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    20 Jahre Fusion: Als der FC Linz begraben wurde

    LINZ. Verkauft wurde es als Fusion - doch tatsächlich wurde am 21. Mai 1997 die Todesurkunde des FC Linz unterzeichnet.

    Es war ein perfekt inszenierter Coup. Jahrelang war über die Fusion des LASK mit dem FC Linz geredet worden, Vieles wurde auch zerredet - doch im Mai 1997 ging plötzlich alles ganz schnell - noch ehe die Fans Wind von den Plänen bekommen hatten. „Wir haben uns innerhalb einer Woche geeinigt“, verkündete der damalige LASK-Präsident Wolfgang Rieger, nachdem die Fusionsvereinbarung der beiden Bundesligaklubs öffentlich unterzeichnet worden war 

    „Der Sinn und Zweck der Fusion ist kurz gesagt der, dass wir die beiden Potenziale, die die beiden Vereine haben, zu einer schlagkräftigen Einheit zusammenführen wollen“, hatte LASK-Anwalt Eduard Saxinger die Pressekonferenz im damaligen Ramada-Hotel eröffnet. „Das ist eine wirtschaftliche und sportliche Entscheidung“, erklärte Franz Grad für den FC Linz.

    Der FC Linz spielte die Saison in der Bundesliga fertig und hätte sportlich den Klassenerhalt geschafft. Am 31. Mai 1997 fand das letzte Derby vor 16.000 Zuschauern statt. Der FC Linz gewann mit 3:0. Günter Zeller erzielte das letzte Derbytor der Geschichte. „Wir wollten an diesem Tag ein Zeichen setzen“, sagte Kapitän Harald Gschnaidtner.

    Begräbnis statt Trauung

    Was als Trauung verkauft wurde, war das Begräbnis des FC Linz, der in seiner besten Zeit SK Voest und später FC Stahl hieß. Der LASK schluckte den Rivalen und bekam als Morgengabe noch den bestens funktionierenden Nachwuchs des FC Linz. Trotzdem bestand Grad, der in den folgenden Tagen sogar Morddrohungen bekam, darauf, dass es sich um eine Fusion handelte. „Einer Übernahme hätten wir nicht zugestimmt. Man muss es schon so sehen, dass sich die Ressourcen der beiden Verein ergänzen und wir nicht doppelgleisig fahren. Das gibt das wirtschaftliche Potenzial in Linz nicht her. Es gab ja nur zwei Möglichkeiten. Entweder ich liquidiere einen Klub, den das Publikum nicht wollte. Oder ich schaue, dass 250 Jugendliche des FC Linz versorgt werden.“ Erst später kam ans Tageslicht, wie ernst finanzielle Lage wirklich war: Der FC Linz hatte hohe Schulden und war zur Fusion praktisch gezwungen.

    Vom Kader der Blau-Weißen in der letzten Bundesligasaison wurden nur Zeljko Pavlovic, Ewald Brenner und Mario Stieglmayr übernommen. Der damalige FC-Linz-Manager Jürgen Werner war erschüttert: “Ich bin ein Blau-Weißer durch und durch, über 20 Jahre dabei, dieses Ende tut natürlich sehr weh, mir blutet das Herz. Wäre Franz Grad nicht gewesen, hätte sich der FC Linz wahrscheinlich bereits im Vorjahr aufgelöst. Beim LASK Linz mache ich nicht mit, mich reizt ein Job in der Wirtschaft.“ Heute ist er Berater des Bundesliga-Aufsteigers LASK.

    FC Linz erfand sich neu

    Der FC Linz erfand sich schon 1997 neu: Am 2. Juli wurde der FC Blau-Weiß Linz von Hermann Schellmann, Wilhelm Holzleitner und Willi Katschthaler als Nachfolgeverein gegründet, der Austria Tabak in der damaligen 1. Landesliga übernahm. 

    Beim neuen Großklub, der nun LASK Linz hieß, ging es schon in der Sommerpause drunter und drüber. Trainer Friedl Rausch trat zurück, Manager Max Hagmayr präsentierte Per Brogeland als Nachfolger und wurde kurz danach abserviert - um dann später doch wieder eingestellt zu werden. Er sollte eine Mannschaft aufbauen, die um den Meistertitel mitspielen kann. Die Affäre um die Rieger-Bank machte nur zwei Jahre später einen Strich durch die Rechnung. Der einzige Klub in Linz kämpfte plötzlich um das finanzielle Überleben, statt um den Meistertitel ging es gegen den Abstieg. Peter-Michael Reichel ergriff die Gelegenheit, den Klub zu seinen Konditionen zu übernehmen. Bei der schmerzhaften Sanierung war der Abstieg 2001 die logische Folge. Damit hatte die Stadt Linz vier Jahre nach der Fusion nicht mehr zwei Bundesligisten, sondern gar keinen mehr...

    Moser

    Franz Grad: "Ich würde das nie wieder machen"

    Tatsächlich war es keine - wie von den Akteuren versprochen - „Bündelung der Kräfte“, sondern eher eine feindliche Übernahme. 

    Der LASK schluckte den Nachfolgeverein des SK Vöest, FC-Linz-Mann Franz Grad gilt seit damals als einer der „Totengräber“ des blau-weißen Traditionsklubs, der im zweiten Leben (Übernahme der SV Austria Tabak) inzwischen wieder in der Ersten Liga kickt. Der Spediteur aus Pasching sieht seine historische Rolle bei der Fusion freilich anders. „Was viele nicht wissen: Ich war zu keiner Zeit Präsident des FC Linz, sondern wurde nur in den Vorstand geschickt, um die politisch gewollte Fusion zu vollziehen“, sagt Grad, der nach wie vor der Meinung ist, dass Linz nur einen Top-Klub verträgt. 

    Dass er damals mitgespielt hat, war für ihn mit Abstand betrachtet ein Fehler. „Ich würde das nie wieder machen. Ich musste den ganzen Scherbenhaufen wegräumen und hab´ dann auch noch eine schlechte Nachred` gehabt.“ Die treibende Kraft der Fusion sei seiner Meinung nach Jürgen Werner gewesen, der heute beim LASK im Hintergrund als Berater die Fäden zieht. 

    Nach der Übernahme des FC Linz kam der LASK übrigens vom Regen in die Traufe: der damalige Präsident Wolfgang Rieger musste nach dem Crash seiner Bank ins Gefängnis, worauf die Schwarz-Weißen (wieder einmal) in eine sportliche und finanzielle Krise schlitterten.

    Für den LASK zählt nur ein Top-3-Platz 

    Grad schaut ohne Wehmut oder Ärger in den Rückspiegel, die aktuellen Entwicklungen beim Erste-Liga-Meister LASK oder bei Blau-Weiß Linz betrachtet er „wertfrei“. Spiele der beiden Klubs würde er aber sicher nie wieder besuchen. Grad: „Damals hab ich einmal Stadionverbot bekommen, das halte ich aufrecht.“ Gegen die aktuellen Leute, die beim LASK eine führende Rolle spielen, hätte er persönlich nichts, er würde ihnen aber empfehlen, jetzt keine großen Feste zu feiern, sondern sich auf das Nachher zu konzentrieren. Grad: „Die müssen schauen, dass der LASK unter die Top 3 der Bundesliga kommt. Weil aller andere ist ja völlig uninteressant.“

    Die misslungene Fusion hatte übrigens Konsequenzen, von denen der LASK jetzt profitiert. Nur weil Grad später den FC Pasching zur Top-Mannschaft formte, gibt es vor den Toren von Linz heute mit dem Waldstadion (inzwischen offiziell TGW-Arena) eine Sport-Anlage, die inzwischen das Basislager für die aus Linz ausgewanderten Athletiker ist. Das Pasching-Projekt bezeichnet Grad heute so: „Das war von mir nur eine Trotzreaktion auf dieses Fusionstheater in Linz.“

    Günther Mayrhofer und Christoph Zöpfl, 19.05.2017, 00:04 Uhr

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