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    Später Wintereinbruch in Molln

    Wann hört dieser Winter endlich auf?

    LINZ/WIEN. Der Winter zeigt sich weiterhin von seiner ungemütlichen Seite: In der Steiermark sind 80 Personen von der Außenwelt abgeschnitten, in Oberösterreich mehrere Straßen gesperrt.

    Die kommende Nacht wird vor allem für Obst- und Gemüsebauern zur Nervenprobe. In der Obersteiermark ist die Ortschaft Hinterwildalpen wegen Lawinengefahr nicht auf der Straße erreichbar, 80 Personen müssen hier laut Katastrophenschutz ausharren. "Diese Situation wird noch bis mindestens Freitag in der Früh anhalten, dann tritt wieder die Lawinenkommission zusammen, um die Lage abzuschätzen", sagt Harald Eitner, Leiter der Direktion für Katastrophenschutz in der Steiermark. Die Personen seien aber gut versorgt: "Medizinische Betreuung wird nicht benötigt."

    Mehrere Straßen gesperrt

    In Oberösterreich ist vor allem das südliche Bergland von dem Wintereinbruch betroffen. "Der Schneesturm war so dicht, es war wie ein Weltuntergang!", sagt Raffael Gittmaier, Dienststellenleiter der Straßenmeisterei Kirchdorf. Schon am Mittwoch Nachmittag hatte es in der Pyhrn-Priel zu schneien begonnen, mit gravierenden Folgen für Lkw- und Pkw-Lenker, die großteils schon mit Sommerreifen unterwegs waren und Ketten auch nicht mehr dabei hatten. "Allein in Rosenau am Hengstpass sind fünf Lkw hängen geblieben, zahlreiche Pkw sind im Straßengraben gelandet", sagt Gittmaier. Mehr über die Situation im Süden Oberösterreich lesen Sie hier

    Mehrere Straßen sind in Oberösterreich gesperrt: Um 13 Uhr musste am Donnerstag die Pyhrnpassstraße gesperrt werden (Umleitung über Bosruck/A9), schon um 8 Uhr die Hengstpassstraße zwischen Unter- und Oberlaussa (gilt bis Sonntag), später ein Teil der Bodinggrabenstraße in Molln.

    Video: Der Winter in Oberösterreich ist zurück

    Hohe Lawinengefahr in den Bergen

    Aufgrund des vielen Neuschnees ist die Lawinengefahr in den Bergen hoch. Der Lawinenwarndienst hat im Pyhrn-Priel-Gebiet und im Ennstal Warnstufe 4 (von 5) ausgerufen. "Allein in den vergangenen 24 Stunden sind in dieser Region bis zu 70 Zentimeter Schnee gefallen", sagt Florian Stifter, Leiter des Lawinenwarndienstes. Seit Wochenbeginn fielen 1,5 Meter Schnee. Bereits einzelne Personen können dort ein Schneebrett auslösen, ebenso groß ist die Gefahr, dass sich Lawinen von selbst auslösen. "Die Warnstufe 4 wird wohl noch bis Freitag bleiben", sagt Stifter. Entwarnung werde es in den kommenden Tagen nicht geben: "Es wird sicher über das Wochenende hinaus bei Warnstufe 3 bleiben." Er empfiehlt daher nur Lawinenkundigen, sich in den Bergen aufzuhalten: Es ist höchste Vorsicht geboten."

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    Tausende Haushalte ohne Strom

    In Niederösterreich und im Burgenland waren wegen des Schneefalls Tausende Haushalte ohne Strom. Nachdem in der Nacht in Niederösterreich 25.000 Haushalte betroffen waren, lag die Zahl am Donnerstag in der Früh noch bei knapp über 1.000, hieß es von der EVN. Die Störungstrupps der "Netz NÖ" seien unter teils schwierigen Bedingungen im Einsatz gewesen. Bäume waren geknickt, Äste abgebrochen und in Freileitungen gestürzt. Das habe zu sogenannten Schneedruckstörungen geführt. Im Burgenland waren vor allem die Bezirke Oberpullendorf und Oberwart von den Stromausfällen betroffen.

    In Wien-Liesing stürzte am Mittwochabend wegen des schweren Schnees ein Baum auf einen fahrenden Pkw. Der Lenker wurde von der Berufsfeuerwehr in der Kaltenleutgebner Straße aus dem Fahrzeug befreit, er erlitt leichte Verletzungen. Die Kaltenleutgebner Straße wurde nach dem Unfall gesperrt, die Feuerwehr richtete für die Anrainer einen Shuttle-Dienst ein. Weil weitere Bäume drohten umzustürzen, wurden diese von Feuerwehrleuten am Donnerstagnachmittag entfernt. "Wir kontrollieren Baum für Baum mittels Drehleiter, der Einsatz wird noch zumindest mehrere Stunden dauern", sagte Feuerwehrsprecher Jürgen Figerl.

    Video: Wintereinbruch in Molln

    Schneerekord im Osten Österreichs

    Im Osten Österreichs führte der Wintereinbruch zu einem Schneerekord. Im Bergland lag stellenweise so viel Schnee wie noch nie in der zweiten Aprilhälfte. In Lunz am See waren es laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) am Donnerstag 86 Zentimeter. Verkehrsminister Leichtfried forderte nach den nächtlichen Problemen auf Österreichs Straßen eine verlängerte Winterreifenpflicht für Lkw über 3,5 Tonnen. "Wir haben es immer öfter mit Wetterkapriolen zu tun, späte Wintereinbrüche mit viel Schnee, der dann zu enormen Verkehrsbehinderungen führt. Das Hauptproblem sind Lkw ohne Winterreifen, die liegen bleiben, sich quer stellen und den Verkehr blockieren", sagte Leichtfried. Für Lkw über 3,5 Tonnen ist die Winterreifenpflicht unabhängig vom Wetter vorgeschrieben. Sie müssen ab 1. November bis 15. April zumindest auf den Antriebsrädern mit Winterreifen ausgestattet sein. "Wir prüfen eine Verlängerung um ein Monat", sagte Leichtfried.

    Aber auch in Tirol schneit es heftigt. Ein deutsches Brüderpaar sitzt aufgrund des Wintereinbruchs auf der Birkkarspitze im Karwendel fest. Die beiden Männer im Alter von 30 und 32 Jahren waren bereits am vergangenen Freitag zu einer mehrtägigen Bergtour aufgebrochen. Die Brüder hätten mittlerweile Zuflucht in einer Biwackschachtel gefunden und seien ausreichend versorgt, teilte die Polizei am Donnerstag mit.

    Frostige Nacht steht bevor

    Noch kein Aufatmen ist bei den heimischen Obstbauern in Sicht: Die (heutige) Nacht auf Freitag wird erneut frostig - und daher für die Landwirtschaft besonders gefährlich. Die Obstbäume stehen zum Teil schon in voller Blüte. Um diese vor dem Frost zu schützen, mussten Obstbauern im ganzen Land in den vergangenen Nächten ihre Kreativität spielen lassen. Es wurde geräuchert, Planen und Vliesdecken übergezogen. Entwarnung gibt es aber vorerst nicht: Nachdem im Laufe des Donnerstags der Schneefall überall abklingt, klart der Himmel in ganz Österreich auf. Und das bedeutet aber für die heimischen Bauern nichts Gutes: "Die heutige Nacht wird die gefährlichste", sagte Christian Ortner von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) am Donnerstag. Das Thermometer wird in den Tälern und auch im Flachland in den Nachtstunden auf bis zu -6 Grad abfallen. Mehr zu aktuellen Wettervorhersage lesen Sie hier.

     

    nachrichten.at, 20.04.2017, 17:02 Uhr

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