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    Ein erdrosselter Bratschist, gefälschte Banknoten und eine entführte Joggerin

    Thomas Baums zweiter Linz-Krimi bietet spannende Unterhaltung vom Feinsten.

    In einem Linzer Konzerthaus, das Einheimische unschwer als Brucknerhaus erkennen, wird ein Bratschist mit einer Bratschensaite erdrosselt. – Nein, das ist nicht der Beginn eines neuen Bratschistenwitzes, sondern ein grausames Verbrechen. Etwa zur selben Zeit wird in der Toskana die blinde Joggerin Nina Opfer einer Entführung, ihr Großvater Objekt einer Erpressung. Beide Fälle haben offensichtlich etwas mit gefälschten Euro-Noten zu tun.

    Wie sie zusammenhängen könnten, mit dieser Frage beschäftigt sich der Linzer Polizeiinspektor Robert Worschädl, der uns schon aus Thomas Baums Krimi "Donau so rot" in bester Erinnerung ist. Der erste Worschädl-Krimi erschien noch im Resistenz-Verlag des 2016 verstorbenen Verlegers Dietmar Ehrenreich. Nach dem Ende von "Resistenz" haben Worschädl & Baum beim Innsbrucker Haymon Verlag eine neue Heimstätte gefunden.

    Glücklicherweise, denn Worschädl ist eine Ermittlerfigur, die einem schnell ans Herz wächst. Thomas Baum vermeidet gängige Klischees. Sein Ermittler ist weder gottähnliches Superhirn noch sperriger Einzelgänger, weder Witzfigur noch politisch korrekter Sozialethiker. Er ermittelt mit Köpfchen, lässt aber auch Bauchgefühle zu. Beides kann helfen, aber auch in die Irre führen, denn irren ist menschlich. Dienstvorschriften lehnt Worschädl nicht grundsätzlich ab, nur sind sie halt für die Praxis manchmal zu umständlich. Daher steht er bisweilen gewaltig auf Kriegsfuß mit seinem Chef.

    Figuren sorgfältig gestaltet

    An Worschädls Ausstrahlung ist auch seine sympathische Ehefrau beteiligt, eine Psychotherapeutin, die nicht nur als einfühlsame Partnerin in dummen Lebenslagen, sondern auch in Sachen Menschenkenntnis kriminalistisch hilfreich ist. Thomas Baum gestaltet seine Figuren sorgfältig: zum Beispiel die Inspektorin Sabine Schinagl, die nicht nur mit dem Verbrechen kämpft, sondern auch mit einer pubertierenden Tochter, oder Verena Holl, erfolgreiche Segelfliegerin und mehr oder weniger trauernde Witwe des Mordopfers, den gekränkten, alkoholanfälligen Bratschisten Braunschweiger und viele andere mehr.

    Thomas Baum, dessen zweite berufliche Schiene die Supervision ist, bewegt sich bewundernswert sicher durch alle sozialen Milieus, und er ist (fast!) ein Perfektionist der sachlichen Recherche. Ob es nun um den Pflichtabstand eines Krans zu einem Wohnhaus geht oder um die Belastbarkeit einer Bratschensaite, das alles ist nachprüfbar. Falsch ist allerdings, wie meine Recherche bei der Linzer Polizeidirektion ergeben hat, dass Worschädl im Dienstgrad eines "Kriminalhauptkommissars" rangiert. So einen gibt es nämlich nur in Deutschland. Thomas Baums Erzählsprache ist flott und ironisch, gerne kokettiert er mit umgangssprachlichen Nuancen.

    Vor allem aber bedient uns der routinierte Drehbuch-Autor auch im literarischen Genre mit den drei Hauptmerkmalen des gelungenen Krimis: Spannung, Spannung, Spannung.

    Ein erdrosselter Bratschist, gefälschte Banknoten und eine entführte Joggerin

     

    Buch: Thomas Baum, "Tödliche Fälschung", Kriminalroman, Verlag Haymon Paperback, 12,95 Euro

    OÖN Bewertung:

     

    Lese-Termine in OÖ

    Thomas Baum liest an mehreren Oberösterreich-Terminen aus „Tödliche Fälschung“:

    22.3. Linz, Stifterhaus, 20 Uhr

    12.4. Puchberg bei Wels, Bildungshaus, 19 Uhr

    19.4. Freistadt, Local-Bühne, 20 Uhr

    20.4. St. Marien, öffentliche Bibliothek, 20 Uhr

    25.4. Ansfelden, Stadtbibliothek, 19 Uhr

    28.5. Linz, Bildungshaus St. Magdalena, 19 Uhr

    Christian Schacherreiter, 12.02.2018, 00:04 Uhr

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