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    Hörsturz: Wenn man die Welt plötzlich wie durch Watte wahrnimmt

    Hörsturz: Wenn man die Welt plötzlich wie durch Watte wahrnimmt

    "Toten Hosen"-Sänger Campino erlitt einen Hörsturz. HNO-Experte Wolfgang Schneider erklärt Ursachen, Symptome und Therapie.

    Nach dem Hörsturz von Sänger Campino (55) mussten "Die Toten Hosen" ihr Konzert beim Münchner Festival "Rockavaria" am Wochenende absagen – ob die Band am Donnerstag beim Nova Rock in Nickelsdorf im Burgenland auftreten wird, ist noch unklar. "Natürlich gehört so etwas für einen Musiker praktisch zum Berufsrisiko – ich würde Campino aber raten, sich eher zu schonen", sagt Oberarzt Wolfgang Schneidinger, HNO-Spezialist vom Ordensklinikum Barmherzige Schwestern in Linz.

    Diagnose Hörsturz – davon spricht man bei einer plötzlichen Hörminderung, die fast immer einseitig auftritt. "Geräusche werden dann oft nur noch dumpf wahrgenommen. Es fühlt sich ungefähr so an, als hätte man Watte im Ohr", sagt Schneidinger. Grund, in Panik zu geraten, gäbe es aber keinen. In 80 Prozent der Fälle verschwinden die Beschwerden nach drei vier Tagen wieder. "Ein Notfall ist es also keiner, dennoch darf man die Abklärung nicht auf die lange Bank schieben", sagt der Experte.

    Vor allem, weil es mehrere Möglichkeiten gibt, die so eine plötzliche Hörschwäche auslösen können. "Und die müssen natürlich abgeklärt werden", sagt der Facharzt. So könnte es sich etwa um eine Verstopfung handeln, denn die komme jetzt in der Badesaison häufiger vor, weil Ohrenschmalz in Verbindung mit Wasser aufquillt.

    Es könne aber auch ein Lärmtrauma dahinterstecken – hervorgerufen durch einen lauten Knall zum Beispiel. "Oder es ist eine Entzündung. Die würde sich aber durch Schmerzen bemerkbar machen", sagt Schneidinger. Von einem Hörsturz spricht man erst dann, wenn es keinen wirklich erkennbaren Grund für die Hörminderung gibt.

    Hörsturz "aus dem Nichts"

    "Da kann man dann von einer Durchblutungsstörung ausgehen – oder aber von einer Virusinfektion." Auch die Kombination von Stress, Rauchen und Lärm schädigt auf Dauer die Regenerationsfähigkeit des Ohres und macht das komplexe Hörsystem anfälliger, so Schneidinger.

    Bei der Behandlung habe sich Kortison bewährt. "Es ist das Mittel der Wahl und bringt gute Erfolge." Und wie könne man vorbeugen? "Nicht rauchen und Dauerstress und permanente Lärmbelästigung so gut wie möglich vermeiden."

    Valerie Hader, 12.06.2018, 00:04 Uhr

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