• Kultur
    Bad Ischl weiß, was Operette braucht

    Bad Ischl weiß, was Operette braucht

    "Die lustige Witwe": Bejubelte Eröffnungspremiere des Lehár Festivals Bad Ischl.

    Die Eröffnungspremiere zum Lehár Festival Bad Ischl stand in diesem Jahr unter dem Vorzeichen eines Intendantenwechsels. Michael Lakner wechselt nach 13 guten Jahren nach Baden bei Wien. Zum Abschied wurde er ausgiebig geehrt, und das mit Recht. Sein Nachfolger Thomas Enzinger übernimmt eine Erfolgsmarke. Davon konnte man sich auch bei der Premiere von Franz Lehárs Operette "Die lustige Witwe" am Samstag überzeugen. Mehrmals spontaner Zwischenapplaus, Bravo-Rufe und anhaltender Schlussjubel zeigen: In Bad Ischl weiß man, was unterhaltsames Musiktheater braucht.

    In Operetten-Libretti soll man nicht allzu viel Bedeutung hineininterpretieren. Im Grunde geht es um Spannung durch Hindernis und Missgeschick, um Liebe, Lust & Happy End. Und das alles in kompositionsfreundlichen Formen, die dem musikalischen Einfallsreichtum zwischen Rasanz, Humor und Sentimentalität breiten Raum lassen. Lehàrs "Lustige Witwe" bietet dies alles im Übermaß.

    Leonard Prinsloo hat nicht zum ersten Mal bewiesen, dass er für Operetten ein goldenes Regiehändchen hat. Insbesondere durch die bewegungsreiche, sinnliche choreografische Gestaltung kommt enorme Dynamik in die Aufführung. Monika Biegler (Bühnenbild, Kostüme) vermeidet pedantische Historisierung ebenso wie krampfhafte Aktualisierung. Sie arbeitet vor allem mit Zeichen, die das Atmosphärische des Stücks vermitteln.

    Lob für Orchester und Sänger

    Ein Pauschallob gilt sowohl dem von László Gyükér einfühlsam geführten Orchester als auch den Sängerinnen und Sängern. Selbst bei den kleineren Partien (Valentin Trandafir, Giuseppe Preims, Roman Martin, Wolfgang Gerold, Dorli Buchinger) gibt es keine Schwachstelle.

    Reinhard Alessandri ist als Graf Danilo nicht nur aus optischen Gründen eine Idealbesetzung, und Regina Riel als Hanna Glawari sang das Vilja-Lied zum Weinen schön. Clemens Kerschbaumer ist ein stimmkräftig schmachtender Camille de Rosillon, und die von ihm umgarnte Valencienne (Verena Barth-Jurca) spielt ein elegantes und klangschönes Doppelspiel von Tugend und Frivolität. Steven Scheschareg präsentierte den patriotischen Baron und naiven Ehemann Mirko Zeta mit Witz und stimmlicher Präsenz. Den clownesken Teil übernahm Robert Herzl als Kanzlist Njegus.

    Lehár Festival: "Die lustige Witwe" von Franz Lehár, Premiere, Kongress & TheaterHaus Bad Ischl, 15. Juli

    OÖN Bewertung:

     

    Weitere Aufführungstermine: 28. Juli, 4., 11., 17., 18., 25., 26. August, 1. September (jeweils 20 Uhr), 23., 26., 30. Juli, 2., 6., 15., 20., 31. August, 3. September (jeweils 15.30 Uhr); Infos: www.leharfestival.at

    Christian Schacherreiter, 17.07.2017, 00:04 Uhr

    Mehr Kultur
    Kultur Übersicht
    Zurück Zum Seitenanfang