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    István Szabó wird 80: große Filmkunst, menschliche Schwäche

    István Szabó wird 80: große Filmkunst, menschliche Schwäche

    Für "Mephisto" erhielt der Regisseur 1981 den Oscar, im kommunistischen Ungarn verfing er sich in politischen Fallstricken

    Der Schluss des Films "Mephisto" von István Szabó gehört zu den einprägsamsten Szenen der Filmgeschichte. Der Hauptheld, der gefeierte Schauspieler und von den Nazis zum Staatstheater-Intendanten ernannte Hendrik Höfgen (Klaus Maria Brandauer), wird von seinem Gönner, einem hohen Nazi-Funktionär, in die Mitte des Berliner Olympiastadions geschickt. Scheinwerferlichter verfolgen ihn auf groteske Weise. Der Kollaborateur, dem zu spät Zweifel über die Natur des Regimes gekommen sind, dem er dient, wird zum Gejagten. "Was wollen die von mir? Ich bin doch nur Schauspieler", sind seine letzten Worte. Für "Mephisto" (1981) erhielt Szabó, der am Sonntag seinen 80. Geburtstag feiert, den Oscar in der Kategorie "bester fremdsprachiger Film".

    Informant für den Geheimdienst

    Was erst viele Jahre nach dem Ende des Kommunismus im Osten Europas klar wurde: Das Drama des Hendrik Höfgen war auch das sehr persönliche Drama des Filmregisseurs István Szabó. 2006 fand der Filmwissenschaftler András Gervai heraus, dass Szabó von 1957 bis 1961 als Informant für den kommunistischen Geheimdienst tätig war und Kollegen verraten hatte.

    Der in Budapest geborene Szabó erhielt bereits als 26-Jähriger die Möglichkeit, seinen ersten großen Spielfilm zu drehen. Die Kritik feierte "Die Zeit der Träumereien" (1964), eine Auseinandersetzung mit den Illusionen seiner Generation, als ersten originär ungarischen Beitrag zum Autorenfilm. Den Ankerpunkt in Szabós Schaffen bildet jedoch die im Kommunismus entstandene Trilogie, die neben "Mephisto" auch "Oberst Redl" (1985) und "Hanussen" (1987) umfasst. Die von Klaus Maria Brandauer intensiv verkörperten Titelhelden sind Emporkömmlinge, die sich in den Fallstricken der Macht, der sie so bereitwillig dienen, verfangen. Die fein gewobene Darstellung von Unterdrückung, Verrat und Einknicken vor der diktatorischen Macht wurde vom Publikum im kommunistischen Ungarn im Lichte der damals herrschenden Verhältnisse aufgenommen. Angesichts seiner Beschäftigung mit Macht und Verrat verliehen die Enthüllungen der Biografie Szabós eine prekäre Dimension. Aus menschlicher Schwäche ließ sich Szabó als Student vom kommunistischen Geheimdienst als Spitzel anwerben. Er schrieb Berichte über Mitstudenten und Lehrer. Insgesamt weist jedoch Szabós künstlerisches Schaffen weit über die beschädigte Biografie hinaus. Der Ungar wird als großer Film-Erzähler in die Annalen eingehen.

    OÖN, 15.02.2018, 00:04 Uhr

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