalls: "Die Luft für Rekorde wird dünner." Zu den Risiken zählten weiter auch politische Entwicklungen weltweit.

    Die Wahl in Italien, das Pulverfass Naher Osten oder der Dauerkonflikt der USA mit Nordkorea konkretisiert Stadlberger von der Oberbank die Risikolandkarte für Geldanleger. Das seien aber großteils keine neuen Risiken.

    Bei Gold sind die meisten Experten eher vorsichtig. Nach dem Anstieg im Zuge der Finanzkrise ist der Goldpreis von 2011 bis Anfang 2016 stark gesunken. Ob der Goldpreis wieder steigen könnte, darüber gehen die Meinungen auseinander. Große Sprünge werden nicht erwartet. "Das Thema Inflation und die Korrekturanfälligkeit der Aktienmärkte machen eine Beimischung von Gold aber sinnvoll", sagt Stadlberger.

    Tipps für Anleger

    Was sollten Anleger im heurigen Jahr besonders beachten, wovon sollten sie die Finger lassen? Die OÖNachrichten haben sechs Experten befragt, welche aus ihrer Sicht die „Dos“ und „Don’ts“ der Veranlagung 2018 sind.

    Alois Wögerbauer, 3-Banken-Generali:

    Derzeit spricht alles für Aktien
    In der Welt, in der wir derzeit leben, spricht alles für Aktien. Die wirtschaftliche Ausgangslage ist extrem gut. Als Börsianer sage ich, vielleicht zu gut. Entscheidend wird heuer der Einfluss der Notenbanken. Der Rückenwind der Geldpolitik für die Aktienmärkte wird nachlassen, aber einen Gegenwind erwarte ich noch nicht. Die Aktien sind zwar nicht mehr billig, aber überteuert sind sie auch nicht.

    Nichts kaufen, was man nicht versteht
    Wenn Sie nicht verstehen, wie Ihre Geldanlage tickt, dann machen Sie es nicht. Träumen Sie nicht vom großen Geld. Das Erreichen der Inflation ist das Minimalziel, alles darüber ist die Butter aufs Brot. Eines steht fest: Kaufen Sie kein Bitcoin. Das ist keine Geldanlage.

    Christian Ratz, RLB OÖ:

    Anleihen Ja, aber mit kurzen Laufzeiten

    Aktien sind in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation alternativlos. Vor allem die Wiener Börse hat noch Aufholpotenzial. Anleihen gehören auch in ein ausgewogenes Portfolio. Gold ist als Beimischung interessant. Das gilt auch für Rohstoffe, aber hier sollte man sich in Form von Fonds engagieren.

    Geldmarktzinsen bleiben unten
    Bei allem, was mit den Geldmarktzinsen zusammenhängt – etwa Sparbücher –, fährt man heuer nicht gut. Anleihen sind eine Alternative zu Sparbüchern, weil sie etwas mehr Rendite bringen. Aber hier sollte man keine langen Laufzeiten wählen. Das Risiko ist zu groß.

    Irene Schachinger, Sparkasse OÖ:

    Mit der Investition Gut schlafen können
    Anleger sollten sich Zeit nehmen für Information und Beratung und sich über ihre Ziele, den Anlagezeitraum sowie ihre Risikotragfähigkeit bewusst werden. Da es eine Vielfalt an möglichen Wertpapierveranlagungen gibt, appelliere ich, immer nur dort zu investieren – egal ob in Fonds, Anleihen, Aktien etc. –, wo man sich „wohlfühlt“ und gut schlafen kann.

    Keinen „heißen“ Tipps folgen
    Das sollten Sie vermeiden: „Heißen“ Tipps folgen, bei Aktieninvestitionen alles auf eine Karte setzen und Wertpapiere kaufen, obwohl Sie wissen, dass in Kürze Investitionen anstehen und das Geld gebraucht wird.

    Christoph Zoitl, Hypo OÖ:

    Starkes Wachstum bevorzugt Aktien
    Das weltweit starke Wirtschaftswachstum spricht für Aktien. Aber es gilt bei der Geldanlage nach wie vor, nicht alles auf ein Pferd zu setzen. Bei den Geldmarktzinsen, also beim Sparbuch, erwarte ich keinen Anstieg. Ein Engagement in den Schwellenländern ist zwar grundsätzlich interessant, aber nur dann, wenn man sich intensiv damit auseinandersetzt.

    Beim Gold ist Skepsis angebracht
    Anleihen mit langen Laufzeiten sollte man derzeit meiden. Bei Gold bin ich skeptisch. Es ist schwer, die künftige Entwicklung zu prognostizieren, weil der Preis stark von Spekulation beeinflusst wird.

    Maria Pfleger, VKB-Bank:

    Auch das Sparbuch ergibt Sinn
    Unser nachhaltiger Ansatz lautet „Qualität vor Spekulation“. In einer persönlichen Beratung wählen Bankexperten mit den Kunden die passende Anlagestrategie aus. Höhe, Dauer, Rendite und Risiko werden auf die Lebenssituation abgestimmt. Breite Streuung und langfristiges Denken sind wichtig. Ein Sparbuch ergibt immer noch Sinn, gerade wenn man sich langfristig finanziell absichern möchte.

    Nicht von Emotionen leiten lassen
    Kurzfristiges Denken und Handeln sollte man unbedingt vermeiden. Bei der Geldanlage ist es nicht gut, sich von Emotionen leiten zu lassen. Ebenso rate ich von einer Veranlagungsstrategie ab, ohne auf die jeweilige Lebenssituation einzugehen.

    Rudolf Huber, Volksbank OÖ:

    Breit aufstellen
    Angesichts des Konjunkturzyklus und des Zinsniveaus sollten sich Anleger breit aufstellen und eine ausgewogene Mischung bei den Anlageklassen haben. Mischfonds, die flexibel und aktiv gemanagt werden, und Investitions-Ansparpläne bieten sich an. Bei den Aktien empfehle ich Dividenden- und Substanzwerte. Die Schwankungsbreite bei Wertpapieren darf man nicht außer Acht lassen.

    Vorsicht bei Bitcoin
    Anleger sollten derzeit keine Rentenpapiere mit langen Laufzeiten kaufen. Wenn die Zinsen in den nächsten Jahren wieder einmal steigen, was im Langfristbereich wahrscheinlich ist, drohen Kursverluste bei Anleihen. Auch warne ich vor neuartigen Anlageprodukten, denen Blockchain-Technologien zu Grunde liegen, etwa Bitcoin. Das ist eine Blase ohne Substanz. Dafür ist nur Spielgeld geeignet.

    Wo bekommen sie am meisten für ihr Geld?



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    Debatte über heikle Mission Zinswende

    Die Sparzinsen sind auf einem historisch niedrigen Niveau, ebenso die Kreditzinsen. Im Vergleich zum Dezember gab es diesen Monat kaum Änderungen. Das zeigt der aktuelle Konditionenvergleich der OÖNachrichten.

    Der Leitzinssatz in der Eurozone liegt seit März 2016 bei 0,0 Prozent. Eine Straffung der ultralockeren Geldpolitik erfolgt nur langsam. Ab diesem Jänner kauft die EZB Anleihen im Volumen von 30 statt 60 Milliarden Euro monatlich. Das Programm wird bis mindestens Ende September fortgesetzt.

    Seit gestern, Donnerstag, ist aber klar, dass die EZB ihre Kommunikation des geldpolitischen Ausblicks bald präzisieren dürfte. Das geht nämlich aus dem gestern, Donnerstag, veröffentlichten Protokoll der Dezember-Zinssitzung der EZB hervor. Der Ausblick ist ein wichtiges Instrument, um Finanzmärkte auf geldpolitische Schritte vorzubereiten. „Der Markt interpretiert das so, dass die Notenbank den Wortlaut ihres Statements im Jänner ändern könnte“, sagte Helaba-Analyst Ulrich Wortlaut. „Der Hinweis zur möglichen Aufstockung oder Verlängerung der Anleihekäufe könnte gestrichen werden.“ Die nächste Zinssitzung der EZB findet am 25. Jänner statt.

     

     

    Hermann Neumüller und Alexander Zens, 12.01.2018, 00:05 Uhr

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