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    Moby Dick taucht aus der Donau auf

    Moby Dick taucht aus der Donau auf

    Linzer Sparkasse-Klangwolke inszeniert am 9. September den Klassiker der Weltliteratur.

    Stellen Sie sich vor, ein riesiger weißer Pottwal hat sich über die vielen Flussverästelungen in die Donau verirrt. Er nähert sich langsam, zunächst sind nur seine Laute zu hören, doch stetig und unvermeidbar wachsen Kraft und Erhabenheit des Meeressäugers, der seine Jäger im finalen Lichtergewitter eines Feuerwerks tötet.

    So gut wie jeder kennt Herman Melvilles 1851 veröffentlichte Geschichte "Moby Dick", kaum jemand hat den 1000-Seiten-Schmöker um Kapitän Ahab auch gelesen. Am 9. September wird die pompöse Parabel des Walfangschiff-Kommandanten, der dieses exotische Tier blind vor Hass jagt, als visuelles und akustisches Spektakel in Form der Klangwolke in den Linzer Donaupark ziehen.

    Es ist die letzte von Brucknerhaus-Chef Hans-Joachim Frey angeleitete Klangwolke, der Deutsche wechselt mit Jahresende bekanntlich nach Sotschi (Rus). Nach der Absage des französischen Elektro-Komponisten Jean-Michel Jarre entschied sich Frey nun für die "Moby Dick"-Inszenierung der Linzer Künstlergruppe Helix, die sich zwei Jahre um die Ausrichtung der Klangwolke bemüht hat. Helix, das sind die ehemalige Turn-Landesmeisterin und heutige Tänzerin Christine Maria Krenn (Regie) und ihr Mann, der an der Linzer Bruckneruni ausgebildete Schauspieler und Eventmanager Roland Krenn. Zusammen mit Helmut Scheiber (Technische Leitung) werden sie die furiose Jagd zu Wasser und zu Land inszenieren.

    "Kapitän Ahab missbraucht seine Mannschaft zur Umsetzung seiner Ziele – dieses Thema ist auf der politischen Bühne allgegenwärtig. Und Moby Dick hat das Problem, dass er weiß ist. Er ist unbekannt, deshalb bekämpft man ihn", sagt Roland Krenn. Damit auch alle erwarteten 100.000 Besucher sämtliche elf Szenen im gesamten Donaupark verfolgen können, "gehen wir mit der Handlung in die Höhe. Was auf dem Wasser geschieht, ist an Land auf riesigen LED-Wänden zu sehen", sagt Christine Maria Krenn, die bereits die Klangwolke 2013 choreografiert hat. Obendrein wird der Erzähler wie Robert De Niro klingen – es ist Christian Brückner, der deutsche Synchronsprecher, der dem Hollywood-Star seit 1974 (Der Pate II) die Stimme leiht und das Linzer Publikum durch die Handlung geleitet.

    Budgetiert ist die Klangwolke mit knapp 600.000 Euro. Das musikalische Fundament der tänzerisch getragenen Umsetzung stammt von Stephen Melillos kraftvollem Orchesterwerk "Ahab!". An Land werden akrobatische Turnsportler die Handlung auch physisch zum Publikum tragen. Und über allen, wütend um sein Leben ringend: Moby Dick.

    Moby Dick taucht aus der Donau auf

    Das Produktionsteam der Linzer Sparkasse-OÖ-Klangwolke 2017: Roland Krenn, Christine Maria Krenn und Helmut Scheiber (v.l.)

    Peter Grubmüller, 20.04.2017, 00:04 Uhr

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