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    "Martin Gruber ist ein guter Kumpel, mit dem ich gern Zeit verbringe"

    "Martin Gruber ist ein guter Kumpel, mit dem ich gern Zeit verbringe"

    Schauspieler Hans Sigl über das Erfolgsgeheimnis der beliebten Serie "Der Bergdoktor".

    Da könnte einen direkt der Neid fressen bei dem, was der Bergdoktor Martin Gruber alles kann. Fesch ist er, als Arzt ein Wunderwuzzi und sattelfest vom Schnupfen bis zur Nierentransplantation. Und dann auch noch massiv Bemutterungsinstinkt auslösend – weil einfach tollpatschig in Liebesdingen. Am Mittwoch (20.15 Uhr, ORF 2, Titel "Abstoßungsreaktionen") endet die bereits zehnte Staffel der Bergdoktor-Serie mit dem beliebten österreichischen Hauptdarsteller Hans Sigl. Derzeit wird ein Winterspecial gedreht - ein Ende der Serie ist also noch lange nicht in Sicht.

     

    OÖNachrichten: Fesch, sympathisch, fachlich unglaublich kompetent und in Liebessachen ein wenig hilflos – das ist offenbar die ideale Mischung für einen Serienerfolg, die ganz auf Ihre Person bzw. auf Dr. Martin Gruber zugeschnitten ist?

    Hans Sigl: Es ist schmeichelhaft, wenn Sie den Erfolg allein auf die Figur Martin Gruber herunterbrechen, aber tatsächlich ist es ja anders. Die dramatischen und oft auch relevanten Themen, die in unseren medizinischen Fällen von hervorragenden Kollegen dargestellt werden, machen einen großen Teil des Erfolges aus. Ebenso die Inszenierung, die Drehbücher, die Kontinuität der Familie Gruber und sicher auch die grandiose Landschaft. Es sind viele Faktoren, die zusammengenommen offenbar bei einem breiten Publikum den richtigen Nerv treffen. Wenn ich mich mit Fans unterhalte, ist es tatsächlich in jedem Gespräch ein anderer Grund, der für den Einschaltimpuls verantwortlich ist.

    Wie viel Hans Sigl steckt in Doktor Martin Gruber?

    Das ist nicht eindeutig zu beantworten. Irgendwie sind es natürlich 100 Prozent, weil Hans Sigl den Martin Gruber spielt, andererseits ist es eine Rolle, der ich ein eigenes Leben einhauche. Für mich ist Martin Gruber ein guter Kumpel, mit dem ich gerne Zeit verbringe, aber nach Drehschluss geht jeder seiner Wege.

    Welche Parallelen gibt es zu Ihrem Privatleben?

    Martin Gruber ist ja ein Mann, der ehrlich und geradeheraus ist. Das sind Eigenschaften, die mir auch wichtig sind. Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit sind uns beiden ein Anliegen. Eine weitere Parallele ist das familiäre Harmoniebedürfnis, wobei es bei mir privat weit weniger turbulent zugeht.

    "Echte" Landärzte attestieren der Serie hohe Kompetenz bei medizinischen Fragen – und sie beneiden Dr. Gruber um die viele Zeit, die er für seine Patienten aufbringen kann.

    Auch ich bin ja hin und wieder bei Ärzten und muss da, wie jeder andere auch, erfahren, dass die zeitlichen Möglichkeiten in der Realität sehr begrenzt sind. Das ist für Ärzte und Patienten ein Dilemma und vermutlich ein Grund, warum "Der Bergdoktor" so beliebt ist. Die Menschen sehnen sich nach einem Arzt, der sich Zeit nehmen kann und dranbleibt, Untersuchungstermine schnell auf den Weg bringt und zügig zu einer Diagnose und damit zu einem Behandlungsansatz kommt.

    Leiden Sie als Schauspieler darunter, dass Sie von vielen zunächst einmal "nur" als Bergdoktor erkannt werden?

    Ganz klar: Nein! Warum sollte man darunter leiden, wenn man über einen so langen Zeitraum eine Serie spielen darf, die einem selbst viel Spaß macht und die von Jahr zu Jahr mehr Zuschauer begeistert? Ich empfinde es als Geschenk, und es ist auch nicht so, dass ich nur als "der Bergdoktor" angesprochen werde.

    Ist Ihr Bergdoktor-Image ein Hindernis, andere Rollen angeboten zu bekommen?

    Das ist kein Problem des Images, sondern vielmehr ein zeitliches. Wir drehen pro Jahr acht Filme à 90 Minuten. Das Zeitfenster, in dem ich noch die Möglichkeit habe, für andere Produktionen vor der Kamera zu stehen, ist da recht klein.

    Was würden Sie gerne spielen?

    Das kann man so pauschal gar nicht sagen. Es ist ja nicht nur die Frage, was für einen Beruf oder welche besondere Charaktereigenschaft eine in sich Figur birgt. Es kommt vor allem auf das Drumherum an. Ein gutes Drehbuch, eine interessante Geschichte, eine gute Konstellation aller Beteiligten.

    Wie lange wollen Sie unter dem Wilden Kaiser noch ordinieren?

    Das werde ich ungefähr seit zehn Jahren gefragt. Ich fühle mich mit der Rolle und der Produktion sehr wohl, und solange es so viel Spaß macht, sehe ich keinen Grund, aufzuhören. Aber ich bin mir sicher, dass Martin Gruber nicht aus Altersgründen seine Praxis schließt.

    Welcher Abschied wäre für Dr. Gruber aus Ihrer Sicht "ideal"?

    Vielleicht wäre es eine runde Sache, wenn er am Ende in Kufstein in den Zug steigt und Richtung New York abreist – so, wie er vor vielen Jahren ankam.

     

    Was wirkliche Landärzte zum Bergdoktor sagen

    Ein dauerhaft schlecht besuchtes Wartezimmer, dafür Rundumservice und ausgedehnt Zeit für die Patienten. So lieben es die Zuschauer bei Doktor Martin Gruber in der Serie „Der Bergdoktor“ – im Wissen, dass es im richtigen Leben in den Wartezimmern anders aussieht.

    Auch die „echte Kollegenschaft“ des Bergdoktors kann von derartigen Arbeitsbedingungen nur träumen: „In seiner Ordination sind ein, zwei Leute drinnen, bei mir ist voller Warteraum normal“, sagt Leopold Straßmayr, Gemeindearzt in St. Florian. Inhaltlich findet er die Serienbeiträge „übertrieben, wenn der Arzt gleich mit ins Spital fährt und Entscheidungen trifft über eine Lebertransplantation. Und der Wunderdoktor transplantiert dann halt auch gleich selber. So etwas würde ich mir nie zutrauen.“

    Wolfgang Ziegler, Kurienobmann niedergelassener Landärzte aus Kremsmünster, findet die Fälle „sehr theatralisch, aber nicht wirklichkeitsfremd. Das Übertriebene ist, dass diesem Bergdoktor wöchentlich etwas Furchtbares widerfährt, das spielt es im normalen Leben glücklicherweise nicht.“ Allerdings sei man auch im richtigen Leben immer wieder mit berührenden, schlimmen und sehr glücklichen Situationen konfrontiert. Beide Ärzte attestieren der Serie medizinische Kompetenz.

    Medizinische Fachfragen?

    „Wir haben eine medizinische Fachberatung während der Drehbuchentwicklung, und diese Unterstützung erfahren wir auch in der Konstruktion der Episodengeschichten und der Umsetzung am Set. Wir werden von Experten gebrieft, wie die Fachbegriffe ausgesprochen werden und welche Handgriffe bei der Behandlung der Patienten erforderlich sind“, sagt Hans Sigl.

     

    Phänomen Bergdoktor

    Der Bergdoktor ist eine Arztserie, die als Co-Produktion von ORF und ZDF seit dem 6. Februar 2008 gesendet wird. Dauer anfangs 45, jetzt 90 Minuten. Insgesamt wurden bereits 95 Folgen gezeigt. Sie gehört zu den erfolgreichsten Serienproduktionen des ORF.

    Inhalt: Es geht um das Leben und Wirken von Bergdoktor Martin Gruber (Hans Sigl) im Tiroler Ellmau unter dem Massiv des Wilden Kaisers.

    Die Einschaltziffern sind ungebrochen hoch und lagen zwischen 615.000 und 751.000 im Schnitt. Marktanteil: 22 bis 27 Prozent. Die vorletzte Folge am 8. Februar sahen 730.000 Menschen (26 Prozent) – 11.000 mehr als den WM-Super-G. Zum Vergleich: Das 90-Minuten-Special von SOKO Donau sahen 695.000 Zuseher.

    Helmut Atteneder, 14.02.2017, 00:04 Uhr

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