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    Wenn die komische Oper ohne Comedy auskommt

    Wenn die komische Oper ohne Comedy auskommt

    Linzer Musiktheater: Hervorragende letzte Premiere der aktuellen Opernstudio-Besetzung von Mozarts "Così fan tutte"

    Mozarts komische Oper Così fan tutte hat bisweilen das Problem, dass sie das Publikum als alles andere als komisch empfindet. Am Sonntag bei der letzten Premiere des Opernstudios mit der aktuellen Besetzung in der Black Box des Musiktheaters ist es Regisseur François de Carpentries gelungen, das "Dramma giocoso" zu entschlacken und mit einem spielfreudigen Ensemble die Komödie herauszustellen – ohne Banalisierung, ohne in die ungeeignete Trickkiste müder Comedy zu greifen.

    Auch wenn sich ständig etwas tut, es viel auf der schlichten, mit einfachen Versatzstücken gestalteten Bühne und mit den mit Überraschungseffekten spielenden Kostümen (Karine van Hercke) zu sehen gibt, so wirkt das Ganze nicht überinszeniert, sondern die Situationen ergeben sich ganz selbstverständlich. Slapstick darf auch nicht zu kurz kommen, aber in perfekt komischer Manier.

    Ideales Klangfundament

    Takeshi Moriuchi hat mit dem ebenso quirlig und trotz einer langen und anstrengenden Saison noch immer höchst aufmerksam und mitreißend musizierenden Bruckner Orchester, das in der quer bespielten Black Box seitlich positioniert war, einen feinen Mozart mit zügigen Tempi erarbeitet, was ebenfalls zum szenischen Drive beitrug und für die Sänger ein ideales Klangfundament bedeutete. Diese haben allesamt großartige Leistungen erbracht, und jedes Theater, die diese jungen Sängerinnen und Sänger bekommt, kann sich alle zehn Finger abschlecken.

    Denn man stellte nicht nur das sängerische Können aus, sondern auch ein intelligentes Interpretieren und wendiges Interagieren: Julia Grüter hat alle Facetten einer Fiordiligi zu bieten und versteht vor allem in den ruhigen Momenten ihr Können auszuspielen. Isabell Czarnecki war eine ebenso mustergültige Dorabella, die vor Spielfreude übersprudelt und gleichzeitig feine Kantilenen zeichnet. Das beherrscht auch Xiaoke Hu als Ferrando, dessen "Un’aura amorosa" einerseits den großen Bogen atmete und andererseits ein fast ätherisches Pianissimo bereitstellte.

    Ebenso brillant Rastislav Lalinsky, der dem Guglielmo feine Züge und lebendiges Phrasieren einhauchte. Ilia Staple ist als Despina so etwas wie die Spielmacherin und begeistert mit ihrem komödiantischen Können, gepaart mit einer perfekt geführten Stimme. Justus Seeger schlüpfte als Don Alfonso in die Rolle des Lorenzo da Ponte und durfte massenhaft – vielleicht so gar ein wenig zu viel – Text auswendig lernen, um damit das Publikum zwischen aktuellem "Me too" und Mozartscher Gender-Ideologie pendeln zu lassen. Auch er begeistert mit glühendem Spiel und gekonntem Stimmeinsatz. Eine selten derart vergnügliche und auch musikalisch runde Così, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Aufgrund der beschränkten Sitzplätze sollte man aber sehr schnell sein…

    "Così fan tutte" von Wolfgang Amadeus Mozart, Opernstudio von Landestheater/Bruckneruni, Black Box des Musiktheaters, Premiere: 10. Juni, Termine: 13., 15., 20., 23., 26., 28., 30. Juni; 3., 6. Juli. www.landestheater-linz.at

    OÖN Bewertung:

     

    Michael Wruss, 12.06.2018, 00:04 Uhr

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