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    "Das normale Fernsehen ist ein Niedergang"

    "Das normale Fernsehen ist ein Niedergang"

    Der Sport-Streaming-Dienst "DAZN" ist der neue, sehr, sehr reiche Piranha im Haifischbecken des Rechtehandels.

    Kay Dammholz kennt sich im weltweiten Sportrechte-Handel aus wie kaum ein anderer. Als Verantwortlicher für die Auslandsvermarktung steigerte der 48-jährige Deutsche den Marktwert der deutschen Fußball-Bundesliga von 20 auf 300 Millionen Euro. Seit April 2016 ist Dammholz für den Rechteein- und -verkauf beim Sport-Streamingdienst DAZN zuständig. Sein jüngster Deal: die Übertragungsrechte für die Fußball-ChampionsLeague von 2018 bis 2021.

     

    OÖNachrichten: Herr Dammholz, was macht ein einfaches Spiel, bei dem das Runde ins Eckige muss, zum goldenen Kalb, bei dem Geld offenbar keine Rolle spielt?

    Dammholz: Das ist wie beim Immobilienmarkt in London. Da glaubt man auch, es kann einfach nicht mehr weiter wachsen. Und doch wächst er weiter. Fußball ist einfach ein Teil des Lebens, viele wurden damit sozialisiert. Fußball ist in vielen Ländern die Sportart Nummer eins. Fußball ist der Entscheidungsfaktor, ob ein Pay-TV-Sender erfolgreich ist oder nicht. Das ist bei Markteintritten immer das Streitobjekt. Da wird hoch gepokert.

    DAZN hat gemeinsam mit Sky den Zuschlag für die Champions League ab 2018 bekommen. Wie holt man sich die Champions League, abgesehen von viel Geld?

    Geld ist da wahnsinnig wichtig, aber auch eine gewisse Glaubwürdigkeit und ein gewisser Stallgeruch, den wir uns sehr schnell aufbauen konnten. Die Perform-Group macht seit zwölf Jahren mit Fußball seriöse Geschäfte. Die Inhaber von Toprechten schauen natürlich ganz genau darauf, wem sie ihre Tochter geben. Was ist das für einer? Geld hilft, aber man will auch die Tochter ein paar Jahre lang in guten Händen sehen. Zusammen mit einer guten Investition ist es gelungen, die UEFA davon zu überzeugen.

    "Das normale Fernsehen ist ein Niedergang"

    Die Champions League war viele Jahre bei den öffentlich-rechtlichen Sendern geparkt, war quasi öffentliches Gut. Da durfte jeder reinschauen, ohne zu zahlen. Dieses Modell ist tot, oder?

    Das würde ich ähnlich sehen, wobei ich schon sagen muss, dass wir nicht das Free-TV abschaffen wollen. Die Champions League hat eine so bedeutende Stellung eingenommen, dass sie für Pay-Anbieter als Abotreiber funktioniert. Das geht aber nur mit den beiden einzigen Must-Have-Rechten, also mit der Champions League und der deutschen Bundesliga. Wir glauben aber auch an das Teilen von erworbenen Rechten mit dem Free-TV. Durch das exklusive Verstecken hinter der Paywall macht man eine Sportart nicht groß, sondern man muss den Leuten genug davon zeigen, muss Appetizer setzen, um die Marke zu maximieren und den Lizenzgeber zufriedenzustellen.

    Ist das normale Fernsehen durch Streaming-Dienste vom Aussterben bedroht?

    Aussterben ist ein bisschen hart, das normale Fernsehen wird aber stark abnehmen. Das ist ein Niedergang. Das Userverhalten ändert sich, der User will genau das konsumieren, was ihn gerade jetzt und wo auch immer interessiert. Wir sind überzeugt davon, dass on demand die Zukunft ist, und es wird mit der Breitband-Erschließung immer stärker kommen.

    Wie lief der Champions-League-Deal?

    Zuerst gab es Orientierungsgespräche zwischen jedem Interessenten und der UEFA. Als sich die Abgabefrist näherte, hat man genau gerechnet und durchgespielt. Geht man völlig alleine drauf, oder gemeinsam mit einem Free-TV-Partner, oder vielleicht mit einem Pay-Partner? Letztlich bekamen Sky und DAZN den Zuschlag, wobei Sky der Hauptlizenznehmer ist.

    Es wird kolportiert, dass Sky 600 Millionen Euro für die Champions-League-Rechte von 2018 bis 2021 zahlt. Wie viel Geld hat DAZN für sein 104-Spiele-Paket pro Saison investiert?

    Einen signifikanten Teil davon. Wir sind hier sehr zurückhaltend. Wir können weder die 600 Millionen noch die 104 Spiele bestätigen.

    Ist DAZN im Haifischbecken der Sportrechte-Dealer eine Art Piranha, vor dem sich alle fürchten?

    Spätestens mit dem Champions-League-Coup sind wir auf jedermanns Radar. Wir werden sehr ernst genommen, nicht nur durch das Setup durch den Investor. Die Leute wissen, dass wir keine Luftnummer sind. Es gibt keinen Rechte-Inhaber, der nicht vor unserer Tür steht und sagt: Macht doch mal… Eine spannende Position.

    Hat sich die österreichische Bundesliga bei DAZN gemeldet?

    Zwischen der Bundesliga und DAZN gibt es eine gute Gesprächsbasis. Wenn Ihre Frage auf die aktuelle Ausschreibung abzielt: Es ist üblich, dass Rechtehalter vor einer Ausschreibung potentielle Interessenten einladen, sich an dieser zu beteiligen. Es ist ein laufendes Verfahren.

    DAZN-Chef James Rushton sagt Sky den Kampf an. Fünf Millionen Kunden sind das Ziel, wie viel fehlt noch bis dahin?

    Ich bitte um Verständnis, dass wir hier auch nicht über Zahlen reden wollen. DAZN ist ein globales Projekt, das derzeit in zwei Märkten operiert. Jedes Jahr soll es mindestens zwei bis drei neue Märkte geben. Idealerweise wird das ein Perpetuum mobile mit Gewinnerzielungsabsicht.

     

    DAZN

    Die Londoner Perform Group ist eine führende Mediengruppe bei digitalen Sportinhalten. Geldgeber ist Leon Blavatnik, mit einem Privatvermögen von 15,3 Milliarden Dollar und laut Forbes-Liste auf Platz 53 der reichsten Menschen der Welt.

    Dazu gehört der im August 2016 gelaunchte Sportstreaming-Dienst DAZN, der im deutschsprachigen Raum („DACH“, Zentrale ist in München) aktiv ist. DAZN (sprich „Deson“) bedeutet „in the Zone“ (im Tunnel). Begonnen wurden die Aktivitäten in Japan, demnächst folgt Kanada. 520 Mitarbeiter.

    DAZN hat unter anderem die Rechte an der Premier League, La Liga, NBA, NFL, NHL und MLB, Tennis WTA, Rugby, J-League sowie Teile an der deutschen Bundesliga und jetzt auch an der Fußball-Champions-League.

    Ein DAZN-Abo kostet 9,99 Euro pro Monat. Kann über Smart TV, Playstation und mit HDMI-Kabel auch auf TV-Geräten gesehen werden.
     

    www.dazn.com

     

    Helmut Atteneder, 15.07.2017, 00:05 Uhr

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