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    Dämpfer für die SPÖ: Eine Chance für die Kleinen

    WIEN. Meinungsforscher sprechen vom Super-GAU für Rot.

    "Man beauftragt jemanden mit Hunderttausenden Euros und hat keine Ahnung, was der macht, oder aber man wusste es. Beides ist desaströs." Christian Kern hat am Sonntag Variante eins dieses vom Politologen Peter Filzmaier skizzierten Negativ-Szenarios in der Facebook-Affäre besetzt.

    Für die SPÖ seien die Auswirkungen im Wahlkampf schwerwiegend bis desaströs. Darin waren sich Filzmayer und Kollegen einig: Für OGM-Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer ist die ganze rote Pannenserie beispiellos, die Politologen Peter Hajek und Thomas Hofer sprachen vom "Super-GAU". Tatsächlich lag die Kanzlerpartei schon vor dem Skandal in Umfragen um sechs bis elf Prozentpunkte hinter der ÖVP von Sebastian Kurz. Den vor allem von TV-Duellen geprägten Endspurt in den letzten 14 Tagen hat die SP-Zentrale zur Aufholjagd ausgerufen. Mit den vielen offenen Fragen und der Imagedelle für Kanzler und Partei sollte Kern aber nur schwer aus der Defensive kommen.

    Kein Schaden ohne Nutznießer: Unter denen, die sich nun von der SPÖ abwenden, könne es durchaus einen "Saugeffekt" (Bachmayer) Richtung Grüne und Liste Peter Pilz, mit Einschränkungen auch für Neos geben.

    Parteiintern lässt der neuerliche Tiefschlag für das Lager um Kern nichts Gutes vermuten. Georg Niedermühlbichler, der schon vor der jüngsten Affäre als Fehlbesetzung in der Wahlkampfzentrale kritisiert wurde, ist dort im Vorjahr als Wiener SP-Landesgeschäftsführer auf Geheiß von Bürgermeister Michael Häupl gelandet.

    Ein Argument mehr für Häupls Gegenspieler um Stadtrat Michael Ludwig, die wiederum in der Forderung nach einem Kurswechsel der Partei (Stichwort Annäherung zur FPÖ) eine Allianz mit Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil und der burgenländischen SP bilden. Doskozil schwieg am Sonntag zur Affäre. Ob das eine Lauerposition ist oder nicht, wird sich nach dem 15. Oktober rasch weisen.

    02.10.2017, 00:04 Uhr

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