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    Causa Abwerzger: ORF entschuldigt sich und plant Leitlinien für Fehlerkultur

    Causa Abwerzger: ORF entschuldigt sich und plant Leitlinien für Fehlerkultur

    Dieter Bornemann, Vorsitzender des Redakteursrates, nach Fehlerserie: "Das Publikum muss sich auf ORF verlassen können"

    Die ORF-Informationssendungen haben im Moment so etwas wie einen Negativ-Lauf. "Leidtragende" dieser Anhäufung von Recherchefehlern war jeweils die FPÖ. Wie berichtet, hatte die Sendung "Tirol heute" einen Wahlkampfbeitrag der FPÖ in Innsbruck gezeigt. Dabei hatte ein 86-jähriger Passant mit massiven antisemitischen Aussagen aufgewartet und unter anderem von "stinkerten Juden" gesprochen.

    Die zuständige Redakteurin hatte die Reaktion des FPÖ-Spitzenkandidaten Markus Abwerzger – "Das soll man nicht sagen" – nicht gesendet. Erst am Samstag wurde seine Stellungnahme in der Zeit im Bild um 13 Uhr "nachgeliefert". Die Tiroler Freiheitlichen legten dennoch eine Beschwerde bei der KommAustria ein und forderten eine Entschuldigung.

    "Zeit- und Technikproblem"

    Diese folgte dann gestern. Der Tiroler ORF-Landesdirektor Helmut Krieghofer bedauerte in einem persönlichen Gespräch mit Markus Abwerzger und Klubobmann Rudi Federspiel den Fehler. Die verantwortliche Redakteurin habe ihm versichert, "nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt zu haben". Aus "Zeitknappheit" und wegen "technischer Probleme" sei der Beitrag erst unmittelbar vor Sendungsstart fertig geworden und auf Sendung gegangen. Die "Unabhängigkeit der Redaktion" sei ihm "oberstes Gebot", versicherte der Landesdirektor. Zugleich betonte er, dass er sich "für eine gewohnt objektive Berichterstattung seines Teams in der verbleibenden Wahlkampfzeit in Tirol" verbürge.

    Er habe überdies mit Esther Fritsch von der Israelitischen Kultusgemeinde gesprochen, die "sich vergangene Woche erschüttert über die antisemitischen Aussagen des Passanten vor laufender Kamera gezeigt hatte".

    Quasi parallel zu Krieghofers Statement langte indes eine Aussendung Abwerzgers ein, in der er die "mangelnde Einsicht des ORF Tirol" kritisierte. Auf Nachfrage bestätigte ein Sprecher: "Es hat ein persönliches Telefonat gegeben, in dem sich der Herr Landesdirektor entschuldigt hat. Diese Entschuldigung wurde angenommen."

    Entschuldigung reicht FPÖ nicht

    Allerdings: Für Abwerzger "ist es wichtig, dass der ORF öffentlich eingesteht, dass hier ein schwerwiegender Fehler begangen und die Objektivität nicht eingehalten wurde". Jetzt hat auch der ORF-Redakteursrat auf die Causa reagiert. In den nächsten Wochen sollen Leitlinien für den Umgang mit journalistischen Fehlleistungen erarbeitet werden. Ziel sei eine "transparente Fehlerkultur": "Das Publikum muss sich weiter darauf verlassen können: Wenn im ORF ein Fehler passiert, wird dieser rasch richtiggestellt", erklärte der Vorsitzende des Redakteursrates, Dieter Bornemann.

    Die Wahlkampfreportage hat übrigens auch für den Passanten Folgen: Gegen ihn ermittelt die Justiz wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das NS-Verbotsgesetz.

    OÖN, 13.02.2018, 00:04 Uhr

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