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    Venezuela: Millionen stimmten gegen die Regierung

    CARACAS. Die Opposition wertet die Abstimmung als Erfolg. Eine Frau wurde vor dem Wahllokal getötet. 

    Knapp 7,2 Millionen Venezolaner haben nach Oppositionsangaben an der Volksabstimmung über die umstrittene Verfassungsreform von Präsident Nicolas Maduro teilgenommen. Das teilten die Organisatoren am Sonntag (Ortszeit) nach Auszählung von 95 Prozent der Stimmen mit. Die Opposition sprach von einer "klaren Botschaft" an Maduro. Die Abstimmung wurde von Gewalt überschattet, eine Frau wurde getötet.

    Es handle sich um "eine klare Botschaft an die Exekutive und an die Welt", sagte die Präsidentin der Zentraluniversität von Venezuela, Cecilia Garcia Arocha. Das Ergebnis werde noch am Montag (Ortszeit) bekanntgegeben.

    Abstimmung ist rechtlich nicht bindend

    Mehr als jeder Dritte der 19 Millionen Wahlberechtigten in Venezuela gab bei dem Referendum seine Stimme ab. Vor dem Wahlgang hatte es allerdings Erwartungen gegeben, dass etwa zehn Millionen Bürger an der Abstimmung teilnehmen könnten, die rechtlich nicht bindend ist.

    Bei einem bewaffneten Überfall auf Oppositionsanhänger wurden eine 61-jährige Frau getötet und drei weitere Menschen verletzt, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Unbekannte hätten von Motorrädern aus auf Bürger geschossen, die ihre Stimme abgeben wollten, hieß es. Die Opposition machte "paramilitärische Gruppen" aus dem Umkreis Maduros für den Angriff verantwortlich.

    In ihrem erbitterten Streit mit Maduro hatte die Opposition zu dem Urnengang am Sonntag aufgerufen. Das Regierungslager boykottierte die Abstimmung und bezeichnete sie als "illegal". Nach dem Ende des Urnengangs riefen Oppositionsanhänger in Caracas: "Diese Regierung stürzt", Autofahrer stimmten ein Hupkonzert an.

    Venezuela auf dem Weg in die Diktatur?

    Die von Maduro angestrebte Verfassungsreform scheint nur wenig Zustimmung zu finden. Das Umfrageinstitut Datanalisis teilte mit, dass voraussichtlich 70 Prozent der Wähler gegen die Pläne Maduros stimmen.

    Maduros sozialistische Regierung will die neue Verfassung von einer verfassunggebenden Versammlung verabschieden lassen, die am 30. Juli bestimmt werden soll. Die Opposition wirft Maduro vor, er wolle das Gremium nahezu ausschließlich mit seinen Anhängern besetzen, um sich dann mit der neuen Verfassung diktatorische Vollmachten zu sichern.

    Die Abstimmung vom Sonntag sollte Maduro und seine Anhänger in die Schranken weisen. Die Abstimmung sei ein Wendepunkt "in diesem Kampf zur Rückgewinnung der Demokratie in Venezuela", sagte Parlamentspräsident Julio Borges. Die Opposition hat im Parlament die Mehrheit.

    Auch Venezolaner im Ausland beteiligten sich an der Abstimmung. "Die ganze Welt soll sehen, dass es Millionen Venezolaner gibt, die nicht mit dem Maduro-Regime einverstanden sind, und dass wir in Demokratie und Frieden leben wollen", sagte Maria del Perez, die in Madrid ihre Stimme abgab.

    nachrichten.at/apa, 17.07.2017, 09:32 Uhr

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