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    Ein Striptease für ein Gilet

    Ein Striptease für ein Gilet

    Die Blasmusikkapellen des Bezirks präsentierten sich gestern in Eferding. Beim Musikfest ging es musikalisch hochwertig zu und einmal auch freizügig.

    "You can leave your hat on".

    Ihren Hut hat Lisa Kaisermayr trotzdem längst abgelegt, und ihr schwarzer Rock ist hochgerutscht. Da taucht sie aus der Mitte ihrer schwarz uniformierten Kollegen der Blasmusikkapelle Eferding auf. Auf den Schultern eines Musikerkollegen sitzend beginnt sie sich auszuziehen. Die Musiker verlassen die Formation, ihre Version des Joe-Cocker-Ohrwurms begleiten sie frei tanzend. Die blonde Musikerin hat ihr Sakko lasziv schwenkend abgeworfen und preist jetzt ein leuchtend rotes Gilet an.

    Hier endet der Striptease. Die Leute klatschen trotzdem motiviert. Sicher, man kann einen neuen Uniformteil auch anders präsentieren, aber auf diese Weise ist der Wiedererkennungsfaktor wohl am höchsten.

    Es ist Sonntagvormittag und die Sonne hat schon viel Kraft, als sich sechs Kapellen des Bezirkes Eferding auf dem Gelände des Lilo-Bahnhofes mit ihren einstudierten Märschen der Jury stellen.

    "Rrrreeechts rrrricht euch!"

    Es geht militärisch zu. "Musik, Zug!", heißt es da und "Rrreeechts rrricht euch!" und "Haaabt Acht!". Es sind wichtige Anweisungen, die die Stabsführer da von sich geben, frei jeder martialischen Absicht. Wichtig? Ja, wichtig, weil sich am Wertungsgelände auch Leute wie Markus Ensmann tummeln. Der Stabführer-Stellvertreter des Bezirks Linz-Land ist einer von zehn Bewertern. Alles schaut er sich genau an. Die Ausrichtung, bevor die Kapellen losmarschieren. Und ja bitte schön fein in Reih und Glied! Auch ein offener Hemdkragen fällt ihm auf oder ein schlampiger Abmarsch.

    Jetzt ist die Musikkapelle Hartkirchen unter den zackigen Bewegungen ihres Stabführers Gernot Augdoppler und einem Trommelwirbel losmarschiert. Neben ihm zwei Marketenderinnen – ohne diesen hübschen, aber immer auch im Schritt marschierenden Aufputz geht hier nichts.

    Ensmann inspiziert gebückt jede Bewegung der Marschformation. Zehn Punkte hat er zu vergeben, jene Kapelle, die es unterm Strich auf mehr als 90 Punkte bringt, bekommt eine Auszeichnung.

    Jetzt spielen sich die Hartkirchner an der prall gefüllten Ehrentribüne vorbei, Kapellmeister und Marketenderinnen wenden ihnen zum Gruß das Gesicht zu, während die Musiker von Fünfer- auf Dreierreihe mutieren und wieder zurück. Dann die spektakuläre "Große Wende" und noch einmal zurück. Alles muss zackig sein, jede Bewegung, jede Figur sitzen und jeder "Gickser" beim Spiel des "Bruckerlager"-Marsches ist tabu. Die Musikkapelle hält an und Gernot Augdoppler befiehlt ein "Auf der Stelle: Abtreten!". Applaus brandet auf. Alles ist gut gegangen. Das sieht auch die Jury so, die der Kapelle für die Showeinlage mit 93 Punkten die beste Bewertung des Tages in der höchsten Leistungsstufe E gibt.

    Premiere für Stabführerinnen

    Auszeichnungen gab es für zwei Kapellen, die erstmals von Damen per Stab geführt worden sind: Patricia Reiter (St. Thomas bei Waizenkirchen) und Lisa Kaltenböck (St. Marienkirchen/P.).

    Monatelang hat sich die Musikkapelle Eferding auf dieses Fest vorbereitet, und zum Schluss sieht man dem jungen Obmann Rainer Meindlhumer – er ist 27 Jahre alt – Erleichterung und Freude an. In mehrerlei Hinsicht: Die Eferdinger haben mit 91,40 Punkten eine Auszeichnung vom Blasmusikverband für ihre Darbietung bekommen – und viel Applaus von allen für dieses gelungene Fest. Ja, und natürlich auch, weil das neue Gilet so gut angekommen ist.

     

    Best of Blasmusik

    Auch die Blasmusikkapelle aus Eferding stellt sich der Wahl „Best of Blasmusik“. Die OÖN suchen die besten und beliebtesten Blasmusikkapellen Oberösterreichs – im Bereich Polka, Walzer und Marsch. Bewerbungen ab sofort in Wort sowie mit Ton- oder Videobeispielen auf nachrichten.at/blasmusikwahl.

    Alle Teilnehmer werden in den OÖNachrichten vorgestellt, die sechs besten und beliebtesten kommen ins Finale am 19. November im Linzer Brucknerhaus.

    Helmut Atteneder, 19.06.2017, 00:04 Uhr

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