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    Nachfolge: Frauen in der Favoritenrolle

    Glawischnig-Nachfolge: Frauen in der Favoritenrolle

    WIEN. Grünen-Bundesvorstand tagt heute, ein Kandidat sagte ab, drei Frauen haben Chancen.

    Heute vor genau vier Wochen gab sich Eva Glawischnig im erweiterten Bundesvorstand der Grünen noch kämpferisch. "Wir treten gemeinsam an und nicht gegeneinander", rief sie nach dem parteiinternen Zwist mit der Jugendorganisation zu Geschlossenheit im Hinblick auf die nächsten Wahlen auf – damals noch nicht wissend, dass diese bereits heuer am 15. Oktober stattfinden.

    Die Entscheidung, dass sie nicht als Spitzenkandidatin in die Nationalratswahl zieht, dürfte da freilich schon zu reifen begonnen haben. Beim nächsten regulären Treffen des zweithöchsten Parteigremiums heute in Salzburg wollte sie dies auch verkünden. Ihre Pläne sickerten kurz vorher durch. Der Vorstand berät ab elf Uhr also, wer der nach Alexander Van der Bellen längstdienenden Grünen-Chefin nachfolgt – gewählt wird er oder sie bei einem Bundeskongress.

    Interimistisch sind nun ihre beiden Stellvertreter, die Tiroler Landeshauptmann-Stellvertreterin Ingrid Felipe und Abgeordneter Werner Kogler am Ruder. Im Parlamentsklub übernehmen Gabi Moser und Albert Steinhauser.

     

    Nachfolge: Frauen in der Favoritenrolle

     

    Gute Chance für Felipe

     

    Felipe hat gute Chancen, die Partei dauerhaft zu übernehmen. Die Tirolerin gilt als wahlkampferprobt und volksnah, auf Bundesebene hielt sie sich bisher im Hintergrund (siehe Porträt).

    Auch eine zweite Ländervertreterin wird als Kandidatin genannt: die Salzburger Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Rössler. Wie Felipe gehört sie zu den frischen Gesichtern der Grünen, die sich in den Ländern abseits der Bundespartei etabliert haben – was im Tauziehen um die Nachfolge aber auch ein Manko sein könnte.

    Als Routinier ins Rennen gehen könnte daher Ulrike Lunacek, Grünen-Delegationsleiterin im und Vizepräsidentin des EU-Parlaments. Es ehre sie, "dass ich in der Nachfolgefrage genannt werde", wollte Lunacek sich nicht aus dem Spiel nehmen, verwies aber auf "mehrere hervorragende Persönlichkeiten", die in Frage kämen. Fast gleichlautend äußerten sich Felipe und Rössler.

    Obwohl eine Nachfolgerin den Grünen ihr Alleinstellungsmerkmal einer Parteichefin sichern würde, gilt eine Frau selbst unter hohen Funktionärinnen nicht als ausgemacht. Es kämen "mindestens ebenso viele" männliche Kandidaten in in Frage, hieß es hinter vorgehaltener Hand.

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    Lothar Lockl will nicht

    Ein in den Nachfolgespekulationen häufig genannter Kandidat sagte gestern ab: Lothar Lockl, Ex-Generalsekretär und zuletzt Wahlkampfmanager von Bundespräsident Alexander Van der Bellen. "Ich stehe bis auf weiteres nicht zur Verfügung", sagte er. Lockl verwies auf sein Beratungsunternehmen, das er nicht aufgeben wolle, und "ich lasse meiner Frau den Vortritt". Lockl ist mit Claudia Reiterer verheiratet, die zuletzt die Leitung der ORF-Diskussionsrunde "Im Zentrum" übernommen hatte. Dass sie wegen möglicher Unvereinbarkeit ihren Job aufgeben müsste, "wäre für mich nicht akzeptabel", so Lockl.

    Video: Die Grünen nach Eva Glawischnig

    Nach neun Jahren an der Spitze der Grünen legt Eva Glawischnig ihre politischen Ämter zurück. So kurz vor der Wahl besteht die Gefahr, dass die Grünen neben dem Kampf um die Spitze zwischen SPÖ, ÖVP und FPÖ untergehen.

    Jasmin Bürger, 19.05.2017, 00:04 Uhr

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