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    Der VW-Patriarch tritt ab Von Ulrike Rubasch

    Ferdinand Piëch: Der VW-Patriarch tritt ab

    Eine Ära in der deutschen Autoindustrie geht zu Ende.

    Diese Woche verkündete Ferdinand Piëch (79) – nicht ganz freiwillig – seinen Rückzug aus seiner letzten verbliebenen Funktion, dem Aufsichtsrat der Porsche SE. Für mehr als eine Milliarde Euro verkaufte der langjährige Volkswagen- und frühere Audi-Chef sein 15-Prozent-Aktienpaket, das 52 Prozent der Stimmrechte an VW repräsentiert, an Verwandte.

    Jahrzehntelang spielte der Sohn des Wiener Anwalts Anton Piëch und dessen Frau Louise, Tochter von "Käfer"-Erfinder Ferdinand Porsche, die dominante Rolle im VW-Konzern. Ferdinand Piëch lernte früh, sich Strategien zurechtzulegen, um zu gewinnen, wie er selbst immer wieder erzählte, nach dem simplen Motto: "Er oder ich". Die Kindheit im österreichischen Gut in Zell am See mit den Porsche-Cousins, der frühe Tod des Vaters, die harte und vielbeschäftigte Mutter, später das strenge Internat im schweizerischen Engadin, in dem er von Mitschülern malträtiert wurde, beschreibt er als Schule fürs Leben.

    Auf dem Weg nach oben kickte er zahlreiche Manager aus ihren Positionen. Der autoritäre Führungsstil des Autonarren und genialen Ingenieurs war gefürchtet. "Mein Harmoniebedürfnis ist begrenzt", schrieb er in seiner Autobiografie von 2003. Viele Erfolge wie der permanente Allradantrieb beim Audi Quattro markierten seinen kompromisslosen Weg. Der Vater von zwölf Kindern (die nur teilweise seinen beiden Ehen entstammen und von denen keines im VW-Konzern arbeitet) drückte als VW-Vorstand bis 2002 mit harter Hand die Kosten, trimmte das Unternehmen auf Effizienz und Profit und machte VW zum heutigen Mehrmarken-Konzern. 2015 ließ "der Alte" seinen VW-"Ziehsohn" Martin Winterkorn fallen. Er verlor erstmals den internen Machtkampf bei VW und zog sich im Zorn aus allen Ämtern zurück. In der Öffentlichkeit trat er früher gerne in Begleitung seiner Frau Ursula "Uschi" (60) aus Braunau auf, in letzter Zeit lebt er zurückgezogen in Salzburg.

    Ulrike Rubasch, 05.04.2017, 00:04 Uhr

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