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    Von Sex und Nerventaxis beim „Bachelor“

    Der dezent herablassende Blick, der Knopf am Hemd, der dringend noch geschlossen gehört, das Gel, das viele Gel – ja vielleicht hat dieser neue Bachelor wieder richtiges Fremdschäm-Potenzial, vielleicht erfüllt er unsere (gar nicht so geheimen) Trash-TV-Träume, wer weiß?

    Doch dann biegt der Neue, Daniel Völz, 32, Immobilienmakler in Florida, sein Vorstellungs-Video in der neuen „Bachelor“-Staffel (Mittwoch, 20.15 Uhr, RTL) runter wie ein alter Profi,  schreitet mit sehnsuchtsvollem Blick oberkörperfrei am Strand entlang und spricht in ganzen Sätzen, an denen es grammatikalisch und inhaltlich nichts auszusetzen gibt. Das ist ja fast… unpeinlich. Für Trash-TV-Verhältnisse, nicht für das echte Leben. Dass seine Sätze alle vor Liebes-Schwulst tropfen, dafür kann der Daniel ja nichts. Dazu hat er sich ja vertraglich verpflichtet. Er, der seit fast zwanzig Jahren in Florida lebt, findet jetzt unter den 22 hoffnungsvollen Deutschen die Liebe seines Lebens, oder versichert zumindest immer wieder, dass er das vorhat, weil das halt beim „Bachelor“ so ist, gefälligst.

    Der Bachelor-Opa ist die „Käpt`n Blaubär“-Stimme Wolfgang Völz. Und dann hat er auch noch so eine sympathische Mutter und diese unglaublich patente Oma! Die ist verständlicherweise erst einmal schockiert, als ihr der Enkel von seinen Bachelor-Ambitionen erzählt und steckt ihm Geld zu. Bis das auf Instagram so richtig läuft, halt. Fast wird er einem sympathisch, der Bätschala. So wird das nichts, RTL!

    Wir setzen alle Hoffnungen auf die Damen: Und die können sich die Haare noch so unterschiedlich färben und in ihren Kleidern noch so bunt strahlen, irgendwie sind sich die, die den Bachelor ganz für sich haben wollen (darauf ein kreischendes „Oh Gott!!!“), schon sehr ähnlich. Dem Daniel geht es da wie uns. Der will mit einer Dame über ihre erste Begegnung sprechen und leider hat er es schon wieder falsch. Sie war nicht die erste, sondern die vierte die aus dem Auto, vulgo „Nerventaxi“ wie Daniel das nennt, gestiegen ist. Oben Blond, innen nervös, textil tief ausgeschnitten, gibt`s halt öfter. Peinlich, aber was soll`s.  Kann passieren, wird uns auch noch öfter so gehen in dieser Staffel. Die Linas, Janinas und Jessicas purzeln im Kopf durcheinander, am roten Teppich sagen sie dem Bachelor mal alle dasselbe: „Ich bin so nervös“.

    Das ist er auch, leider führt das bei ihm zu – nichts. „Schön, dass du kommen konntest.“ „Geh schon mal rein“.  So wird das nichts, Herr Bachelor! Was waren das noch für Zeiten, als Bachelor Jan „Filet Mignon“ für eine Chanson-Sängerin hielt…

    Müssen wir da echt unsere Hoffnungen auf eine Janina setzen, die  auf den „südländerischen Typ“ steht? Das reicht nicht, um uns zu beglücken und wir geben`s eh schon billig, wie die nächste, die freut sich, hier zu sein, „weil sie hier einen Mann mit dunklen Haaren und dunklen Augen kennenlernen kann“. Dunkelhaarige Deutsche gibt`s nämlich nicht, eh klar. Michelle, die redet ohne Punkt und Komma  und hat am Ende Angst, der Bachelor hält sie für eine „Hohlfritte“. Keine Angst, der hat längst nicht mehr zugehört. Kristina, „hat noch nie geliebt“ und würde Untreue auch mit „Umbringen“ bestrafen. Die Show liegt der Gogo-Tänzerin offensichtlich im Blut, doch dann krallt sie sich den Bachelor und  will heim, weil sie entdeckt hat, dass das alles eine Show ist!

    Gottseidank sagt der Bachelor, seine Gefühle sind echt und sie bleibt. Wir wollen sie doch lieben sehen oder zumindest tanzen.

    Die Oma unter den Kandidatinnen, weil schon 32, weiß, dass der Weg ins Dschungelcamp oder wie die Folgeaufträge nach dieser Bewährungsprobe auch lauten mögen, über die Menschen hinter der Kamera laufen. Sex vor der Kamera, schließt sie also nicht aus, weil eh so selten Sex oder so ähnlich. Das Produzenten-Herz hüpft bei solchen Sätzen, wir vermuten mal, dass es ihr nicht um die große Liebe geht. Ein Verdacht, der sich bei Damen, die schon vor der Karriere als Bachelor-Verschmähte als YouTuberin oder Instagrammerin ihr Geld verdienen, ebenfalls aufdrängt. Trotzdem, um es mit den Worten des Bachelors zu sagen: „Schön, dass ihr kommen konntet!“

    Julia Evers, 11.01.2018, 09:58 Uhr

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