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    Akribisch, und doch lebensfroh: Bruno Weils tänzelnder Mozart

    Akribisch, und doch lebensfroh: Bruno Weils tänzelnder Mozart

    Äußerst gelungenes Auftaktkonzert der OÖ. Stiftskonzerte am Samstagabend im Marmorsaal des Stifts St. Florian.

    Schon zur lieben Tradition geworden, eröffnete das Bruckner Orchester diesmal unter seinem ersten Gastdirigenten Bruno Weil am Samstag im Marmorsaal des Stifts St. Florian die OÖ. Stiftskonzerte, die heuer ein Jubiläum feiern – immerhin ist es bereits die 45. Saison. Damit startet eines der bedeutendsten Sommerfestivals des Landes in einen Festivalreigen mit einem spannenden Programm und einer höchst gelungenen Eröffnung.

    Bruno Weil ist ausgewiesener Spezialist für die Klassik, und dementsprechend stand die Musik Mozarts im Zentrum. Für das Konzert für Flöte und Harfe KV 299 hatte man mit Marina Piccinini (Flöte) und der Harfenistin der Wiener Philharmoniker Anneleen Lenaerts prominente Solistinnen eingeladen, die Mozarts eigenwilligstes Konzert mit großer Bravour, feinem Ton und Geste interpretierten.

    Bruno Weil wählte mit den Solistinnen durchaus zügige Tempi, die dem Werk mit seinem manchmal etwas sentimental angehauchten Andantino den idealen Drive gaben und zu einem aktiven Dialog zwischen Solistinnen und Orchester anregten. Davor spielte man dem Motto der heurigen Saison "Licht & Dunkel" folgend ebenso lebendig und doch sehr detailverliebt und exakt formuliert Mozarts "Zauberflöten-Ouvertüre".

    Knallende Sektkorken

    Nach der Pause widmete man sich der nicht oft gespielten B-Dur-Symphonie KV 319, bei der vor allem der Finalsatz an knallende Sektkorken und sprudelnden Champagner denken lässt, hinreißend vom Bruckner Orchester und Bruno Weil inszeniert. Mit ähnlicher Akribie und dennoch sommerkonzertlich frisch interpretierte man drei Höhepunkte aus Mendelssohns "Sommernachtstraum"-Schauspielmusik op. 61 und erzielte mit dem Hochzeitsmarsch einen treffsicheren emotionalen Coup zum Schluss. Wie das Menuett in Mozarts B-Dur-Symphonie ließ Bruno Weil auch im Mendelssohn’schen Scherzo die Noten fein tänzeln, und zwar mit großzügiger Freiheit und doch streng genug, dass sie nicht aus der Reihe tanzen. Klanglich ungemein fein austariert das Notturno, bei dem höchstes Lob den Hornisten und Fagottisten gebührt. So edel hört man diese Musik nicht alle Tage! Ein stimmiger Abend in schwülwarmer, aber dennoch entspannter Atmosphäre – was will man mehr?

    Stiftskonzerte: Eröffnungskonzert mit dem Bruckner Orchester unter Bruno Weil, 9. Juni.

    OÖN Bewertung:

     

    Michael Wruss, 11.06.2018, 00:04 Uhr

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