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    Ein Herzenswunsch ging für die Seer in Erfüllung: "Dahoam auf da Burg Clam"

    Ein Herzenswunsch ging für die Seer in Erfüllung

    6800 Fans feierten, tanzten, sangen und trotzten mit Fred Jaklitschs Band dem Regen.

    Die Musik der Seer zaubert alles Sonnige ins Leben, ihre Texte sind Herzwärmer, die unpolitisch die schönen Seiten von "Hoamat" und "Zusammensein" buchstabieren. Also wogten vom ersten Takt der Startnummer "Übern See" 6800 Fans im Rhythmus dieser Ballade, die langsam ins Rollen brachte, wozu sich der Samstagabend auf der Burg Clam auswachsen sollte: zu einer sympathischen Party, die sich weder von hartnäckigen Regenschauern noch von frischen zwölf Grad abkühlen ließ.

    "Dahoam is duat, wo ma den Bauch net eiziang muaß", sagte Fred Jaklitsch. Der fitte Komponist und Texter war es, der dieses volkstümliche Schlagerprojekt vor 21 Jahren ins Leben gerufen hatte. Heute hängen 15 Platin-Auszeichnungen bei ihm daheim. Und obwohl die Seer längst ein Millionenpublikum zum Schunkeln bringen, wiederholt Jaklitsch immer wieder, welcher Herzenswunsch ihm da mit diesem Konzert auf der Burg Clam erfüllt worden sei.

    Zwei großartige Stimmen

    Es sind die Stimmen von Sabine "Sassy" Holzinger und Astrid Wirtenberger, die Jaklitschs Hymnen so sicher balancieren, einmal in anrührender Zweistimmigkeit, dann wie aus einer Kehle. Bei "Die erste Sun" dirigiert Jaklitsch die Hände des Publikums in die Höhe, und jeder folgt ihm. Bei "Wia Feuer und Wassa" sind die Fans auch ohne Aufforderung dabei, aber ganz ohne Botschaft will die achtköpfige Band den Abend nicht über die Rampe plätschern lassen. Etwa zu widerlichen Facebook-Postings: "Unqualifizierter Scheiß ist noch lange keine Meinung", sagt Jaklitsch, der sich auch noch an Zeiten erinnert, in denen sich die NSA noch nicht als US-Geheimdienst herumgesprochen hatte, sondern "Nachbarin sieht alles" bedeutete.

    Zu "Auszeit" soll sich jeder beim Nachbarn einhängen, ob man den nun kennt oder nicht – und zum rührenden "Leb dei Leb’n" winken die Seer Kinder aus dem Publikum auf die Bühne. Weil die Wege auf dem Clam-Gelände weit sind und die letzten Jungfans erst mit den Schlussakkorden daherlaufen, wird der Refrain wiederholt. Womit die Band nicht gerechnet hat: Die Kinder wollen nicht mehr gehen, bis Jaklitsch einen Gänsemarsch einklatscht.

    Mit "Kiritåg" sprudelt unbedenkliche Ausseer Lebensfreude über die längst gatschige Meierhofwiese, bei "Es braucht zwa" neigen sich Köpfe zum Schmusen einander zu, und "Junischnee" schwillt zum Chor von Tausenden an. So ist das eben, "D’Seer san då" – und Sassy Holzinger, die große Blues-Röhre, bedauert noch einmal, was sich das Publikum bei diesem Sauwetter alles mitmacht. Daran hat schon keiner mehr gedacht, weil alle auf "Hoamatgfühl" und am Ende der drei Zugaben auf "Wüds Wåssa" gewartet haben. Wem die zweieinhalb Stunden "Glück" nicht genug waren, der kann sich am 27./28. Juli 2018 beim alle zwei Jahre stattfindenden Riesen-Open-Air der Gruppe in Grundlsee die wuchtigere Impfung gegen den Alltag holen.

    Konzert: "Die Seer", Burg Clam, 15. Juli

    OÖN Bewertung:

     

    Weitere Burg-Clam-Termine: 20. Juli: Sportfreunde Stiller 28. Juli: Seiler & Speer 29. Juli: Parov Stelar 4. August: Sarah Connor 5. August: Kurt Ostbahn Karten unter der OÖN-Tickethotline 0732 / 7805-805 sowie in den OÖN-Vorverkaufsstellen in Linz, Wels und Ried/I.

    Peter Grubmüller, 17.07.2017, 00:04 Uhr

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